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Illusionen der Macht
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Macht der Illusionen

Wie Chef sein die Sinne täuscht

Anne Ritter
Macht entfremdet von anderen. Paradoxerweise scheint genau dieses Phänomen dazu zu führen, dass die Macht nach und nach schwindet. Nur wer sich darüber bewusst ist, kann sich vor dem eigenen Absturz schützen.
Viele Chefs kennen die Situation: Sie betreten den Raum und plötzlich herrscht Stille! Aus sich angeregt unterhaltenden Kollegen werden stumme Angestellte, die sich hinter dem Bildschirm verkriechen oder konzentriert in Papiere vertiefen. Eine schwere Stille hängt wie eine Gewitterwolke in der Luft. Chef sein macht einsam, heißt es so schön. Doch warum ist das so?

Es gibt viel Forschungsmaterial darüber, wie und warum Menschen Macht gewinnen, doch nur wenige Forscher widmen sich der Frage, warum Führungskräfte außerhalb von ökonomischen oder strukturellen Faktoren ihre Macht wieder verlieren. Die Psychologen Sebastien Brion von der IESE Business School in Barcelona und Cameron Anderson von der Haas School of Business in Kalifornien entdeckten hier eine Forschungslücke. In ihrer Studie "The loss of power: How illusions of alliance contribute to powerholders‘ downfall" widmen sie sich dem Phänomen, dass Mächtige ihre soziale Umwelt falsch einschätzen und dadurch scheitern.

Macht macht Manager blind

Umso größer die Macht, desto mehr entfremdet sich der Machtinhaber von seiner sozialen Umwelt. Er bemüht sich nicht mehr um andere, hält Gefälligkeiten für selbstverständlich und hört auf, in die Beziehungspflege zu investieren. Dabei merkt er nicht, dass er die Sympathien seiner Mitstreiter – und damit seine Macht – verspielt.

Das ist das zentrale Ergebnis der Studie. Übertragen auf die Geschäftswelt heißt das: Manager neigen dazu, ihren eigenen Misserfolg zu provozieren, weil sie sozial "erblinden". Sie sehen die Warnsignale nicht, die zum Verlust der Macht führen.