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Der riesige Bewerberüberhang verringert die Job-Chancen im Berufsfeld B&F.
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Bedrohter Arbeitsmarkt

Schwere Zeiten für Finanz-Profis

JU | karriere.de
Der seit Jahren anhaltende Konsolidierungsprozess im Banken- und Finanzsektor geht weiter. Schließungen von Filialen und ein rigider Stellenabbau sind vielerorts ausgemachte Sache – allen voran Deutsche Bank und Commerzbank, die Tausende Stellen streichen. Karriere.de zeigt die Entwicklung in ausgesuchten Berufssegmenten – und die Chancen, die B&F-Spezialisten jetzt noch haben.
Die deutschen Banken kommen nicht zur Ruhe, sie leiden unter den Niedrigzinsen, die Erträge wegbrechen lassen, bei der Digitalisierung hinken sie hinterher. Noch dazu erhöhen die Auflagen des Gesetzgebers zur Eigenkapitalquote, hohe Personalaufwendungen und der scharfe internationale Wettbewerb den Druck auf die Unternehmensspitzen, die Kosten zu senken. Um konkurrenzfähig zu bleiben, sind Personalabbau, Filialschließungen und Fusionen immer häufiger die Folge. Waren im Jahr 2000 noch 774.550 Mitarbeiter im Banken- und Kreditgewerbe beschäftigt, sank die Zahl 2015 auf 627.150 – Tendenz weiter fallend. Haben B&F-Profis überhaupt noch Chancen auf der Suche nach dem idealen Job?
Grafik Banking & Finance          Das Job-Angebot für Banking-&-Finance-Experten hat sich seit dem von karriere.de gemessenen Tiefststand im Januar erhöht, es liegt jedoch weiterhin extrem unter den Bewerberzahlen.

Nach dem Nachfragehoch im Mai sind die Bewerbernachfragen zurückgegangen, ziehen aber seit August wieder an. So haben es Fachkräfte auf der Suche nach dem idealen Job weiterhin sehr schwer.

So werden die Daten erhoben:
Karriere.de sammelt täglich die Stellenangebote für das Berufsfeld Banking & Finance aus allen relevanten Zeitungen und Stellenbörsen. Jedes einzelne Angebot wird nach Berufsbereich, Qualifikation und Ort sortiert. Nachdem alle Doppler herausgefiltert wurden, ermittelt karriere.de einen Gesamtwert. Nicht berücksichtigt sind dabei die Angebote, die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wurden. Grafik: karriere.de
Der Blick auf den Gesamtmarkt
Der riesige Bewerberüberhang verringert die Job-Chancen im Berufsfeld B&F


Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen am gesamten Arbeitsmarkt blieb auch im September auf hohem Niveau, gegenüber Januar stieg die Zahl der Job-Angebote um 17,59 Prozent, die Nachfrage ermäßigte sich um 7,42 Prozent. Im krisengeschüttelten Banking-&-Finance-Sektor fiel der Jobangebote-Zuwachs entgegen der Erwartung sogar noch höher aus: Gegenüber dem Tiefststand im Januar ist ein Plus von 25,77 Prozent bei anziehender Nachfrage (+ 8,82 Prozent) zu verzeichnen. Trotzdem haben sich die Chancen auf der Suche nach dem idealen Job nicht grundsätzlich erhöht, da die Bewerbernachfrage sehr groß ist und das Angebot in den meisten Fällen zum Teil extrem übertrifft.


GEWINNER (Stellenangebote im Vergleich zu Januar 2016)

Real Estate: + 76,61 Prozent
Immobilienmanager, Immobilienfonds, Baufinanzierung

Buchhaltung: + 43,22 Prozent
Fondsbuchhalter, Kontokorrentbuchhalter, Bilanzbuchhalter

Leitungsfunktionen: + 30,06
Prozent Head of Finance, Leiter Finanzen, Direktor Finanzen

Asset-Management: + 29,28 Prozent
Derivate, Asset Optimizer, Vermögensberater

Risk Management: + 25,84 Prozent
Risk-Manager

Finanzierung: + 20,20 Prozent
Finanzierungsberater, Verbundgeschäft, Firmenkundenkredit

Versicherungen: + 14,46 Prozent
Generalagent, Schadenssachbearbeiter, Kundenbetreuer

Controlling: + 13,39 Prozent
Controller, Financial Analyst, Wirtschaftsprüfer

Die Zahl der Stellenangebote in dem relativ kleinen Bereich Real Estate erhöhten sich überdurchschnittlich von 1.043 (Jan.) auf 1.842 (Sept.), aber der Bewerberzuwachs von 36,82 Prozent und der Nachfrageüberschuss bieten lediglich berufserfahrenen Bewerbern Chancen auf der Suche nach dem idealen Job.

