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Chef zu gewinnen

Lanxess – Gudrun Ihling

Katja Stricker
"Heute sind gemischte Teams und Frauen in Führungspositionen zum Glück Alltag."
Den ganzen Tag lang im Büro zu arbeiten, ohne sich zu langweilen. Das konnte sich Gudrun Ihling als Abiturientin nicht vorstellen. Schon als Schülerin hatte die gebürtige Mannheimerin viele Berufswünsche – wollte Astronautin werden und, je näher das Abitur rückte, entweder Zahnärztin oder Psychologin. Letztlich ist es Jura geworden, "weil ich mit dem Studium viele Einsatzmöglichkeiten sah – und mich noch nicht so früh auf eine berufliche Richtung festlegen wollte", sagt Gudrun Ihling.


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Gudrun Ihling   
 

 Lanxess Logo
     ALTER: 57 Jahre
JOB: Leiterin Personalbereich bei Lanxess
KARRIERE: Jura-Studium und zweites Staatsexamen an der Universität Freiburg, 1987 Einstieg beim Chemiekonzern Bayer und dort in verschiedenen Funktionen im Personalbereich tätig. Im Zuge der Ausgliederung der Spezialchemie- Sparte 2004 in das neue Unternehmen Lanxess Leitung Vergütungssysteme im Bereich Personal. Seit Juli 2013 Leitung des Personalbereichs bei Lanxess.
BRANCHE: Chemische Industrie
MITARBEITER: 16.300 in 29 Ländern, darunter 7.600 in Deutschland
EINSTIEG: Kaufmännische, naturwissenschaftlich und technische Ausbildungen; acht duale Studiengänge, unter anderem BWL, Logistik- und Industriemanagement und Verfahrenstechnik sowie sieben fachspeziische Traineeprogramme und Direkteinstieg
KONTAKT: www.karriere.lanxess.de

Seit zwei Jahren arbeitet Ihling als Personalchefin für den Spezialchemie-Konzern Lanxess, der 2014 einen Umsatz von acht Milliarden Euro erzielte und aktuell rund 16.300 Mitarbeiter an 52 Standorten in 29 Ländern beschäftigt. Von ihrem Büro im sechsten Stock aus hat Ihling einen Blick auf den Kölner Dom. Über ihre frühere Sorge, ein Bürojob könnte langweilig sein, kann die 57-Jährige heute nur schmunzeln. "Auch wenn ich viel am Schreibtisch und in Konferenzräumen sitze, ist mein Job sehr abwechslungsreich, auch weil ich mit Menschen rund um den Globus spreche", sagt sie.

Als Personalchefin ist sie dafür verantwortlich, dass die Lanxess-Mitarbeiter weltweit angemessen bezahlt, gut aus- und weitergebildet werden und gute Beschäftigungsbedingungen herrschen – auch im Ausland. Deshalb besucht Ihling regelmäßig Niederlassungen von Nordamerika bis Indien.

Zu Beginn ihrer Karriere Ende der 1980er-Jahre war die Juristin oft allein unter Männern: "In meinen ersten Berufsjahren hieß es oft 'Frau Ihling, meine Herren', weil ich die einzige Frau in der Runde war", erinnert sie sich. "Heute sind gemischte Teams und Frauen in Führungspositionen zum Glück Alltag – vor allem in Bereichen wie Unternehmenskommunikation, Rechts- und Personalabteilung." Nachholbedarf sieht sie dagegen in naturwissenschaftlichen Berufen, etwa bei den Chemikerinnen: "Da gibt es für qualifizierte Frauen hervorragende Karrierechancen."
Dieser Artikel ist erschienen am 27.08.2015