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Verstehen Sie Russland?
Russisch ist komplex. Doch nur wer die Sprache beherrscht, lernt das Land kennen und kann Geschäfte machen. Wer die vielfältigen Chancen warnehmen will, muss sich deshalb mit der schwierigen Grammatik auseinandersetzen.
Jeden Donnerstagabend saust die deutsche Yoga-Trainerin Anne Klein hinauf in den Himmel über Moskau. Mit dem Fahrstuhl geht's 30 Stockwerke rauf. Oben, im Trainingscenter einer internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, wartet schon ein Dutzend russischer und ausländischer Manager auf den Matten, um unter Kleins Anleitung die Seele baumeln zu lassen. Augen schließen. Einatmen. Ausatmen. Stress abbauen. Entspannen - das sei in dieser rasend schnellen Metropole extrem wichtig. "Moskau braucht Yoga", sagt Klein.
Und Anne Klein braucht Moskau. In der Zwölf-Millionen-Stadt hat die 31-Jährige ihren Traum von der Selbstständigkeit verwirklicht. Ihre Kurse besuchen Menschen aus aller Welt. Russland ist für Anne Klein der Schmelztiegel zwischen Ost und West, ein Land der vielen Möglichkeiten. Um sich dort durchzusetzen, musste sie jahrelang hart arbeiten - an ihren Sprachkenntnissen. "Ohne fließendes Russisch", sagt die blonde Frau aus Bautzen, "kommt man hier auf Dauer nicht klar."
Fließendes Russisch ist ein Karrieresprungbrett
Anne Klein, die Internationale Beziehungen in Dresden studiert hat, legte ihre Scheu vor den kyrillischen Buchstaben zu DDR-Zeiten ab, als sie im Schulunterricht spielerisch an die Sprache herangeführt wurde - bei Borschtsch-Eintopf und Tee aus dem Samowar, durch drei russische Brieffreunde und Volkslieder. Doch Russisch auf fließendes Niveau zu hieven, ist ein hartes Stück Arbeit. Wer es schafft, kann im Osten eine steile Karriere hinlegen. "Wenn Sie gutes Russisch sprechen, brauchen Sie sich keine Jobsorgen zu machen", verspricht Thomas Prahl vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) in Moskau. "In Russland werden Sie mit jedem Fachgebiet bei deutschen oder einheimischen Firmen, Stiftungen oder Institutionen fündig."
Konzerne wie Eon oder BASF suchen zum Beispiel Geologen, die Gas aus sibirischen Feldern bohren. Beratungsfirmen und Anwaltskanzleien brauchen Nachwuchsjuristen und Ökonomen, die für deutsche Investoren Schneisen durch das Dickicht der russischen Bürokratie schlagen. Und wer sich bei einem Mittelständler mit Russisch-Kenntnissen empfiehlt, kann mit Anfang 30 zum Chef der russischen Repräsentanz aufsteigen. Immerhin sind mittlerweile mehr als 6000 deutsche Firmen allein in Moskau angesiedelt. Deutsche Unternehmen exportierten im vorigen Jahr Waren im Wert von rund 33 Milliarden Euro nach Russland, womit das Land als Exportpartner ähnlich bedeutend für die Bundesrepublik ist wie China. Für Russland ist Deutschland der größte Handelspartner überhaupt.
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2 Kommentare zu “Verstehen Sie Russland?”