Das Segment Buchhaltung ist neben Finanzierung der einzige Berufsbereich, in dem das Angebot größer ist als die Nachfrage. Waren im Januar 4.560 Buchhaltungs-Stellen annonciert, erhöhte sich die Zahl im September auf 6.531, die Bewerbernachfragen zogen um überdurchschnittliche 36,40 Prozent an. Fachkräfte haben dennoch nach wie vor gute bis sehr gute Job-Chancen.

Über den Durchschnitt gewannen auch die Bereiche Leitungsfunktionen (Jan.: 38.819 Stellen; Sept.: 50.487), Asset-Management (1.216; 1.572) und Risk Management (1.796; 2.260). Da die Nachfrage jedoch in allen drei Segmenten das Angebot übersteigt, ist der Konkurrenzkampf weiterhin sehr stark. Vereinzelt können sich durch den zum Teil erheblichen Bewerberrückgang, so etwa im Bereich Asset-Management (– 28,98 Prozent), neue Job-Chancen für berufserfahrene Bewerber ergeben.

Der Markt für Finanzierungs-Experten ist sehr klein (Jan.: 401 offene Stellen; Sept.: 482), doch da sich die Bewerberzahlen um 20,99 Prozent ermäßigten, haben Fachkräfte gute bis sehr gute Chancen auf der Suche nach dem idealen Job. Kaum neue Job-Chancen bieten sich in den Bereichen Versicherungen (6.149; 7.038) und Controlling (15.865; 17.989). Dem Zuwachs des Job-Angebots steht das noch größere Nachfrageplus (Versicherungen: + 16,59 Prozent; Controlling: + 16,38 Prozent) bei anhaltendem Bewerberüberschuss gegenüber.


VERLIERER (Stellenangebote im Vergleich zu Januar 2016)

Firmenkundenbetreuer: – 43,80 Prozent
Mergers Acquisitions, Unternehmensfinanzierung

Privatkundenbetreuer: – 43,94 Prozent
Kundenberater, Kontoführung, Cash Management

Firmen- und Privatkundenbetreuer sind am unmittelbarsten vom Filial- und Stellenabbau der Branche betroffen. So sank das Job-Angebot für Firmenkundenbetreuer von 694 Stellen (Jan.) auf 390 (Sept.). Zum Vergleich sei der höchste je von karriere.de gemessene Wert erwähnt: 2.425 Stellenangebote im März 2011! Minimale Job-Chancen könnten sich lediglich für Fachkräfte durch den Bewerberrückgang von 54,07 Prozent ergeben.

Keine Bewerber registrierte karriere.de im kleinsten Bereich Privatkundenbetreuer (Jan.: 132 Stellen; Sept.: 74). Wenn man bedenkt, das im Mai 2012 noch 3.664 offene Stellen gezählt wurden, erscheint die Lage für Fachkräfte auf der Suche nach dem idealen Job nahezu hoffnungslos.

Professionelle Unterstützung für Jobsuche nötig

Der Markt der Stellenbörsen wird von Jahr zu Jahr unübersichtlicher und ist für den Einzelnen kaum noch zu durchschauen. Über 88.500 Angebote in den untersuchten Banking- &-Finance-Segmenten wurden im Juli in Zeitungen, Fachmagazinen, Stellenbörsen und Fachportalen geschaltet. Ohne professionelle Tools wird die Jobsuche schnell zu einem Fulltime-Job.

Die Alternative: JobAgent Banking & Finance
Einen umfassenden Stellenmarktreport können Sie jetzt auch kostenlos für Ihr individuelles Suchprofil nutzen: Eine maßgeschneiderte Selektion aller passenden Angebote erfolgt kostenlos aus allen relevanten Stellenbörsen und Zeitungen Deutschlands. Das Rechercheergebnis wird Ihnen einmal pro Woche per Mail zugesandt.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.10.2016