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Mangelnde Produktivität durch schlechten Schlaf kann man verhindern
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Produktivität im Job

Müde Krieger

Nina Jerzy, wiwo.de
Bei Müdigkeit ist der Arbeitstag oft mit im Eimer. Es gibt allerdings einige Tricks, mit denen sich die Produktivität trotz Schlafmangels steigern lässt.
Körperlich anwesend und doch kaum arbeitsfähig: Schlafmangel ist in Firmen ein unsichtbarer Produktivitätskiller. Allein in Deutschland gehen Schätzungen zufolge jährlich zweistellige Milliardensummen durch übermüdete Angestellte verloren.

Die ehrlichste Strategie wäre oft wohl die Krankmeldung. Gerade damit aber handelt sich der Betroffene den Ruch der Unaufrichtigkeit ein." In Deutschland gelten Schlafstörungen noch immer als Bagatellerkrankungen", kritisiert der Schlafexperte Hans-Günter Weeß.

Was aber tun, wenn nach einer viel zu kurzen Nacht ein wichtiger Termin ansteht oder Durchhängen im Job grundsätzlich keine Option darstellt? Glücklicherweise gibt es eine Reihe simpler, aber effektiver Methoden, um die bleierne Müdigkeit zu bekämpfen.

Monotone Tätigkeiten vermeiden

Grundsätzlich gilt im Kampf gegen die Müdigkeit: Wer sich seine Aufgaben flexibel aussuchen kann, sollte nach Möglichkeit monotone Tätigkeiten vermeiden. "Bildschirmarbeit, Lesen, langweilige Vorträge und uninteressante Besprechungen können wie Schlafmittel wirken", warnt Buchautor Weeß ("Die schlaflose Gesellschaft").

"Am besten bei Müdigkeit sind abwechslungsreiche Tätigkeiten und Unternehmungen, die Sie körperlich aktiv halten." Auch Meissner, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, rät von Arbeiten im Sitzen ab. Ein müder Tag wäre also eine gute Gelegenheit, endlich mal den rückenschonenden Stehtisch auszuprobieren.

Mangelnde Produktivität ist bei Weitem nicht die schlimmste Folge einer zu kurzen Nacht. Pendler oder Außendienstarbeiter sollten erwägen, an einem solchen Tag das Auto stehen zu lassen: "Insbesondere Autobahnfahrten können zum Schläfrigkeits-Stimulus werden", sagt Weeß. Die Zeit in Bus und Bahn kann dann für ein Nickerchen genutzt werden. Oder Sie arbeiten auf dem Weg ins Büro schon etwas vor und gleichen so präventiv einen späteren Durchhänger aus.

Negativeffekte abmildern

Ob früher Arbeitsbeginn oder Geburtstagsparty unter der Woche – manchmal ist eine zu kurze Nacht absehbar. Meissner rät in solchen Fällen dazu, am Abend zuvor keinen Alkohol zu trinken und wenig fernzusehen. Mit dieser Prävention kann der negative Effekt von Übermüdung etwas abgemildert werden. Dasselbe gilt, wenn Sie sich in den Tagen zuvor besonders ausgiebige Nachtruhe gönnen.

Gute Planung und Selbsteinschätzung helfen generell dabei, die Produktivität trotz Schlafmangels zu steigern. Gesunde und jüngere Menschen können laut Meissner grundsätzlich eine kurze Nacht besser wegstecken. Experten unterscheiden zudem zwischen nachtaktiven Eulen und den frühmorgens munteren Lerchen. "Grundsätzlich kommen Eulen mit Nachtarbeit besser zurecht und tun sich besonders schwer mit dem frühen Aufstehen am Morgen bei Frühschichten", erklärt Weeß." Lerchen verkraften hingegen schwer Nachtarbeit, können aber ausgeschlafen auf der Frühschicht erscheinen."

Gegen die innere Uhr arbeiten

In Firmen mit unterschiedlichen Arbeitszeiten kann die richtige Schichtwahl also der Schlüssel sein, um Schlafmangel zu vermeiden oder ihn besser zu verkraften. Menschen, die dauerhaft gegen ihre innere Uhr arbeiten (vor allem nachts), entwickeln hingegen laut Meissner häufiger Schlafprobleme oder auch Depressionen.

Fazit: Bekommen Sie hier und da mal zu wenig Schlaf, lässt sich der Arbeitstag vermutlich noch retten. Setzen Sie auf Bewegung, Tageslicht, anregende Aufgaben und kleine Mahlzeiten. Im Gegenzug verzichten Sie besser auf zu viel künstliche Muntermacher und monotone Tätigkeiten. Die beste Strategie ist aber womöglich ein offenes Gespräch mit dem Vorgesetzten. Lässt der Sie zwischendurch nur einige Minuten im leeren Konferenzraum dösen, wird er mit einem plötzlich wachen und produktiven Mitarbeiter belohnt.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 10.07.2018