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Interview Umweltschutz

„Es werden Ingenieure, Juristen und Betriebswirte gesucht“

Diana Fröhlich / Handelsblatt
Der Umweltschutz wird den Arbeitsmarkt noch über Jahrzehnte bestimmen. das betont Martin Faulstich, Vorsitzende des Sachverständigenrats für Umweltfragen und Professor an der TU München.
Martin Faulstich, Vorsitzender Sachverständigenrat für Umweltfragen


Herr Faulstich, früher war es damit getan, das Abwasser zu reinigen und die Luft sauber zu halten. Was ist Umweltschutz heute?

Martin Faulstich: Es geht darum, seltene Rohstoffe zu recyceln, mit Energie effizient zu haushalten und nachhaltig zu wirtschaften. Die Umweltwirtschaft findet sich mittlerweile in jeder Branche wieder.

Und hat damit Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt?

Faulstich: Ja. Zweifelsohne wird das Thema die nächsten 30 bis 40 Jahre bestimmen. Es handelt sich nicht um eine Modeerscheinung, sondern um eine langfristige Herausforderung.

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Wer wird denn gesucht?

Faulstich: Vor allem Ingenieure. Es werden derzeit gar nicht genug Maschinenbauer und Verfahrenstechniker ausgebildet wie gebraucht werden. Aber auch Juristen, die sich im Planungsrecht auskennen, Geologen, Chemiker, Physiker und einschlägige Betriebswirte – Fachkräfte mit Visionen.

Werden Ihnen Studenten aus den Händen gerissen?

Faulstich: Definitiv. Mittlerweile bewerben sich doch die Firmen bei den angehenden Ingenieuren. Meist haben die jungen Akademiker gleich mehrere Angebote, wissen oft gar nicht, was sie zuerst machen sollen. Sie haben ein großes Selbstbewusstsein und große Wahlmöglichkeiten.

Welche Firmen werden bei Ihnen vorstellig?

Faulstich: Wir haben Kooperationen mit Linde, BMW, Siemens, Audi. Aber auch kleine und mittelständische Unternehmen werben um Absolventen und präsentieren sich auf Recruiting-Messen.

Wann betreibt ein Unternehmen nur „Greenwashing“, also Öko-Marketing?

Faulstich: Im Grunde wollen natürlich alle Firmen in der Öffentlichkeit als umweltverträglich dastehen, auch wenn sie sich bisweilen eher ein grünes Mäntelchen umhängen. Am besten ist es, den Nachhaltigkeitsbericht zu lesen. Darin lässt sich relativ gut erkennen, wie glaubwürdig eine Firma ist. Je größer ein Unternehmen, desto transparenter muss es handeln.

Mit Martin Faulstich, dem Vorsitzenden des Sachverständigenrats für Umweltfragen und Professor an der TU München sprach Diana Fröhlich (Handelsblatt).
Dieser Artikel ist erschienen am 20.05.2011

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