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Arbeiten im Weltkulturerbe

Fagus-Grecon: Fabrik im Bauhaus-Stil

Text: Elke Neuhard | Fotos: Stefanie Biel
Revolution in Alfeld: Für seine neue Fagus-Schuhleistenfabrik erteilt der Unternehmer Carl Benscheidt dem damals noch unbekannten 28-jährigen Architekten Walter Gropius den Auftrag, das Gebäude zu entwerfen. Es wird der Grundstein für einen völlig neuen Bau- , aber auch Arbeitsstil, der den Mitarbeitern und ihrer Arbeitskraft einen hohen Stellenwert beimisst.
1911 – Ein Jahr weltweiter Revolutionen, Clara Zetkin beschert der Welt den Internationalen Frauentag und die Mona Lisa wird aus dem Louvre gestohlen. Aus den Docks von Harland & Wolff läuft die weltgrößte "RMS Titanic" vom Stapel. In Alfeld hat Unternehmer Carl Benscheidt Visionen – geht nicht zum Arzt, sondern trifft einen jungen Architekten: Walter Gropius

Benscheidt und Gropius bilden ein visionäres Team. Der Unternehmer beauftragt den erst 28-jährigen Gropius mit dem Bau des Fabrikgebäudes. Der prägt mit seinem Entwurf einen völlig neuen Baustil, der fortan mit seinem Namen assoziiert wird: Das Bauhaus. Im neuen Unternehmen sollen modernste Maschinen aus Übersee zum Einsatz kommen, Arbeitsabläufe ergonomisch und effizient ablaufen und die Mitarbeiter erleben, dass ihre Arbeitskraft und Erfahrung für den Erfolg absolut unerlässlich sind.

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Nicht nur schön, sondern auch sinnvoll
Mit seinem Konzept für das Fagus-Werk wirft Gropius sämtliche Standards der traditionellen Industriearchitektur über Bord: Statt düsteren, fensterlosen Steinmauern entwirft er großflächig verglaste Fassaden, hinter denen moderne und tageslichtdurchflutete Arbeitsplätze entstehen. Über Eck' aus Glas – gerade die stützenfreien, verglasten Gebäudeecken müssen damalige Sehgewohnheiten ziemlich irritiert haben.

Die Anordnung von Lager- und Produktionshallen folgt dem Prinzip: Wie lassen sich unnötige Wege oder erhöhte Unfallgefahren vermeiden? Diese fortschrittliche Sichtweise auf den Menschen im Arbeitsprozess ist kennzeichnend für die Einstellung des Unternehmensgründers Carl Benscheidt: "Unser Reichtum sind weder unsere Maschinen, noch ein Bankkonto, sondern das Wissen und das Können und die Einsatzbereitschaft unserer Mitarbeiter."

Innovation durch Tradition

Das Fagus-Werk bildete den Grundstein für die heutigen Fagus-GreCon-Werke, die in der vierten Generation und fünften Generation vom Urenkel und Ururenkel des Gründers geleitet wird. Aufbauend auf den Erfahrungen des Kerngeschäfts, der Leistenproduktion, nutzten die Nachfolger Ihr Ingenieurtechnisches Know-how und ergänzten das Angebot um bahnbrechende Innovationen im vorsorgenden Brandschutz.

Fagus-GreCon ist nach eigenen Angaben nicht nur führend auf dem Gebiet der Herstellung und Entwicklung von Schuhleisten, sondern auch Marktführer bei der Entwicklung und Produktion von Messtechnik- und Brandschutzsystemen, mit dem Schwerpunkt Holzwerkstoffindustrie. Durch eine weitere Unternehmensbeteiligung ist die Firma zudem führend bei der Herstellung von Keilzinkenanlagen.

Die drei Geschäftsbereiche haben am Stammsitz in Alfeld ihre organisatorische und strategische Basis. Aktiver Wissenstransfer zwischen den Bereichen und Abteilungen schafft Synergien, zum Beispiel bei der Kundengewinnung.

Museum & mehr


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2011 – Nach umfänglichen Restaurierungen wird das Fagus-Werk als Ursprungsbau der Moderne zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. 100 Jahre nach seiner Gründung erfüllt das zeitlose und denkmalgeschützte Fabrikgebäude und "lebende Denkmal" weiterhin seinen ursprünglichen Zweck und gilt inzwischen als Erfolgsgeschichte beispielhafter Industriekultur des 20. Jahrhunderts.


2012 – Diese Auszeichnung wirkt als Besuchermagnet: Bis Oktober haben bereits 17.000 Besucher das Fagus-Werk besucht. Bei einer Werksführung erfahren Sie Interessantes und Spannendes über die Entwicklung und Architektur des Fagus-Werks und können bei einer Besichtigung der Produktionsstätten einen Blick hinter die Kulissen riskieren.

Oder sie besuchen die erlebnisreiche Fagus-Gropius-Ausstellung im ehemaligen Lagerhaus, die auf elf Stockwerken zwischen Geschichte und Gegenwart über Firmenhistorie, Unternehmensbereiche und Schuhmode der letzten 100 Jahre informiert.


Was geht ab?
Regelmäßig werden abends die Werkzeugschränke und Maschinen zur Seite geschoben, Stuhlreihen aufgestellt und Kulturelles nimmt seinen Lauf; oftmals von und mit Künstlern aus der Region oder einem Bezug zu Stadt & Land: zum Beispiel Experiment Klang mit dem Ensemble "L'art pour l'art" im Rahmen des Musik 21 Festivals 2012. Aber auch Figurentheater für die Kleinen oder das Weihnachts-Comedy-Special "Advent, Advent, der Kaktus brennt" mit dem Komiker-Trio Bidla Buh ist zu erleben.

"Click and Walk": An den Wänden der Fagus-Gaerie hängen derzeit Fotografien Alfelder-VHS-Teilnehmer, die zusammen mit dem hannoverschen Künstler Uwe Stelter, ihre Heimat Alfeld mal anders gesehen haben. Ohne Frage garantieren Veranstaltungen im Fagus-Werk einen puren Kulturgenuss in besonderem Ambiente.


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Dieser Artikel ist erschienen am 13.11.2012