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Gehaltsmöglichkeiten im Bereich Office
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Gehaltsmöglichkeiten im Office-Bereich

"Softskills sind nicht zu unterschätzen"

Interview: Anne Koschik
Im Office-Bereich sind nach wie vor professionelles Auftreten, gepflegte Umgangsformen und ein hohes Maß an Kundenorientierung entscheidend. Ohne gute Excel-Kenntnisse, Power Point und fließendes Englisch geht es in der Karriere nicht voran. Wer viel Geld verdienen will, sollte schnell Erfahrungen sammeln. Mit ihnen steigt die Verantwortung – und die Chancen auf ein höheres Gehalt. Der Vergütungsexperte Sven Hennige von der Personalberatung Robert Half hat gute Ratschläge für alle, die mehr wollen.
Sind Akademiker im Bereich Office gut bezahlte Arbeitskräfte?
Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & The Netherlands bei Robert HalfFoto: Robert Half
Grundsätzlich ja, aber die meisten Akademiker wollen sich gerne weiterentwickeln – da sind die Möglichkeiten eingeschränkt. Um ein umfassendes Bild vom Unternehmen zu bekommen, ist die Position als Assistenz der Geschäftsführung gut geeignet. Zu beachten ist allerdings, dass für besonders verantwortungsvolle Aufgaben in der Geschäftsführungsassistenz selten Einsteiger infrage kommen. Meist verlassen sich die Chefs dann doch lieber auf Personal mit viel Berufserfahrung.

In diesem Bereich können die Jahreseinkommen auf 50.000 bis 60.000 Euro steigen. Die Einstiegsgehälter für das klassische Sekretariat liegen dagegen bei circa 25.000 Euro im Jahr. In der Projektassistenz verdienen Berufseinsteiger zwischen 28.000 und 32.000 Euro.

Lässt sich grundsätzlich im Bereich Office gutes Geld verdienen?

Ja. Aber wie gesagt: Berufserfahrung gibt den Ausschlag. Bei Aufgaben, in denen die Mitarbeiter eher zuarbeiten, werden tendenziell geringere Gehälter gezahlt. Je verantwortungsvoller eine Position ist, desto höher kann auch das Gehalt steigen. Mit zehn Jahren plus Berufserfahrung sind für bestimmte Positionen 50.000 bis 55.000 Euro möglich.

Welche Qualifikationen sind gerade besonders gefragt (und werden daher gut entlohnt)?

MS-Office-Kenntnisse. Das klingt jetzt ganz lapidar, deswegen will ich kurz erklären, worauf es ankommt: Heutzutage sind gute Excel-Kenntnisse ganz wichtig, außerdem geht es nicht ohne Power Point. In großen Unternehmen sollten Office-Mitarbeiter darüber hinaus ERP-Systeme (SAP etc.) beherrschen. Saubere Deutsch-Kenntnisse in Wort und Schrift möchte ich nicht unerwähnt lassen. Außerdem wird in der Regel Englisch verlangt – und zwar fließend. Es ist heute normal, dass man für den Vorgesetzten adhoc eine Präsentation in Englisch erstellen muss.

Darüber hinaus sind Soft Skills sehr wichtig – bei der Empfangsdame angefangen bis ins Higher Level: Dazu gehören gutes Auftreten, Kommunikationsfreude, Kundenorientierung, gepflegte Umgangsformen. Es ist wichtig, ein Wohlgefühl erzeugen zu können. Pro-Aktivität ist gern gesehen: Mitdenken, Aufmerksamkeit zeigen, initiativ sein, Prioritäten setzen – das alles zeigt die viel beschworene Hands-on-Mentalität, Belastbarkeit und Dynamik inbegriffen.

Zahlen mittelständische Unternehmen ihrem Büropersonal generell weniger Gehalt als Konzerne?

Große Unternehmen zahlen im Allgemeinen mehr. Das liegt daran, dass ihnen größere Budgets zur Verfügung stehen und andere Gehaltsstrukturen zugrunde liegen. Sie sind auch eher tarifgebunden. Das ist natürlich auch branchenabhängig. Gut zahlen beispielsweise die Finanz- und Pharmabranche. Ansonsten sind die Ausschläge nicht so stark.

Aber der Mittelstand ist deswegen nicht weniger attraktiv. Ich nehme da mal ein Beispiel aus dem Finance-Bereich: Ein Steuerfachangestellter in einer Steuerkanzlei mit attraktiver Klientel kommt auf etwa 30.000 Euro Jahresgehalt, ein Finanzbuchhalter im Konzern hat da schon mal 10.000 Euro mehr. Da muss man abwägen, welche Aufgaben und Unternehmensformen einem eher liegen.

Gibt es besondere finanzielle Anreize in Office-Berufen? Wie üblich sind variable Gehaltsanteile?

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Dieser Artikel ist erschienen am 23.05.2016