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Massenentlassungen, Filialschließungen und Fusionen in der Banken- und Finanzbranche prägten das gesamte vergangene Jahr.
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Perspektiven Banking & Finance

Kein Job ohne Risiko

JU | karriere.de
Ein Ende der Bankenkrise ist nicht in Sicht, das Arbeitsplatz-Angebot für alle B&F-Experten stagniert auf niedrigem Niveau, die Bewerberzahlen hingegen steigen messbar an. Karriere.de hat die Chancen und Risiken von Fachkräften in zehn ausgesuchten Berufsbereichen beleuchtet.
Massenentlassungen, Filialschließungen und Fusionen in der Banken- und Finanzbranche prägten das gesamte vergangene Jahr. Ein Konsolidierungsprozess, der auch in diesem Jahr die Rahmenbedingungen am Stellenmarkt für B&F-Profis setzen wird. Im Vergleich zu Februar 2016 ist zwar ein Job-Angebotszuwachs von überdurchschnittlichen 18,78 Prozent (gesamter Arbeitsmarkt: + 9,76 Prozent) zu verzeichnen, doch der weiterhin sehr starke Bewerber-Überschuss – trotz des Rückgangs um 3,07 Prozent im Jahresvergleich – lässt die Job-Chancen von wechselwilligen Kandidaten schwinden. Dies untermauert die Analyse der zehn Berufssegmente, nur in drei Bereichen erhöhte sich das Job-Angebot im Jahresvergleich, in den sieben verbleibenden rutschte die Zahl der Annoncen mehr oder weniger deutlich unter die Vorjahreszahlen. Ein überdurchschnittlicher Bewerberrückgang sorgt in einzelnen Segmenten jedoch für neue Job-Hoffnungen.
Grafik Banking          Keine Besserung in Sicht: Das Job-Angebot für B&F-Profis verharrt nach einem kleinen Zwischenspurt im Dezember und dem Rückgang im Januar auf sehr niedrigem Niveau.

Die Bewerbernachfragen ziehen nach der deutlichen Ermäßigung im Januar wieder spürbar an. So sind die Chancen von Fachkräften auf der Suche nach dem idealen Job durch den sehr starken Bewerber-Überhang nur unterdurchschnittlich.

So werden die Daten erhoben:
Karriere.de sammelt täglich die Stellenangebote für Banking-&-Finance-Experten aus allen relevanten Zeitungen und Stellenbörsen. Jedes einzelne Angebot wird nach Berufsbereich, Qualifikation und Ort sortiert. Nachdem alle Doppler herausgefiltert wurden, ermittelt karriere.de einen Gesamtwert. Nicht berücksichtigt sind dabei die Angebote, die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wurden. Grafik: karriere.de
Der Blick auf den Gesamtmarkt
Nur in drei B&F-Segmenten übertreffen die Stellenangebote die Bewerbernachfragen


Konsolidierung auf sehr hohem Niveau (5.144.225 Stellenanzeigen) prägte den Monat Februar, nachdem im Januar (5.141.471) ein deutlicher Verlust gegenüber dem Allzeit-Rekord im Dezember (5.775.668) gemessen wurde. Zu den gefragtesten Fachkräften zählten im Februar Bewerber aus Wissenschaft & Forschung, Medien und aus dem Berufsfeld Office, Finanz-Profis belegten im Top-18-Ranking einen beachtenswerten siebten Platz. Das große Problem von Experten auf Jobsuche ist der sehr starke Bewerber-Überschuss, nur in den Bereichen Real Estate, Buchhaltung und Finanzierung besteht ein Angebots-Überhang.


GEWINNER (Stellenangebote im Vergleich zu Februar 2016)


Controlling: + 35,59 Prozent
Controller, Wirtschaftsprüfer, Financial Analyst

Leitungsfunktionen: + 25,09 Prozent
Direktor Finanzen, Head of Finance, Leiter Finanzen

Buchhaltung: + 7,97 Prozent
Kontokorrentbuchhalter, Bilanzbuchhalter, Fondsbuchhalter

Stark präsentierte sich das Job-Angebot im Segment Controlling. Nach 15.196 vakanten Positionen (Febr. 2016) wurden im Februar 2017 20.605 Stellen gezählt, das ist der höchste Wert seit Oktober 2014. Fachkräfte haben dennoch keinen Grund zur Freude. Die Bewerberzahlen (+ 12,69 Prozent) liegen ebenso stark über der Zahl der Ausschreibungen, der Konkurrenzdruck steigt, die Job-Suche bleibt schwierig.

Trotz eines deutlichen Zuwachses im Jahresvergleich (Febr. 2016: 38.449; Febr. 2017: 48.095) ist der Bereich Leitungsfunktionen von einem Abwärtstrend betroffen, denn seit Dezember (54.668; Jan.: 49.681) wurde ein Job-Verlust von 12,02 Prozent gemessen. Tendenz: weiter fallend. Der Bewerber-Überschuss bleibt trotz Rückgang um 9,05 Prozent sehr hoch, Spezialisten müssen sich auf einen harten Wettbewerb auf der Suche nach dem Traumjob einstellen.

