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Kaum ein anderer Arbeitsmarkt-Bereich stand im vergangenen Jahr so unter Druck wie der im Berufsfeld Banking & Finance.
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Endlich Zuwachs bei Stellenangeboten

Neue Chancen für sturmerprobte Finanzprofis

JU | karriere.de
Kaum ein anderer Arbeitsmarkt-Bereich stand im vergangenen Jahr so unter Druck wie Banking & Finance. Der Wind scheint sich zu drehen, denn das Job-Angebot wächst. Gleichzeitig ziehen die Bewerberzahlen an.
Die Bankenkrise ist längst nicht ausgestanden und wird so manche Fachkraft auch in diesem Jahr das Fürchten lehren. Zudem ist noch nicht abzusehen, welche Folgen der "harte Brexit" und die Neuausrichtung der US-Politik unter Präsident Donald Trump in der globalisierten Finanzbranche haben werden.

Auch die Versicherungswirtschaft gerät zunehmend unter Druck, die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung von Arbeitsprozessen in der Verwaltung könnte nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey in den nächsten zehn Jahren jeden vierten Arbeitsplatz gefährden.

Keine rosigen Aussichten also für Banking-&-Finance-Profis, lediglich Buchhalter sind gefragt. In den meisten anderen Segmenten sind Bewerber steigendem Konkurrenzkampf ausgesetzt.
Grafik Banking & Finance          Das Job-Angebot für B&F-Fachkräfte kletterte zum Ende des 4. Quartals auf den zweithöchsten im Jahr 2016 gemessenen Wert. Nur im August war die Zahl der ausgeschriebenen Stellen höher.

Allerdings zog auch die Bewerbernachfrage nach dem Jahrestief im November 2016 wieder an. So bleibt die Suche nach dem idealen Job im Berufsfeld Banking & Finance aufgrund des extremen Bewerber-Überhangs selbst für Experten schwierig.

So werden die Daten erhoben:
Karriere.de sammelt täglich die Stellenangebote für Banking-&-Finance-Profis aus allen relevanten Zeitungen und Stellenbörsen. Jedes einzelne Angebot wird nach Berufsbereich, Qualifikation und Ort sortiert. Nachdem alle Doppler herausgefiltert wurden, ermittelt karriere.de einen Gesamtwert. Nicht berücksichtigt sind dabei die Angebote, die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wurden. Grafik: karriere.de
Der Blick auf den Gesamtmarkt
Extremer Nachfrage-Überschuss "neutralisiert" steigendes Job-Angebot für B&F-Profis


5.775.668 Stellenanzeigen am gesamten Arbeitsmarkt markierten zum Jahreswechsel ein neues Allzeit-Hoch: Dies stellte ein Plus von starken 30,36 Prozent gegenüber Januar dar. Die Zahl der Annoncen im Berufsfeld Banking & Finance erhöhte sich noch stärker (+ 32,46 Prozent) – allerdings auf niedrigstem Niveau. Entscheidender aber ist die Tatsache, dass in neun von zehn analysierten B&F-Berufsfeldern die Bewerbernachfrage, die im Gegensatz zum Gesamtmarkt (– 1,03 Prozent) um 7,47 Prozent stieg, zum Teil extrem über dem Job-Angebot lag. So haben nur die Besten eine Chance auf der Suche nach dem Traumjob.


GEWINNER (Stellenangebote im Vergleich zu Januar 2016)

Privatkundenbetreuer: + 103,79 Prozent
Kundenberater, Kontoführung, Cash Management

Real Estate: + 58,86 Prozent
Immobilienfonds, Baufinanzierung, Immobilienmanager

Asset-Management: + 54,19 Prozent
Vermögensberater, Derivate, Asset Optimizer

Leitungsfunktionen: + 40,83 Prozent
Head of Finance, Leiter Finanzen, Direktor Finanzen

Risk Management: + 36,75 Prozent
Risk-Manager

Buchhaltung: + 33,71 Prozent
Bilanzbuchhalter, Fondsbuchhalter, Kontokorrentbuchhalter

Controlling: + 16,06 Prozent
Wirtschaftsprüfer, Financial Analyst, Controller

Versicherungen: + 13,01 Prozent
Generalagent, Schadenssachbearbeiter, Kundenbetreuer

Wie Zahlen täuschen können: Privatkundenbetreuer konnten sich über mehr als eine Verdoppelung der ausgeschriebenen Stellen (Jan. 2016: 132; Dez.: 269) freuen, doch der überproportionale Bewerbernachfrage-Schub von 74,40 Prozent bei leichtem Bewerber-Überschuss macht die Jobsuche in dem kleinsten B&F-Segment selbst für Experten zum Lotteriespiel!

