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Sprachen lernen

Der Mix macht´s

Saskia Eversloh
Englischkenntnisse sind inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Wer im Job punkten will, braucht mindestens eine zweite Fremdsprache. Angebote zum Lernen gibt's genug. Aber welche bringen Berufstätige auch schnell weiter? Ein Selbsttest.
"Exzellente Deutschkenntnisse auf muttersprachlichem Niveau und verhandlungssicheres Englisch" wünscht sich die internationale Entwicklungshilfeorganisation Oxfam am deutschen Standort von ihrer zukünftigen "Leiterin Marketing und Kommunikation". Ich klicke mich weiter durch die Stellenanzeigen-Portale: Die Fernuniversität Hagen erwartet von ihrem "Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit" in Nordrhein-Westfalen "herausragende schriftliche Ausdrucksfähigkeit und exzellente Beherrschung des Deutschen und Englischen in Wort und Schrift".

Der Industriekonzern ThyssenKrupp will noch mehr und sucht einen oder eine "Manager/in Leadership Communication" mit "verhandlungssicheren Deutsch- und Englischkenntnissen sowie fließenden Französischkenntnissen, idealerweise untermauert durch Auslandsaufenthalte". Und der südkoreanische Autohersteller Kia Motors schreibt für seinen Europa-Standort in Frankfurt am Main den "Manager PR Communications" gleich auf Englisch aus: "Nearly native level English, other languages are a plus".

German? Nice to have!


Vier von vielen aktuellen Ausschreibungen, die ich bei meiner Recherche gefunden habe – in der Kommunikation von Unternehmen, Öffentlicher Hand und Nichtregierungsorganisationen (NGO) in Deutschland. Für EU-Institutionen und die Arbeit in internationalen Organisationen oder im diplomatischen Dienst waren mehrere Sprachen auf hohem Niveau von jeher selbstverständlich.

Jetzt zieht auch die Wirtschaft ihre Anforderungen an: Wurden vor einigen Jahren noch "fließendes Englisch" oder "Fremdsprachenkenntnisse in Wort und Schrift" gesucht, so geht der Trend aktuell zum "(nearly) native Speaker" im Englischen – und auch weitere Fremdsprachen sind absolut fließend gefragt.

In der globalisierten Welt von heute ist Englisch die erste Sprache – und Deutsch nicht mehr als ein "nice to have", so wie beispielsweise bei der Ausschreibung von Kia. Selbst mittelständische Familienbetriebe haben mittlerweile Kunden, Lieferanten und Niederlassungen im Ausland. Und die direkten Vorgesetzten in Konzernen sind aus Korea, Großbritannien und anderen Ländern, sodass auch intern meist Englisch gesprochen wird.

Was also tun, wenn man nicht gleich in Großbritannien, den USA oder Australien studiert oder zumindest das ein oder andere Semester im englischsprachigen Ausland verbracht hat? Zwar war auch mein berufsbegleitender Master of Business Administration zweisprachig, aber mit der Abschaffung von muttersprachlichen Lektoren sind die Ansprüche an die eigenen Texte auch in den Redaktionen und Pressestellen erheblich gestiegen.

Wie also als Berufstätige in kürzester Zeit die Englischkenntnisse von einem guten auf ein nahezu muttersprachliches Niveau bringen und am besten nebenbei noch im Französischen verhandlungssicher werden, ohne gleich ein Auslands-Sabbatical dafür zu nehmen? Ich suche nach Intensivkursen im Kölner Raum, finde aber kaum Sprachschulen, die gehobenes Berufsenglisch für andere als kaufmännische Berufe anbieten. Was nützen mir schließlich geschäftliche E-Mails und Kundengespräche, wenn es Artikel zu schreiben oder TV-Trainings für Führungskräfte zu geben gilt?

BBC und Cambridge Press reloaded

Die VHS bietet einige einwöchige Kurse an, die zwar als Bildungsurlaub anerkannt sind, sich aber im unteren bis mittleren Sprachniveau bewegen. Die Wall-Street-Institute haben sich vom deutschen Markt zurückgezogen, Berlitz ist für die nächsten Monate hoffnungslos ausgebucht und auch bei Inlingua, Fokus oder Stevens finde ich gerade nicht das Passende für mich. Ich erweitere meinen Radius um den Pendelbereich und beschließe, ein Berlitz-Einzeltraining speziell für meine Branche und meine Tätigkeiten in einer anderen Stadt zu belegen. Ein Monat Vollzeit, sündhaft teuer, ständig wechselnde Trainer – alle sympathisch, meist der Liebe wegen aus den USA oder Großbritannien nach Deutschland gekommen. Allein: Die Grammatik muss ich mir woanders holen.

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Ich versuche es mit der BBC: Perfekt für Journalisten, Pressesprecher und Beschäftigte in Politik und Wirtschaft gibt es hier tagesaktuelle Dossiers für alle Sinne: Sehen, Hören, Lesen und Schreiben – und ganz nebenbei noch up to date in der Weltgeschichte sein. Passt! Außerdem entdecke ich das gute alte Grammatikbuch wieder: mittlerweile servicefreundlich als Selbstlernsystem mit Einstufungstest und Übungs-CD für die ganz persönlichen Lücken gestaltet, zum Beispiel von Cambridge University Press. Der Verlag hat jetzt auch "Professional English", etwa für Medien, Marketing oder "Job-hunting", im Sortiment. Letzteres ist nicht zu unterschätzen, denn spätestens bei den Job-Titeln im Lebenslauf reicht die reine Übersetzung nicht mehr aus, Kenntnisse des Bildungs- und Berufssystems sind gefragt.

Immerhin, Intensiv-Einzelkurs und Selbstlern-Mix haben es gebracht: Nach einem Monat habe ich mich um eine Stufe gesteigert und halte es schon in der Hand, das Berlitz-Fachsprachen-Zertifikat Level 10. Es entspricht dem Europäischen Referenzrahmen C1/C2 – nearly mother tongue!