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Arbeiten trotz Hitze
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Schweißtreibende Jobs

Einen kühlen Kopf bewahren

Katja Joho, wiwo.de (mit Material von dpa)
Über viele Tage hat Deutschland die 30-Grad-Marke geknackt. Und vorerst bleibt die Hitze – wenn auch nicht ganz so heftig. Wie soll man bei dem Wetter eigentlich produktiv bleiben?
Deutschland schwitzt. 30, 35, ja selbst an die 40 Grad waren in den vergangenen 14 Tagen keine Seltenheit. Wer da im Büro sitzt, muss sich oft nicht nur mit der Arbeit herumschlagen. Er muss auch gegen Schweißperlen und die Sehnsucht nach Eis und Badeurlaub ankämpfen.

Die gute Nachricht: Arbeit kann durchaus gelingen. Auch wenn wir uns nicht danach fühlen, sind wir trotz Hitze durchaus in der Lage produktiv zu sein. Laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ist die Leistungsfähigkeit bei höheren Lufttemperaturen nämlich selbst nach vier Stunden noch gegeben.

Allerdings fühlt man sich laut den Arbeitsforschern weniger frisch und die Leistungsbereitschaft nimmt ab. Im Klartext: Wer mit der Wärme ringt, ist einfach weniger motiviert.

Doch wer sich an ein paar Regeln hält, bekommt trotz Hitzehoch kein Motivationstief:

• Längere Pausen, weniger Multitasking

Um die Konzentration aufrecht zu halten, sind häufigere Pausen hilfreich. Experten empfehlen alle 45 Minuten für rund zehn Minuten innezuhalten. So können Sie durchatmen. Gehen Sie dafür etwa in den kühleren Flur oder kurz an die frische Luft in den Schatten.

Wer das Gefühl hat, weniger zu schaffen, sollte sich konsequenter als sonst auf bestimmte Aufgaben konzentrieren und nicht versuchen mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Meiden Sie Multitasking!

Arbeitspsychologen raten beispielsweise, Outlook zu schließen und nur zu einer konkreten Zeit – etwa alle 30 oder 60 Minuten – zu nutzen. So bleibt man zeitnah erreichbar, kann aber ungestörter arbeiten. Wer es dadurch schafft, Teilarbeiten schneller zu erledigen, ist gleich wieder motivierter, so die Theorie. Gerade an heißen Tagen, an denen man sich träge fühlt, kann das helfen.

• Auf den eigenen Körper hören

Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf die Hitze. "Nicht jeder verträgt Wärme gleich gut. Achten Sie auf Signale Ihres Körpers und suchen Sie kühlere Bereiche auf, wenn Sie sich nicht wohl fühlen", raten die BAuA-Arbeitsmediziner. Kurzfristige Abkühlung für einen aufgeheizten Körper bringt kaltes Wasser auf den Handgelenken, den Beinen oder im Nacken.

• Früh arbeiten

Außerdem sollten Büroarbeiter mit flexiblen Arbeitszeiten und Gleitzeit sich genau das zunutze machen. Am besten arbeitet es sich morgens, wenn die Innentemperatur erträglich ist. Wer früh anfängt, muss zwar noch durch den heißen Mittag und frühen Nachmittag, kann aber nach Hause gehen, bevor es ganz schlimm wird. Alternativ sind Homeoffice-Absprachen eine Möglichkeit, wenn es daheim mehr Abkühlung gibt – sei es nur dank des Fußbads auf dem schattigen Balkon oder dem Rasensprenger im Garten.

• Räume kühl halten

Damit das Büro nicht komplett aufheizt, hilft der klassische Sonnenschutz. Wer Jalousien hat, sollte diese rechtzeitig herunterlassen und nach der Arbeitszeit geschlossen halten. Wenn möglich, sollte bereits in den frühen Morgenstunden gelüftet und die Nachtauskühlung genutzt werden. An heißen Sommertagen erwärmt sich die Luft spätestens ab 10 Uhr deutlich. Dann ist es vorbei mit frischer Luft. Deshalb sollten die Fenster dann zu sein. Ansonsten zirkuliert nur die heiße Luft von außen im Raum.

