Plagiate

Wer Hausarbeiten fälscht, muss mit Strafen rechnen

Armin Himmelrath
Plagiatoren in Deutschland werden zu fast 100 Prozent erwischtFoto: © mediarts.ch - Fotolia.com
Richtig zitieren: Wikipedia & Co.: Was bei der Recherche im Internet erlaubt ist und was nicht
Einfach zusammenkopieren, was gerade irgendwie zum Thema der Hausarbeit passt, dann noch den vom Professor vorgegebenen Titel darüber- und den eigenen Namen daruntersetzen - das geht natürlich nicht. Doch was ist erlaubt und was nicht? Welche Quellen aus dem Internet darf ich nutzen? Müssen es wissenschaftliche Aufsätze sein oder darf ich auch aus einem Online-Lexikon wie Wikipedia zitieren? Klar - die Recherche per Google ist bequem. Doch selbst wer sich an die Spielregeln hält und sich nicht mit fremden Federn schmückt, beweist damit nicht unbedingt wissenschaftlichen Ehrgeiz. Professoren beklagen, dass Studierende das Quellenstudium nicht ernst genug nehmen.
Wer Ärger vermeiden will, sollte sich an folgende Regeln halten:
1. Die Recherche im Netz kann den Gang in die Bibliothek nicht vollständig ersetzen: Wörtliche Zitate sollte man immer aus der Originalarbeit abschreiben und die Quelle und den genauen Fundort angeben. Nur in Ausnahmefällen darf man aus zweiter Hand, also aus einem anderen Werk oder aus dem Internet, ein Zitat ungeprüft übernehmen. Wenn das doch mal nötig ist, weil das Original nicht greifbar ist, dies unbedingt vermerken.
2. Größere Gedankengänge, Argumentationen und Ideenkomplexe muss man natürlich ebenfalls einem Urheber zuweisen, wenn sie aus einer anderen Publikation übernommen wurden.
3.  Ob und wie aus dem Internet zitiert werden darf, sollten Studierende vorher mit dem jeweiligen Dozenten absprechen. Für manche Professoren ist etwa Wikipedia als Quelle völlig in Ordnung, andere halten das Mitmach-Lexikon für den Inbegriff der wissenschaftlichen Unseriosität. Grundsätzlich aber gilt: Wer aus dem Internet zitiert, sollte die Fundstelle - also die genaue Web-Adresse, nicht nur die Einstiegsseite - mit dem Funddatum angeben. Und am besten zur Sicherheit noch einen Ausdruck der zitierten Passagen machen und abheften. Schließlich kann sich eine Homepage im Internet ändern - anders als ein gedrucktes Buch.
Plagiate von Professoren: Auch Wissenschaftler sind nicht frei von Fälschungen
1. Ptolomäus war gewissermaßen der Urahn aller Wissenschaftsbetrüger. Er lebte um 150 nach Christus, war Astronom, Mathematiker und Geograf. Den nach ihm benannten "Sternenkatalog" hatte er allerdings einfach aus früheren Werken des Griechen Hipparch abgekupfert.
2. Der Frankfurter Sportwissenschaftler Winfried Banzer wurde vor einigen Jahren dabei ertappt, als er Textpassagen, die in Wirklichkeit ein Mitarbeiter verfasst hatte, als eigenes Gedankengut ausgab.
3. In Erlangen flog der Philosophieprofessor Maximilian Forschner auf, der in seinem Buch "Über das Glück des Menschen" ganze Passagen aus dem Buch "Aristotle's Ethics" des englischen Philosophen James O. Urmson wörtlich übersetzt hatte, ohne sie als Zitate zu kennzeichnen. Eine Uni-interne Untersuchungskommission stellte zwar wissenschaftliches Fehlverhalten, aber keine Täuschungsabsicht fest - ein Freispruch dritter Klasse.
4. Der deutsche Physiker Jan Hendrik Schön wurde vor einigen Jahren noch als Top-Naturwissenschaftler und kommender Nobelpreisträger gefeiert - bis herauskam, dass er zwischen 1998 und 2001 in etlichen Fällen die Ergebnisse und Daten seiner Arbeiten manipuliert haben soll. Es gebe "einen hinreichenden Verdacht" auf solche Fälschungen, erklärte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Jan Hendrik Schön mit einem Stipendium in die USA geschickt hatte. Und die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die den damals erst 32-jährigen Physiker eigentlich als Direktor ans Stuttgarter Max-Planck-Institut für Festkörperphysik berufen wollte, rückte von ihrem Job-Angebot nach Bekanntwerden der Vorwürfe schnell wieder ab - die Beweise für Datenmanipulationen, so heißt es, seien ziemlich überzeugend gewesen.
5. Der bisher größte Betrugsfall in der deutschen Wissenschaft wurde 1997 bekannt: In Ulm stellte sich heraus, dass der Krebsmediziner Friedhelm Herrmann und seine Mitarbeiterin Marion Brach jahrelang Forschungsarbeiten veröffentlicht hatten, deren Daten manipuliert und abgeschrieben, zurechtgebogen oder völlig frei erfunden waren.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.03.2008

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