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Kommunikation

„Wer authentisch ist, produziert keine Worthülsen“

Tina Groll / Zeit.de
Die Sprache im Job ist unklar und künstlich, sagt der Rhetorikexperte Thilo Baum. Im Interview erklärt er, wie man sich einfach und deutlich ausdrücken kann.
 
Foto: Thilo Baum/Klartext-Experte

Herr Baum, was zeichnet gute Kommunikation aus?
 
Thilo Baum: Gute Sprache richtet sich an den Empfänger. Sie ist ziel- und ergebnisorientiert. Sie können beispielsweise eine geschäftliche E-Mail entweder so verfassen: "Wie vereinbart sende ich Ihnen unser Angebot." Oder eben so: "Wie vereinbart erhalten Sie unser Angebot."

Das ist doch die gleiche Aussage.

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Baum: Nicht ganz. Der Satz "Sie erhalten unser Angebot" richtet sich an die Perspektive des Empfängers. Dieser dürfte sich durch diesen Satz stärker angesprochen fühlen. In dem Satz "Ich sende Ihnen unser Angebot" machen Sie sich selbst zum Thema, das kann egozentrisch wirken. Wenn man verstanden werden möchte, sollte man sicherstellen, dass die Botschaft den Empfänger abholt.

Welche Fehler werden am häufigsten gemacht?

Baum: Die meisten Menschen denken nicht nach, bevor sie sprechen. Wer klar und präzise formulieren möchte, muss vorher strukturiert denken. Die meisten Leute reden einfach drauf los, sprechen über das Warum, aber nicht über das Wozu.

Was doch beinahe das Gleiche ist.

Baum: Es gibt einen entscheidenden Unterschied. Das Warum fragt nach der Vergangenheit, dem Grund, es ist kausal. Das Wozu hingegen ist final, es fragt nach dem Zweck, dem Ergebnis. Wenn ich möchte, dass meine Botschaft ankommt, ist es sinnvoll, vom Zweck zu sprechen. Klar und präzise. Die wichtigen Botschaften gehören in Hauptsätze, nicht in verschachtelte Nebensatzkonstruktionen. Wenn es klare deutsche Wörter gibt, sollte man keine Fachbegriffe verwenden. Auch ein Arzt versteht das Wort Magenschleimhautentzündung. Warum dann also von Gastritis sprechen? So erhöht man die Chancen, besser verstanden zu werden. Viele reden von finanziellen Mitteln statt von Geld. Ich habe aber noch nie jemanden sagen hören: "Hast Du mal finanzielle Mittel für Zigaretten?".


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