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Fatale Führungsfehler
Foto: Nomad Soul/Fotolia.com
Zer­reiß­pro­be

So verliert man Mitarbeiter

Anne Ritter
Lange Arbeitszeiten, schlechte Arbeitsbedingungen, nervige Kollegen oder zu wenig Gehalt: All das mögen Gründe sein, warum Angestellte mit ihrem Job unzufrieden sind. Doch nichts frustriert Mitarbeiter am Arbeitsplatz mehr als ihr Chef. Die meisten Angestellten kündigen, weil sie sich schlecht geleitet fühlen.
Die Folgen von Kündigung sind langfristig: Das Unternehmen verliert das Know-How des Mitarbeiters und womöglich sogar seine Kunden. Es muss die Stelle neu ausschreiben, den passenden Kandidaten finden und einarbeiten. Das ist ein Aufwand, der Zeit und Geld kostet.

Auch die Motivation der verbleibenden Mitarbeiter wird durch ständigen Personalwechsel gehemmt. Das ist das zentrale Ergebnis des "Engagement Index", einer repräsentative Motivationsstudie des Beratungsunternehmens Gallup, die jährlich die emotionale Bindung von Beschäftigten ermittelt.
Grafik: Dana Wroblewski


Nicht alle, die kündigen, machen das offiziell. Die "innere Kündigung" ist eine Haltung der Arbeitsverweigerung, die dem Geschäft noch viel mehr schadet. Wenn Mitarbeiter nur so tun, als arbeiteten sie, wird das Unternehmen sozusagen von innen ausgehöhlt.

Vertragsbruch durch Chef

"Chefs spielen eine große Rolle bei diesem Phänomen – oft sind sie nicht dazu geschult, Menschen zu führen", erklärt Kurt Stapf, Wirtschaftspsychologe und Co-Autor des Buches "Innere Kündigung. Wenn der Job zur Fassade wird".

Die zentrale Ursache für die innere Kündigung sei der Bruch des "psychologischen Arbeitsvertrages". Dieser enthält unausgesprochene Erwartungen, die der Arbeitnehmer an das Unternehmen stellt: Werden sie nicht erfüllt, fühlt er sich betrogen.