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Employer Branding erfordert Strategie
Foto: Wordle
Erfolgstipps direkt aus der Branche

Fünf Gesetze für gelungenes Employer Branding

Anne Ritter
Employer Branding ist in der Recruiting-Branche noch immer ein heiß diskutiertes Thema. Bisher gab es nur wenige handfeste Kriterien für eine erfolgreiche Strategie. Doch diese fünf Gesetze für gelungenes Employer Branding sind erprobt, einfach umzusetzen und liefern nachhaltige Effekte.
In vielen Personalabteilungen herrscht Ratlosigkeit: Klassische Stellenanzeigen mit Schlagwörtern wie "Karriere mit Zukunft", "Team", "Marktführer" erreichen die junge Zielgruppe nicht mehr – genauso wenig teure Social-Media-Kampagnen mit vermeintlich hippen Azubi-Raps. Was wollen die Talente von morgen denn nun eigentlich?

Vor allem als mittelständisches Unternehmen, die nicht die Ressourcen haben, einen hauptberuflichen Employer Branding Manager einzustellen oder eine externe Agentur zu beauftragen, kämpfen mit der Aufgabe neben dem Tagesgeschäft noch eine geeignete Strategie zu entwickeln. Und selbst wenn Zeit da ist, sind nur wenig handfeste Kriterien für gelungenes Employer Branding bekannt. Wie schafft man es, mit wenig Mitteln, die geeigneten Kandidaten zu finden?

Marco Luschnat, Geschäftsführer von AntTrail, stand selbst vor gut einem Jahr vor dem Problem: Für seine Hamburger Agentur für Social-Media-Marketing suchte er nach neuen Mitarbeitern. Es mangelte jedoch an geeigneten Bewerbern. Auf Basis der eigenen Berufserfahrung stellte Marco Luschnat fünf Gesetze für gelungenes Employer Branding auf. Nachdem AntTrail diese Regeln umgesetzt hat, bewarben sich drei Mal so viele passende Kandidaten. Vorgestellt hat er seinen Regelkatalog im Februar dieses Jahres auf der Social Media Week in Hamburg:

Gesetz Nr. 1: "If you company sucks…Keep calm and stop sucking!"

Das bedeutet, wenn das Problem in der Wurzel des Unternehmens liegt, hilft es nicht, die Marke mit Marketing-Kampagnen aufzuhübschen. Die Kritikpunkte müssen beseitigt werden. Es muss ein nachhaltige Identität aufgebaut werden. "Andernfalls fliegt Ihnen das selbst gebaute Luftschloss schon beim ersten Gegenwind um die Ohren", so Marco Luschnat.

Gesetz Nr. 2: "Start with Why"

Diese essentielle Frage muss an erster Stelle beantwortet werden, erst danach geht es um das Wie und das Was. Apple ist nach Marco Luschnat keine so bekannte Marke, weil die Firma Hardware herstellt (Was machen wir?). Und dabei über 60.000 Mitarbeiter und weltweite Produktions- sowie Verkaufsstätten hat (Wie machen wir das?). – Sondern weil die Frage nach dem "Why?!" (Warum machen wir das?) so klar und überzeugend kommuniziert wird. Die Antwort darauf ist nicht: "Wir wollen möglichst viel Geld verdienen", sondern schlichtweg "Think different". Das vermittelt nach außen: Wir als Unternehmen denken anders, wir wollen mit den bekannten Regeln brechen und in neuen Bahnen denken. "Mit einer solchen Botschaft kann man Menschen wirklich erreichen." 

Gesetz Nr. 3: "There is life beyond facebook"

Facebook ist das soziale Netzwerk, das am häufigsten für Aktionen rund ums Employer Branding verwendet wird, weil es einfach zu bespielen und messbar ist, und viele Menschen erreichen kann. Doch die Palette ist noch viel größer: Blogs, Twitter, Xing, LinkedIn, Pinterest, Instagram können sich für das Employer Branding genauso anbieten. Und es gibt noch viel mehr – der Kanal muss immer zum Unternehmen und der Strategie passen. Marco Luschnat betont, dass hierbei vor allem darum geht, die Kapazitäten richtig einzusetzen: "Überschätzen Sie sich nicht und nutzen Sie lieber ein oder zwei Plattformen richtig".

Gesetz Nr. 4: "Mind the magic vowles"

Nutzer wollen authentische Inhalte: "Präsentieren Sie sich, wie Sie tatsächlich sind", rät Marco Luschnat. Ehrlichkeit, Authentizität und Offenheit werden mit Aufmerksamkeit und Sympathie belohnt, Unwahrheiten und Täuschungen dagegen abgestraft.

Gesetz Nr. 5: "Appreciate what you have"

Soll heißen: Schau nicht nur raus, sondern auch rein! Interessant sind nicht nur potenzielle Bewerber, sondern auch eigene Mitarbeiter. "Sie sind in der Regel die besten Multiplikatoren und Botschafter", sagt Marco Luschnat. Sie teilen die Beiträge des Unternehmens mit ihrem Netzwerk und damit auch die Message, dass dies ein vertrauenswürdiger Arbeitgeber ist.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.04.2014