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Chef zu gewinnen

Ritter Sport | Andreas Ronken

Ulrike Heitze
"Ich esse manchmal ein bisschen zu viel Schokolade, aber das kompensiere ich mit viel, viel Sport."




Andreas Ronken   
     ALTER: 49 Jahre
JOB: Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Alfred Ritter GmbH & Co KG (Ritter Sport)
KARRIERE: Maschinenbaustudium in Dortmund, Industrial Engineering Masterstudium in Atlanta und MBA-Studium in Bremen. 1993 Berufseinstieg als Managementtrainee beim Nahrungsmittelkonzern Mars. Dort verschiedene Positionen und Verantwortlichkeiten, unter anderem für Tiernahrung, Süßwaren, Engineering, Produktion, Forschung und Entwicklung. 2005 Wechsel zu Ritter Sport als Geschäftsführer für Produktion und Technik, seit 2015 Vorsitzender der Geschäftsführung.
BRANCHE: Lebensmittelindustrie
MITARBEITER: Rund 1.400 Mitarbeiter, davon 1.000 in der Zentrale in Waldenbuch und 120 in den Vertriebsstandorten in Russland, Italien, Österreich und Großbritannien sowie etwa 300 in Nicaragua.
EINSTIEG: Schülerpraktika. Ausbildungen für Industriekaufleute, Mechatroniker und Süßwarentechnologen. Vier duale Studiengänge: BWL mit Industrie-Schwerpunkt, BWL mit International Business, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik. Für Studierende: Praktika, Abschlussarbeiten. Nachwuchs steigt direkt oder als Trainee ein.
KONTAKT: www.ritter-sport.de


RITTER SPORT:

Für Naschkatzen hat Andreas Ronken den Traumjob schlechthin: Er ist Chef bei Ritter Sport, einem der größten deutschen Schokoladenunternehmen. Jeder Mitarbeiter erhält freitags eine große Tüte Schokolade, "damit er das Wochenende übersteht", berichtet Ronken augenzwinkernd. Er selbst isst am liebsten dunkle Sorten und manchmal ein bisschen zu viel, gibt der 49-Jährige zu. "Aber das kompensiere ich mit viel, viel Sport." Mountainbiking zum Beispiel oder 24-Stunden-Radrennen auf dem Nürburgring.

Jeden Tag verlassen drei Millionen Tafeln der quadratischen Schokolade in gut 50 Geschmacksrichtungen das Werk des Familienunternehmens im schwäbischen Waldenbuch. Für Produktion und Logistik eine echte Herausforderung. "Wir liefern in 100 Länder rund um den Globus. Jede Tafel braucht also nicht nur die richtige Verpackung in ihrer Farbe, sondern auch die in der jeweiligen Landessprache", sagt Ronken. Damit die Schokolade so frisch wie möglich im Supermarkt landet, wird immer nur genau so viel gefertigt, wie der Kunde bestellt hat. "Deshalb fertigen wir nicht groß auf Lager. Damit solch eine Produktion rund läuft, müssen alle Prozesse vom Einkauf der Rohstoffe bis zum Verladen der Tafeln optimal abgestimmt sein", erklärt der Fachmann.

Seit gut zehn Jahren widmet sich Andreas Ronken leidenschaftlich dem sogenannten Lean Management, hat dazu ein bundesweites Lean Netzwerk für Experten und Manager anderer Unternehmen gegründet und referiert auf Kongressen über effiziente Produktionsprozesse und schlanke Strukturen im Werk. Denn das Schokoladengeschäft ist nicht nur ein Job für Lebensmitteltechniker oder Marketingspezialisten, sondern auch spannend für Ingenieure, sagt der studierte Maschinenbauer: "Unsere Techniker entwickeln zum Beispiel sehr viele Maschinen nur für unsere eigene Produktion." Weil der Eigentümerfamilie Ritter die Herkunft der Rohstoffe sehr am Herzen liegt, ist Andreas Ronken seit einiger Zeit auch unter die Kakaobauern gegangen: Das Unternehmen hat in Nicaragua ein rund 2.500 Fußballfelder großes Brachland gekauft und pflanzt Schritt für Schritt mehr als 1,5 Millionen Kakaobäume. Seitdem reist Ronken regelmäßig nach Zentralamerika, um dort nach dem Rechten zu sehen. "Die Bäume brauchen vier Jahre, bis sie voll tragen. In diesem Jahr steht die erste Ernte an. Das wird spannend." Wenn in einiger Zeit alle Pflanzen so weit sind, sollen 30 Prozent des benötigten Kakaos von der eigenen Plantage stammen.

Foto: Ritter Sport
Dieser Artikel ist erschienen am 06.04.2017

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