Zudem empfehlen Arbeitsschutz-Experten, nicht benötigte Geräte im Büro abzuschalten. Das können Drucker, Bildschirme oder Lampen sein. Sie geben ebenfalls Wärme ab.

Ventilatoren verschaffen Kühlung. Sie müssen allerdings richtig ausgerichtet werden, um eine positive Wirkung zu haben und nicht zu Kopfschmerzen oder Verspannung zu führen. Die Geräte also nicht direkt auf den Kopf ausrichten. Im Idealfall ist der Ventilator so positioniert, dass der Oberkörper vom Windzug erreicht wird.

Mit Klimaanlagen gibt es natürlich die beste Kühlung. Hier ist allerdings Vorsicht geboten. Wird der Unterschied zwischen Raum- und Außentemperatur zu hoch wird, droht Erkältungsgefahr.

• Sommerliche Kleidung

In jedem Fall lohnt ein Gespräch mit dem Chef über einen gelockerten Dresscode an heißen Tagen. Auf Jackett und Krawatte sollte im besten Fall verzichtet werden. "Kurzärmlige Hemden und Blusen, eine leichte Hose oder ein Sommerrock – all das verhindert, dass sich der Körper überhitzt", so der Rat der BAuA-Arbeitsmediziner. Sie empfehlen luft- und feuchtigkeitsdurchlässige, leichte und bequeme Kleidung sowie luftdurchlässige Schuhe. Solche Outfits erleichtern das Schwitzen und verringern die Hitzebelastung.

• Trinken und Essen bei Hitze

Der Klassiker: Viel trinken ! Der Körper verliert durch das viele Schwitzen Flüssigkeit. Bei einer Raumtemperatur von mehr als 24 Grad reichen etwa zwei Liter Flüssigkeit an einem Arbeitstag. Steigt die Temperatur, sollten es drei Liter oder mehr sein.

Mineralwasser und Saftschorlen unterstützen die körpereigene Wärmeregulation. Auf sehr kalte Getränke sollte man verzichten – die helfen nicht, sondern machen die Hitzewirkung letztlich nur noch schlimmer. Auch von Kaffee raten viele Experten ab. Nicht wegen des längst widerlegten Mythos', er würde entwässern, sondern weil er Studien zufolge die Schweißproduktion anregt.

Ein gutes Frühstück ist an heißen Tagen wichtig. Im Sommer vergeht vielen der Appetit. Also sollte man gleich mit Energiereserven starten. Über den Tag verteilt wird von Experten dann leichte Kost statt deftiger Speisen empfohlen. Das beugt Magenproblemen vor, die bei Hitze häufig auftreten.

Ein leichtes Mittagessen verhindert den Mittagsblues und sorgt für mehr Vitalität. Das heißt: Lieber Gemüse, frische Salate, mageres Hühnchenfleisch oder Fisch statt Schnitzel und Spaghetti Bolognese. Frisches Obst ist an heißen Tagen besonders empfehlenswert, sagen Experten. Beeren, Äpfel und Citrusfrüchte verleihen zusätzliche Energie und haben – wenn gut gekühlt – eine erfrischende Wirkung.

Frauen von Hitze stärker betroffen

Übrigens macht die die Hitzewelle Frauen eher zu schaffen als Männern, wie eine Umfrage der Krankenkasse DAK Gesundheit Frauen zeigt. 54 Prozent der Frauen sagten, ihnen gehe es derzeit schlechter als an normalen Sommertagen. Bei den Männern sprachen 36 Prozent von einem schlechteren Befinden.

Insgesamt gaben 45 Prozent der Befragten an, dass es ihnen in diesen Hitzetagen schlechter geht als sonst im Sommer. Keinen Unterschied machen 47 Prozent aus. Sieben Prozent fühlen sich sogar besser. Die Glücklichen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 08.08.2018