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Gründen mit Sicherheitsnetz
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Gründen mit Sicherheitsnetz

Eigener Chef und angestellt

Jens Tönnesmann, wiwo.de
Weniger Risiko, bessere finanzielle Absicherung, mehr Zeit: Wer die Doppelbelastung aushält und grünes Licht vom Chef bekommt, hat als Gründer im Nebenerwerb gute Chancen, ein erfolgreiches Unternehmen aufzuziehen.
Womöglich zahlt es sich für Gründer aus, mit wenig Schlaf auszukommen. John Stewart jedenfalls hat die Nacht zum Tag gemacht, während er in Stuttgart sein Unternehmen aufbaute – parallel zu zwei Jobs. Von fünf Uhr früh bis neun Uhr morgens stand er hinter der Theke eines Fast-Food-Lokals, wusch Salat, füllte Saucen nach und steckte Baguettes in den Ofen.

Danach tauschte er Schürze gegen Anzug und beriet als Junior Consultant Kunden beim Pharmaunternehmen Celesio. Und als er abends gegen 19 Uhr nach Hause kam, arbeitete er an Fphresh, auch mal bis Mitternacht: einem Startup, das Uhren mit austauschbaren Zifferblättern und Armbändern übers Netz vertreibt und für jede verkaufte Uhr eine Woche Schulunterricht an Kinder in Entwicklungsländern verschenkt.

Stelle plus Startup

"Es war eine verrückte Zeit", sagt John Stewart, wenn er sich in seiner Werkstatt an seine Anfänge als Unternehmer erinnert. In einem Regal stapeln sich Kartons mit Zifferblättern und Armbändern, auf einer Werkbank konzipiert Stewart neue Prototypen. Rund 200 Uhren zu je 50 Euro hat Fphresh bisher verkauft, seit sich Stewart im November in Vollzeit um sein junges Unternehmen kümmert. "Aber ohne meine beiden Jobs im Rücken", sagt der 27-jährige US-Amerikaner, "hätte ich Fphresh wohl nie gestartet."

Stelle plus Startup – für Gründer wie John Stewart ist das ein Erfolgsrezept, das immer mehr Menschen in Deutschland ausprobieren. Sie gründen ein Unternehmen, ohne ihre Festanstellung aufzugeben und alles auf eine Karte zu setzen.

Nebenerwerbs-Gründer

Wie die Staatsbank KfW Mitte Februar bekannt gab, machten sich im Jahr 2013 rund 562.000 Deutsche im Nebenerwerb selbstständig – fast doppelt so viele wie im Vollerwerb. Und während die Zahl der Vollzeitgründer seit 2011 kontinuierlich um fast 100.000 gesunken ist, ist die Zahl der Teilzeitunternehmer um ähnlich viele Teilzeitgründer angestiegen.

Damit haben sich die Nebenerwerbsgründer zum wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt: Laut Marco van Elkan vom Institut für Mittelstandsökonomie (Inmit) in Trier investieren sie jedes Jahr zwischen 2,3 und 3,3 Milliarden Euro und könnten in den kommenden zwei Jahren fast 300.000 Stellen schaffen.