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Sprachen lernen

Der Mix macht´s

Teil 2: Französisch und Spanisch, Klassiker als zweite Fremdsprache

Parlez-vous français?

Jetzt heißt es, auch mein Französisch schnell und effizient auffrischen, um hier an der Grenze zu Belgien und Frankreich zu punkten. In meinem abendlichen VHS-Kurs sind viele Frührentnerinnen, insbesondere ehemalige Lehrerinnen, die sich nun ein schönes Leben mit ihren Freundinnen am Mittelmeer machen, Ausstellungen in Paris besuchen oder auch nur weinselige Abende beim Franzosen um die Ecke erleben wollen. Hier im Konversationskurs auf dem Level B2/C1 komme ich mit Medien und Politik kaum gegen den Badestrand von Nizza, das Centre Pompidou oder Winzerfeste in der Champagne an. Ein Sprachurlaub in Paris oder ein Intensivkurs am Institut français sprengen nach dem Englischeinzeltraining sowohl mein zeitliches als auch finanzielles Budget. Also hilft nur ein Selbstlernprogramm – immerhin habe ich ein Studienjahr in Paris verbracht und ein, wenn auch nicht mehr druckfrisches, Sorbonne-Zertifikat in meinen Unterlagen.

Ich frage meine engagierte VHS-Lehrerin und Muttersprachlerin, der ich auch die eine oder andere Einzelstunde abringen kann. Sie empfiehlt den Unterricht auf TV5 Monde, das interaktive Online-Programm "Le Point du FLE" und für Bewerbungen die Villa France Cologne. Das TV5-Programm ist eher zum Einstieg geeignet und endet bei der Mittelstufe, Le Point ist für meinen Geschmack recht unübersichtlich. Bei der Villa France, einem deutsch-französischen Wirtschaftszentrum, werde ich schließlich fündig: Das Zentrum organisiert nicht nur Jobmessen in Köln, Berlin und Paris, sondern auch ein Rundum-Paket für Bewerbungen und berufliches Verhalten bis hin zu Lebenshaltungskosten und Gehältern in Frankreich.

Bewerbungs-Babylon

Und das kann ich auch gleich anwenden: Zwar habe ich mich auf ein englisches Job-Inserat bei "Reporters Without Borders" beworben, doch das Headquarter ist in Paris, und die Headhunterin führt das Gespräch auf Französisch – via Skype. Eine echte Herausforderung! Die Vokabeln zu Stärken und Schwächen, Personalverantwortung und Budgetierung habe ich zuvor noch nie aktiv gebraucht. Gut, dass ich mir im Vorfeld nicht nur die üblichen Fragen und Antworten auf Französisch angesehen, sondern auch eine für mich realistische Gehaltsvorstellung errechnet hatte. Denn Paris ist fast doppelt so teuer wie Köln, aber das Gehaltsangebot war leider nicht proportional dazu.

Gleich wieder Gesprächsstoff für meinen Tandempartner aus der Bretagne, einen Software-Entwickler, den es nach seiner Weltreise nach Köln verschlagen hat. Die Idee des Sprachtandems: Wir treffen uns regelmäßig, wobei er besser Deutsch lernt, während ich mein Französisch trainiere. Allerdings interessieren ihn Konzerte, Radtouren und natürlich IT wesentlich mehr als medien- und entwicklungspolitische Texte aus der Le Monde. Da ist eine Tandem-Beziehung schnell überstrapaziert.

¡Hola! ¿Qué tal?


Mein Studienjahr an der Paris-Sorbonne habe ich übrigens mit einem ziemlich langen Sprachurlaub an der Costa del Sol gekrönt, wovon ich heute noch gern die Fotos des nächtelangen Flamenco-Festivals im großgetupften Kleid, der Traje de Sevillana, und "Peinetas" im Haar zeige. Aber im Spanischen hat mich irgendwie nie der Ehrgeiz gepackt, wahrscheinlich, weil ich mit Rioja, Flamenco, "¡Hola! ¿Qué tal?" und "Vamos a la Playa" immer gut durch den Urlaub gekommen bin – und die Sprache beruflich nicht brauche.


MEINE PERSÖNLICHEN SPRACHLERNTIPPS

Spaß haben: Einen muttersprachlichen Tandempartner suchen und beim Kochen, Tanzen oder bei Ausflügen mehr über kulturelle Eigenheiten erfahren; zu finden etwa über das schwarze Brett an der Uni oder über Tandemportale online.

Wissensdurst stillen:
Coursera bietet kostenlose Online-Tutorials von Top-Universitäten an, zum Beispiel auf Englisch, Französisch und Chinesisch. Über LinkedIn können User das Zertifikat direkt in ihr Profil einbinden und den internationalen Alumni-Clubs beitreten.

An der Rhetorik feilen: Wer nicht nur Wert auf Grammatik legt, sondern sich auch rhetorisch den letzten Schliff für den Job, das Ehrenamt oder die politische Bühne geben möchte, dem ist der Rednerclub Toastmasters International zu empfehlen.

Nachrichten nutzen: Der staatliche Auslandsrundfunk ist zur Sprachbildung verpflichtet. So kann man etwa bei der BBC oder Radio France International aktuelle Nachrichten verfolgen und auf allen Kanälen (Sehen, Hören, Lesen, Schreiben, Chatten) lernen:

Bildungsurlaub nehmen: Mittlerweile sind – je nach Bundesland – auch einige (wenige) Sprachanbieter im Ausland für einen Bildungsurlaub anerkannt.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.12.2017