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Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue Hiobsbotschaften den Banken- und Finanzsektor erschüttern, Experten warnen vor einer neuen Bankenkrise, die Erträge sind rückläufig, der Personalabbau wird durch die Digitalisierung verstärkt.
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Keine Entwarnung am Job-Markt Banking & Finance

Ist die Lage für Finanz-Profis hoffnungslos?

JU | karriere.de
Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue Hiobsbotschaften den Banken- und Finanzsektor erschüttern, Experten warnen vor einer neuen Bankenkrise, die Erträge sind rückläufig, der Personalabbau wird durch die Digitalisierung verstärkt. Doch ist die Lage tatsächlich hoffnungslos? Karriere.de hat ausgesuchte Berufsbereiche für B&F-Spezialisten analysiert und zeigt Risiken und Chancen auf der Suche nach dem idealen Job.
Über die künftigen internationalen Kapitalregeln wird heftig gestritten, die Folgen des Brexit sind nicht abzusehen, die Niedrigzinsen lassen die Erträge schmelzen, die Turbulenzen um die Krise der italienischen Bank Monte-dei-Paschi könnten auf den gesamten Bankenmarkt übergreifen, und gerade erst meldete die Landesbank Nord/LB einen Milliardenverlust. Themen, die sich kurz-, mittel- oder gar langfristig auf das Berufsfeld Banking & Finance auswirken können. Zwar wuchs das Job-Angebot für B&F-Profis von Januar bis Oktober um 27,83 Prozent deutlicher als am Gesamt-Arbeitsmarkt (+ 26,76 Prozent), liegt im Langzeitvergleich mit Jahresdurchschnittswerten aber weiterhin unter dem bisherigen Tiefststand von 2015.
Grafik Banking          Die Langzeitgrafik mit den jährlichen Durchschnittswerten zeigt das ganze Dilemma im Berufsfeld Banking & Finance: Seit Beginn der karriere.de-Messungen sind die Bewerberzahlen gewaltig gestiegen – und kein Ende ist absehbar!

Die Zahl der Stellenangebote hin-gegen sind kontinuierlich zurückge-gangen und liegen seit 2015 sogar unter dem niedrigsten jemals ermittelten Durchschnittswert von 2010. Nie war die Jobsuche für B&F-Profis schwieriger!

So werden die Daten erhoben:
Karriere.de sammelt täglich die Stellenangebote für Banking-&-Finance-Spezialisten aus allen relevanten Zeitungen und Stellenbörsen. Jedes einzelne Angebot wird nach Berufsbereich, Qualifikation und Ort sortiert. Nachdem alle Doppler herausgefiltert wurden, ermittelt karriere.de einen Gesamtwert. Nicht berücksichtigt sind dabei die Angebote, die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wurden. Grafik: karriere.de
Der Blick auf den Gesamtmarkt
Die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage wird im Berufsfeld B&F immer größer


Goldener Oktober am Arbeitsmarkt, nie waren mehr Stellen ausgeschrieben, in allen 18 karriere.de-Berufsfeldern zog die Zahl der Stellenanzeigen weiter an. Besonders gesucht: Experten aus Wissenschaft & Forschung, Gesundheits- und Medien-Profis, Logistiker, Office-Kräfte, IT-Spezialisten und Handwerker. Der Banking-&-Finance-Sektor hingegen befindet sich im Umbruch. Größtes Problem sind die riesigen Bewerberzahlen, die auf der Suche nach dem idealen Job zu heftigem Konkurrenzdruck führen. Lediglich im Bereich Buchhaltung übersteigt das Job-Angebot die Nachfrage.


GEWINNER (Stellenangebote im Vergleich zu Januar 2016)

Privatkundenbetreuer: + 100 Prozent
Kontoführung, Cash Management, Kundenberater

Real Estate: + 57,53 Prozent
Baufinanzierung, Immobilienfonds, Immobilienmanager

Risk Management: + 51,39 Prozent
Risk-Manager

Asset-Management: + 35,20 Prozent
Asset Optimizer, Vermögensberater, Derivate

Buchhaltung: + 34,25 Prozent
Bilanzbuchhalter, Fondsbuchhalter, Kontokorrentbuchhalter

Leitungsfunktionen: + 33,79 Prozent
Direktor Finanzen, Leiter Finanzen, Head of Finance

Versicherungen: + 18,24 Prozent
Schadenssachbearbeiter, Kundenbetreuer, Generalagent

Controlling: + 13,39 Prozent
Controller, Financial Analyst, Wirtschaftsprüfer

Das kleinste B&F-Segment Privatkundenbetreuer, im September noch ein Verlierer, ist der große Gewinner, doch Achtung! Der Zuwachs von 132 (Jan.) auf 264 offene Stellen (Okt.) verbessert die Chancen auf der Suche nach dem idealen Job keineswegs, denn die Bewerberzahlen, die das Angebot geringfügig überschreiten, erhöhten sich bis Oktober um 36,49 Prozent. Lediglich für berufserfahrene Experten können sich unter starkem Konkurrenzdruck Job-Möglichkeiten ergeben.