Dies gilt auch für den Bereich Real Estate. Dem deutlichen Angebots-Zuwachs (Jan. 2016: 1.043 Jobs; Dez.: 1636) steht der noch größere Anstieg der Bewerberzahlen (+ 59,45 Prozent) gegenüber. Der starke Nachfrage-Überhang vermindert die Karriere-Möglichkeiten sogar für ausgewiesene Spezialisten.

Auf verschärften Konkurrenzdruck müssen sich ebenso Bewerber in den Segmenten Asset-Management und Leitungsfunktionen einstellen. Die Zahl der Asset-Management-Stellenanzeigen entwickelte sich zwar durchaus positiv (Jan. 2016: 1.216; Dez.: 1.875) und die Bewerbernachfrage stieg moderat um 13,28 Prozent, doch der extreme Bewerber-Überschuss schmälert die Aufstiegs-Chancen – selbst für gut ausgebildete und berufserfahrene Fachkräfte. Im größten B&F-Markt Leitungsfunktionen (Jan. 2016: 38.819 vakante Jobs) wurde im Dezember mit 54.668 Annoncen ein neues historisches Hoch erreicht. Wechselwilligen Profis – ihre Zahl stieg um 11,17 Prozent – nützt dies nicht viel, der Nachfrage-Überhang ist immer noch gigantisch, die Chancen bei der Suche nach dem Traumjob haben sich weiter verschlechtert.

Der starke bis extreme Bewerber-Überschuss macht auch Risk-Managern (Jan. 2016: 1.796 vakante Stellen; Dez.: 2.495), Controllern (15.865; 18.498) und Versicherungs-Spezialisten (6.149; 6.954) zu schaffen. Lediglich der Nachfrage-Rückgang in den Bereichen Risk-Management (– 8,73 Prozent) und Controlling (– 12,02) eröffnet Experten neue Job-Perspektiven.

Im Segment Versicherungen hingegen erhöhte sich die Bewerbernachfrage um satte 40,49 Prozent. Hier haben nur die Besten Chancen auf der Suche nach dem idealen Job.

Einziger Lichtblick im Berufsfeld B&F: der Job-Markt für Buchhalter, der von 4.560 Stellenanzeigen (Jan. 2016) auf 6.100 (Dez.) zulegte. Zwar stiegen auch die Bewerberzahlen um starke 34,72 Prozent, der solide Angebots-Überschuss bietet jedoch nach wie vor sehr gute bis beste Chancen auf der Suche nach dem Traumjob.


VERLIERER (Stellenangebote im Vergleich zu Januar 2016)

Firmenkundenbetreuer: – 1,44 Prozent
Mergers Acquisitions, Unternehmensfinanzierung

Finanzierung: – 8,23 Prozent
Finanzierungsberater, Verbundgeschäft, Firmenkundenkredit

Wurden Firmenkundenbetreuer in der karriere.de-November-Auswertung (Jan.: 694 offene Stellen; Nov.: 718) unter den Gewinnern geführt, war das Job-Angebot im Dezember mit 684 Annoncen wieder rückläufig. Allerdings ermöglicht der große Nachfrage-Verlust von 46,92 Prozent – bei sich verringerndem Bewerber-Überhang – Experten durchaus neue Job-Chancen.

Auf 368 (Dez.; Jan. 2016: 401) ausgelobte Posten schrumpfte das Job-Angebot im Segment Finanzierung, die Nachfrage ermäßigte sich um 2,17 Prozent. Da die Bewerberzahlen die Zahl der ausgeschriebenen Stellen im zweitkleinsten B&F-Bereich nur geringfügig übertreffen, können sich berufserfahrene Profis durchaus Chancen auf der Suche nach dem idealen Job ausrechnen.

Professionelle Unterstützung für Jobsuche nötig

Der Markt der Stellenbörsen wird von Jahr zu Jahr unübersichtlicher und ist für den Einzelnen kaum noch zu durchschauen. Rund 93.500 Angebote in den untersuchten Banking- &-Finance-Segmenten wurden im Dezember 2016 in Zeitungen, Fachmagazinen, Stellenbörsen und Fachportalen geschaltet. Ohne professionelle Tools wird die Jobsuche schnell zu einem Fulltime-Job.

Die Alternative: JobAgent Banking & Finance
Einen umfassenden Stellenmarktreport können Sie jetzt auch kostenlos für Ihr individuelles Suchprofil nutzen: Eine maßgeschneiderte Selektion aller passenden Angebote erfolgt kostenlos aus allen relevanten Stellenbörsen und Zeitungen Deutschlands. Das Rechercheergebnis wird Ihnen einmal pro Woche per Mail zugesandt.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.02.2017

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