Hochschulfinanzen

Wenig Transparenz bei Studiengebühren

Carola Sonnet
Das Studium kostet in sechs Bundesländern bis zu 500 Euro. Das Geld soll Studium und Lehre verbessern, wird vielerorts aber für ganz andere Zwecke verwendet und nicht transparent dokumentiert. Das führt vermehrt zu Unzufriedenheit bei vielen Studenten.
Was passiert mit meinen Gebühren?Foto: © Franz Pfluegl - Fotolia.com
In der Kölner Uni-Bibliothek hängt an einem kaputten Fenster ein Schild: "Öffnen verboten. Lebensgefahr", steht dort geschrieben. Die lauert offenbar auch an anderen Stellen. Vor kurzem ist eine Lampe von der Decke gefallen und fast auf dem Laptop einer Studentin aufgeschlagen - während sie davor saß. "Der Sanierungsbedarf in Köln ist riesig", kommentiert Rektor Axel Freimuth den Vorfall lapidar. Die Höhe wird auf insgesamt 300 bis 400 Millionen Euro geschätzt. 30 Millionen Euro hat die Uni inzwischen aus Studiengebühren eingenommen. Für die Sanierung dürfen die Gelder der Studenten allerdings nicht verwendet werden. Noch nicht.
Die Gelder werden flexibler eingesetzt als vorgesehenJeden Tag reizen die Universitäten ihren Spielraum, wofür sie das Geld der Studenten ausgeben können, weiter aus: Lang geplante Baumaßnahmen werden in Angriff genommen, Professorenstellen geschaffen, Tafeln gekauft, die zur Grundausstattung eines jeden Hörsaals gehören sollten. Was bei Einführung der Gebühren als Tabu galt, wird nach und nach zur Selbstverständlichkeit. Die Widerstände der Studentenvertreter bröckeln, denn der Bedarf ist offensichtlich und sie wollen mit darüber entscheiden, was mit ihrem Geld passiert. Und von Uni-Seite heißt es dann: "Die Studenten haben doch dafür gestimmt."Hoch schlagen die Protestwellen nur noch bei ganz offensichtlicher Zweckentfremdung. So wie an der Uni Hohenheim bei Stuttgart. Hier dachte Rektor Hans-Peter Liebig laut darüber nach, vom Geld der Studierenden einen Mähdrescher für 150000 Euro zu kaufen und eine Million Euro für die stark gestiegenen Stromrechnungen zu verwenden. Liebig musste sich vor dem Landtag für die Pläne rechtfertigen. Inzwischen versichert die Uni, Energiekosten und Mähdrescher nicht mit den Gebühren zu bezahlen.Viele Länderbudgets stagnierenDie Hochschulen klagen über chronische Unterfinanzierung. Deshalb kam den Gebühren-Ländern der plötzliche Geldsegen sehr gelegen. Wissenschaftliche Mitarbeiter wurden eingestellt, die Tutorien ausgedehnt, Öffnungszeiten der Bibliotheken verlängert und neue Bücher gekauft. Der Stifterverband und das Deutsche Studentenwerk (DSW) haben in einer Untersuchung zur Verwendung der Gebühren in NRW festgestellt, dass der Großteil der Mittel in die gesetzlich vorgesehenen Zwecke fließt. "Natürlich hat sich die Situation insgesamt verbessert", sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des DSW. "Es wäre ja auch skandalös, wenn nichts passiert wäre mit dem ganzen Geld."Aber die Lage habe sich eben nicht proportional zu dem erhöhten Beitragsaufkommen verbessert. Und: "Die Budgets der Länder stehen fest, die realen Kosten aber steigen", so Meyer auf der Heyde. Dass zehn Prozent des Gebührenbudgets für Baumaßnahmen verwendet werden dürfen, findet er "grenzwertig". Viel wichtiger sei, dass die Gebühren den Studenten so schnell wie möglich zugute kommen und nicht erst zehn Jahre später in Gebäude investiert würden.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.10.2009

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