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Präsentation

„Für Manager wird es immer wichtiger, als Person zu überzeugen“

Handelsblatt
„Wer sich nicht gut präsentiert, hat im Top-Management kaum Chancen.“ – Was einen guten Redner vom brillanten Rhetoriker unterscheidet, erklärt Peter Ditko, Chef der Deutschen Rednerschule.
 Foto: intuitives/SXC

Was zeichnet den sehr guten Redner aus?
 
Peter Ditko: Seine Rede und sein Auftritt müssen mit seiner Persönlichkeit übereinstimmen. Franz-Josef Strauß zum Beispiel war ein sehr emotionaler Mensch, er hat immer frei, ohne Manuskript gesprochen. Helmut Schmidt dagegen hatte immer eins dabei. Ein Redner muss authentisch sein, dann ist er gut.

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Sind Politiker bessere Redner als Manager?

Ditko: Es gibt tatsächlich nicht besonders viele Manager, die rhetorisch richtig gut sind. Dabei wird es für sie immer wichtiger, als Person zu überzeugen. Ideen und Innovationen werden heute im großen Rahmen präsentiert, nicht mehr nur von Fachleuten diskutiert. Die Industrie hat lange Zeit vernachlässigt, dass der passende Auftritt ein Erfolgsfaktor ist. Ein Vorstand wie vor 30 Jahren, der sich allein auf die sachliche Ebene konzentriert, den gibt es heute nicht mehr. Der Techniker muss dem Marketingexperten etwas verständlich erklären können – und umgekehrt. Wer sich nicht gut präsentiert, hat im Top-Management kaum eine Chance.

Die Deutschen sind Ihnen zu sachlich?

Ditko: Ja, sie sprechen zum Teil sehr buchhalterisch und nehmen sehr selten Verbindung zum Zuhörer auf. Sie betonen vornehmlich Substantive und vergessen gerne die Adjektive. Und sie legen wenig Wert auf Pronomen – im Gegensatz dazu die legendäre Handlungsaufforderung Barack Obamas mit „Yes we can“. Die Rede der Deutschen wirkt dadurch weniger lebendig und unterhaltsam.

Zu sachlich, zu langweilig. Sind Manager hoffnungslose Fälle?

Ditko: Nein. Reden kann man lernen. Mit Hilfe von Videotechnik fallen den meisten schnell ihre größten Fehler auf und dann versuchen sie, diese zu vermeiden.

Was macht einen brillanten Redner aus?

Ditko: Seine Gestik, Mimik und Stimme wirken unterstützend. Wenn ich meinen Zuhörern eine positive Nachricht überbringen möchte, müssen die Augen strahlen und sich der Körper öffnen.

Wie baut man sich als Redner einen guten Ruf auf?

Ditko: Indem man hart an sich arbeitet und Erfahrung sammelt. Die Situation, gleich eine lange Rede vor vielen Menschen halten zu müssen, darf keine Gefahr darstellen. Der Manager oder Politiker muss das wollen und darf sich nicht davor drücken. Er muss Spaß daran haben.


Das Gespräch führte Diana Fröhlich, Handelsblatt.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.06.2011

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