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Unternehmensführung

10 Thesen zum Interim-Management

Handelsblatt
Rüdiger Kabst, Professor für Personalmanagement an der Justus-Liebig-Universität Gießen, und Wolfgang Thost, Partner von der Vermittlung Atreus, haben 100 ausgewählte Unternehmen analysiert. Ihre Ergebnisse erläutern sie im Buch „Interim-Management - auf dem Weg zur Selbstverständlichkeit“. Das Handelsblatt stellt die zehn maßgeblichen Trends vor.
Rüdiger Kabst ist Professor für Personalmanagement an der Uni GießenFoto: © PR
1. Der Markt wächst um weitere Anbieter
Das Marktpotenzial von Interim Management haben auch andere Personaldienstleister erkannt. Um ein Stück vom Kuchen abzubekommen, erweitern viele Personalvermittlungen und Zeitarbeitsfirmen ihr Leistungsangebot um die Dienstleistung Interim Management. In der Regel konzentrieren sich diese Anbieter auf das mittlere und untere Management. Daher sind die vermittelten Interim Manager meist jünger und im unteren Preissegment angesiedelt.
2. Die Anbieter bedienen unterschiedliche Zielgruppen
Der Markt wird sich künftig in ein unteres, mittleres und oberes Segment ausdifferenzieren. Während im unteren Massensegment eher preissensitiv gekauft wird und die pure Vermittlung fehlender Ressourcen dominiert, steht im oberen Marktsegment die Branchenkenntnis, das Geschäftsverständnis und die Problemlösung durch Interim Manager im Vordergrund. Im Umsetzungsgrad liegt Interim Management zwischen Zeitarbeit und Beratung.

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3. Die Dienstleister spezialisieren sich auf Branchen
Bei den Dienstleistungs-Anbietern bilden sich einige marktdominierende Marken heraus. Die Zahl der Generalanbieter wird sehr wahrscheinlich sinken, da sich die Dienstleister zunehmend nach Hierarchiestufen, Branchen, Funktionen, Regionen und Themen spezialisieren. Diese Tendenz zeichnet sich bereits in den Bereichen IT, Finanzen und Controlling ab. Hierdurch kann eine breite Auswahl an Dienstleistern den nachfragenden Unternehmen passgenau auf das Mandat zugeschnittene Kandidaten vermitteln.
4. Interim Manager ersetzen zunehmend Linienmanager und Berater
Die zunehmende Bedeutung des Interim Managements hat sowohl für die Personalberatungen als auch für die klassische Unternehmensberatung Konsequenzen. Unternehmen arbeiten einen Großteil ihrer Managementaufgaben künftig in Form von Projekten ab und greifen dabei flexibel auf maßgeschneiderte Ressourcen zu. Dadurch wird der Stamm an fest angestellten Managern in den Unternehmen deutlich kleiner. Auf diese Weise werden die entscheidenden Managementressourcen schneller dorthin gebracht werden, wo sie gebraucht werden. Zum anderen werden bei zunehmendem Bekanntheitsgrad von Interim Management manche Probleme, die heute noch durch ein Beraterteam analysiert werden, künftig möglicherweise gleich durch einen Manager auf Zeit gelöst.
5. Interim Manager lösen komplexe Aufgaben im Team
Die Interim-Management-Dienstleister stellen für anspruchsvolle Mandate passgenaue Teams zusammen. Ähnlich wie Strategieberatungen, die Erfahrung und Kompetenz der einzelnen Berater in ihren Teams bündeln, ist dies auch auf das Interim Management
übertragbar. Häufig sind große Projekte nicht von einem einzelnen Interim Manager zu stemmen. Bei Börsengängen, Unternehmenskäufen, Restrukturierungen und der Umsetzung internationaler Projekte macht es Sinn, ein Team von erfahrenen Interim Managern zusammenzustellen. Selbstverständlich steigen mit zunehmender Zahl der Interim Manager auch die Kosten für ein Unternehmen, jedoch stehen sie in keinem Verhältnis zu den Kosten für ein komplettes Beraterteam, zumal die Manager-Teams nach Bedarf erweitert oder reduziert werden können. Das heißt auch, es wird zu einer deutlicheren Trennung zwischen anspruchsvollen Aufgaben einerseits und Massengeschäft andererseits kommen.
6. Interim Manager kooperieren mit Strategieberatern
Sowohl am Anfang des Beratungsprozesses als auch während des gesamten Projektes kann eine Zusammenarbeit von Beratern mit Interim Managern sinnvoll sein. Das gilt insbesondere dann, wenn die Unternehmensberatung Branchen-Know-how benötigt, über das sie sonst nicht verfügt. Die Zusammenarbeit zwischen den Strategieberatungen und den Interim-Management-Dienstleistern hat für beide Seiten Vorteile: Unternehmensberatungen kaufen sich gezielt Branchenexpertise dazu, und Manager auf Zeit helfen auf effektive Weise, Strategien auch tatsächlich umzusetzen. Die Interim Manager profitieren vom Etablierungsgrad der Strategieberatungen. Da die Beauftragung einer Strategieberatung in vielen Unternehmen zum Standard gehört, könnten die Interim Manager quasi Huckepack ins Unternehmen geholt werden. Die Strategieberatungen hingegen begegnen durch die garantierte Umsetzung ihrer Konzepte der Kritik der mangelnden Nachhaltigkeit. Dies gilt auch für ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Berater im Dauereinsatz werden schnell sehr teuer, für Manager auf Zeit gilt das weniger.

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