Verschlechtert haben sich die Chancen für Real-Estate-Profis. Zwar stieg die Zahl der Stellenanzeigen von 1.043 (Jan.) auf 1.643 (Okt.; im Sept. waren es noch 1.842), doch der rasante Bewerber-Zuwachs von 63,79 Prozent sorgt dafür, dass sich das zuvor beinahe ausgeglichene Verhältnis von Angebot und Nachfrage zu Ungunsten der Stellenangebote verschoben hat. So können nur ausgesuchte Spezialisten auf neue Karriere-Chancen hoffen.

Über einen Angebots-Sprung von 1.796 (Jan.) auf 2.719 (Okt.) vakante Stellen – ein neuer Jahreshöchststand – freuten sich Risk Manager. Allerdings ist der Bewerberüberhang, die Nachfrage stieg gegenüber Januar um 19,91 Prozent, schuld daran, dass sich nur absolute Top-Profis Job-Chancen ausrechnen können. Dies gilt ebenfalls für den Bereich Asset-Management (Jan.: 1.216 Stellenangebote; Okt.: 1.644), in dem die Bewerberzahlen bei hohem Überschuss um 3,83 Prozent anzogen.

Das Segment Buchhaltung ist der einzige Bereich, in dem das Angebot (Jan.: 4.560; Okt: 6.122) über der Nachfrage lag, sie zog nur um geringe 2,98 Prozent an. Fachkräfte haben deshalb sehr gute bis beste Chancen auf der Suche nach dem idealen Job.

Zwar ging es auch in den großen Segmenten Leitungsfunktionen (Jan.: 38.819 Stellen; Okt.: 51.935), Versicherungen (6.149; 7.271) und Controlling (15.865; 17.626) aufwärts, doch die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage wird größer, da auch die Bewerberzahlen stiegen (Leitungsfunktionen: + 11,8 Prozent; Versicherungen: + 43,31 Prozent) beziehungsweise geringfügig gesunken sind (Controlling: – 0,46 Prozent). So müssen sich selbst qualifizierte Bewerber auf weiter steigenden Konkurrenzdruck einstellen.


VERLIERER (Stellenangebote im Vergleich zu Januar 2016)

Finanzierung: – 4,74 Prozent
Firmenkundenkredit, Finanzierungsberater, Verbundgeschäft

Firmenkundenbetreuer: – 27,23 Prozent
Unternehmensfinanzierung, Mergers Acquisitions

Finanzierungs-Profis konnten den Stellenangebotszuwachs von September (482 offene Stellen; Jan.: 401) nicht halten, im Oktober wurden nur noch 382 Arbeitsangebote gezählt. Die fallenden Bewerberzahlen (– 13,44 Prozent) führten jedoch zu einem beinahe ausgeglichenen Verhältnis von Angebot und Nachfrage, so dass Fachkräfte weiterhin gute Chancen auf der Suche nach dem idealen Job haben.

Nur wenig entspannt hat sich die Situation für wechselwillige Firmenkundenbetreuer. Die Talfahrt von September (390 Stellen, Jan.: 694) konnte gestoppt werden, im Oktober wurden wieder 505 Stellen ausgelobt – und dies bei um 25,82 Prozent verringerten Bewerberzahlen. Trotzdem bleibt die Job-Suche aufgrund des riesigen Nachfrage-Überhangs schwierig – wenn auch nicht hoffnungslos!

Professionelle Unterstützung für Jobsuche nötig

Der Markt der Stellenbörsen wird von Jahr zu Jahr unübersichtlicher und ist für den Einzelnen kaum noch zu durchschauen. Über 90.000 Angebote in den untersuchten Banking- &-Finance-Segmenten wurden im Oktober in Zeitungen, Fachmagazinen, Stellenbörsen und Fachportalen geschaltet. Ohne professionelle Tools wird die Jobsuche schnell zu einem Fulltime-Job.

Die Alternative: JobAgent Banking & Finance
Einen umfassenden Stellenmarktreport können Sie jetzt auch kostenlos für Ihr individuelles Suchprofil nutzen: Eine maßgeschneiderte Selektion aller passenden Angebote erfolgt kostenlos aus allen relevanten Stellenbörsen und Zeitungen Deutschlands. Das Rechercheergebnis wird Ihnen einmal pro Woche per Mail zugesandt.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.11.2016

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