Das Segment Buchhaltung ist aus dem Abwärtstrend im Januar nach oben ausgebrochen: Mit 6.328 (Febr. 2016: 5.861; Dez.: 6.100; Jan.: 5703) Anzeigen wurde der höchste Wert seit September 2016 erreicht. Der Angebots-Überhang ist solide, die Bewerbernachfragen zogen um überdurchschnittliche 34,09 Prozent an. Trotzdem bieten sich Buchhaltungs-Profis gute bis sehr gute Karriere-Chancen.


VERLIERER (Stellenangebote im Vergleich zu Februar 2016)


Risk Management: – 3,44 Prozent
Risk-Manager

Finanzierung: – 4,44 Prozent
Firmenkundenkredit, Finanzierungsberater, Verbundgeschäft

Real Estate: – 5,58 Prozent
Immobilienmanager, Immobilienfonds, Baufinanzierung

Asset-Management: – 7,52 Prozent
Derivate, Asset Optimizer, Vermögensberater

Versicherungen: – 14,11 Prozent
Kundenbetreuer, Generalagent, Schadenssachbearbeiter

Firmenkundenbetreuer: – 32,83 Prozent
Mergers Acquisitions, Unternehmensfinanzierung

Privatkundenbetreuer: – 34,68 Prozent
Kontoführung, Cash Management, Kundenberater

Die Liste der Verlierer wird länger. Das Job-Angebot für Risk-Manager – in der karriere.de- Dezember-Analyse noch unter den Gewinnern – ging nur geringfügig (Febr. 2016: 2.354; Febr. 2017: 2.273 Stellen) zurück. Doch der im Februar wieder deutlichere Bewerber-Überschuss – trotz des starken Rückgangs um 33,32 Prozent im Jahresvergleich – schmälert die Chancen auf der Suche nach dem idealen Job.

Was man kaum vermuten sollte, die Job-Suche für Finanzierungs-Profis hat sich trotz Reduzierung der Stellenausschreibungen (496; 474) entspannt. Dazu trug der Job-Anstieg um 28,8 Prozent seit Dezember (368) bei, der dazu führte, dass seit Januar die Zahl der vakanten Positionen die Bewerbernachfragen (– 8,23 Prozent) wieder übertrifft. So bieten sich Fachkräften gute Aufstiegs-Chancen.

Abwärts ging es in den Segmenten Real Estate (1.649; 1.557), Asset-Management (1157; 1070) und Versicherungen (6.286; 5.399), alle drei waren in der karriere.de-Dezember-Untersuchung noch Gewinner. Real-Estate-Profis haben durch den Bewerberrückgang um 34,90 Prozent und den knappen Angebots-Überschuss dennoch Aufstiegs-Möglichkeiten, wechselwillige Asset-Management- (Bewerber: – 37,56 Prozent) und Versicherungs-Experten (Bewerber: +13,01 Prozent) müssen sorgenvoll in die Zukunft schauen, denn in beiden Bereichen ist der Abwärtstrend im Job-Angebot seit Dezember ungebrochen. Der starke Bewerber-Überhang steigert den Konkurrenzdruck und verringert die Chancen auf der Suche nach dem idealen Job.

Auf bittere Zeiten müssen sich Firmen- (661; 444) und Privatkundenbetreuer (222; 145) einstellen: Da hilft auch der riesige Bewerberverlust im Bereich Firmenkundenbetreuer (– 40,30 Prozent) nichts, denn die Bewerbernachfragen liegen weiter stark über dem Job-Angebot. Selbst ausgewiesenen Spezialisten dürfte es schwer fallen, einen geeigneten Job zu finden. Nicht ganz so düster sieht es für Privatkundenbetreuer aus, die Bewerberzahlen (– 14,02 Prozent) übertreffen die Zahl der vakanten Arbeitsplätze nur knapp, gut ausgebildeten und berufserfahrenen Fachkräfte sollten sich trotz des zunehmenden Konkurrenzdruckes Job-Chancen bieten.


Professionelle Unterstützung für Jobsuche nötig

Der Markt der Stellenbörsen wird von Jahr zu Jahr unübersichtlicher und ist für den Einzelnen kaum noch zu durchschauen. Rund 86.400 Angebote in den untersuchten Banking- &-Finance-Segmenten wurden im Februar 2017 in Zeitungen, Fachmagazinen, Stellenbörsen und Fachportalen geschaltet. Ohne professionelle Tools wird die Jobsuche schnell zu einem Fulltime-Job.

Die Alternative: JobAgent Banking & Finance
Einen umfassenden Stellenmarktreport können Sie jetzt auch kostenlos für Ihr individuelles Suchprofil nutzen: Eine maßgeschneiderte Selektion aller passenden Angebote erfolgt kostenlos aus allen relevanten Stellenbörsen und Zeitungen Deutschlands. Das Rechercheergebnis wird Ihnen einmal pro Woche per Mail zugesandt.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.03.2017

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