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Ingenieure verdienen als Berufseinsteiger am besten
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Interview

Ingenieure haben den Schlüssel zum Top-Gehalt

Anne Koschik
Wo Engpässe herrschen, wird in der Regel gut bezahlt. Bei den Ingenieuren ist das sicher der Fall. In der Chemie- und Pharmabranche haben sie beste Aussichten auf hohe und steigende Gehälter, nur im Baugewerbe sind die Gehälter rückläufig. Dennoch – und obwohl in einem internationalen Arbeitsmarkt die Einkommen wettbewerbsfähig bleiben müssen – erreichen bereits Young Professionals die höchsten Einstiegsgehälter unter den Akademikern. Allerdings arbeitet auch nur etwa die Hälfte in klassischen Ingenieursberufen, während die andere Hälfte in Beratung, Prüfung, Management und Lehre tätig ist. Das erklärt Jahresgehälter bis hinauf auf über 170.000Euro.
Interdisziplinarität gewinnt an Relevanz – davon sind unsere Interviewpartnerinnen Ulrike Gläsle und Tina Lackmann vom Verein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI) überzeugt.

Seit Jahren klagt die Wirtschaft über zu wenige Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt. Welche Qualifikationen haben denn Seltenheitswert? Oder umgekehrt: Womit kann man – auch gehaltstechnisch – am besten punkten?

Tina Lackmann, VDITina Lackmann, VDI-ArbeitsmarktexpertinFoto: VDITina Lackmann: Im Ingenieurbereich gibt es in einzelnen Fachbereichen und auf regionaler Ebene Engpässe. Das ermitteln wir quartalsweise in unserem Ingenieurmonitor, in dem wir die offenen Stellen in den Ingenieurberufen mit der Zahl der arbeitslos gemeldeten Ingenieure abgleichen. Auf Fachbereichsseite gibt es zurzeit vor allem in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik, der Energie- und Elektrotechnik, aber auch in der Metallverarbeitung Engpässe. Regional haben Baden-Württemberg, Bayern und Hessen zu kämpfen, das heißt hier kommen auf einen arbeitslos gemeldeten Ingenieur drei offene Stellen.

Bei der Studienwahl sollte man sich aber nicht nur an der Engpass-Analyse orientieren. Denn man wird nur da erfolgreich sein, wo die wirklichen Interessen liegen. Was ich aber sagen kann, ist, dass ein ingenieurwissenschaftliches Studium eine nachweislich solide und zukunftsweisende Basis für ein erfolgreiches Berufsleben ist. Im Vergleich zu anderen Akademikergruppen hat sich der Arbeitsmarkt der Ingenieure in den letzten Jahren (zusammen mit den Naturwissenschaftlern) nachweislich am besten behauptet. Durch demographische Beschaffenheit des Arbeitsmarkts sowie stetigen Expansionsbedarf steht Deutschland der Herausforderung gegenüber, seinen Bedarf an Ingenieuren auch in den kommenden Jahrzehnten decken zu müssen.