Trotz Krise
Unternehmen fördern ihre Praktikanten
Annina Reimann
Nach dem Praktikum ins Förderprogramm: Trotz Krise versuchen viele Firmen, junge Talente frühzeitig an sich zu binden. Diese Programme haben viele Vorteile für die Studenten: freie Seminare, Auslandspraktika oder Kontakte zu den Chefs sind ein angenehmer Bonus.
Förderprogramme als Schritt auf der KarriereleiterFoto: © Rebel - Fotolia.com Praktika in Zürich und New York, die Quellen der firmeneigenen Bibliothek anzapfen und an kostenlosen Seminaren teilnehmen: Diese Überraschung hatte KPMG für Martin Wilhelm nach seinem Praktikum noch parat. Die Wirtschaftsprüfer nahmen den 24-jährigen BWL-Studenten in das Förderprogramm für ehemalige Praktikanten auf. Auch für Stefan Garding, 22, war das große Eckbüro am Ende des Flurs nicht die Endstation. Sein Chef bei Vodafone schlug den ehemaligen Praktikanten für den Talent Circle vor. 16 Ehemalige fördert Vodafone im Jahr. "So bekommen wir Mitarbeiter, die speziell auf unsere Interessen hin ausgebildet und schon früh an unsere Unternehmenskultur angepasst sind", sagt Michele Verna, Vodafone-Personalchef in Deutschland.So wie bei dem Telekommunikationsunternehmen denken inzwischen viele Personaler. Firmen fischen Talente mit speziellen Praktikantenprogrammen immer früher vom Markt - oft schon zu Beginn des Studiums. "Damit verlagert sich der Wettbewerb um sehr gute Studenten zeitlich nach vorne", sagt Andreas Lämmlein, Leiter der Nachwuchsprogramme beim Sportartikelhersteller Adidas.Die Förderprogramme sind zukunftsweisendDie gute Nachricht: Die Finanzkrise hat bei den von Junge Karriere befragten Firmen derzeit keinen Einfluss auf die Budgets der Förderprogramme. Selbst beim Autozulieferer Continental, den Milliardenschulden drücken, heißt es: "Die Mittel wurden bewusst nicht gekürzt, da dieses Programm eine Quelle für zukünftige Mitarbeiter und damit eine Investition in die Zukunft darstellt."Auch die Chancen auf eine Übernahme nach dem Abschluss stehen in den von Junge Karriere befragten Konzernen gar nicht schlecht. Beim Siemens-Konzern, der mit dem Programm Topaz rund 200 Studenten fördert, liegt die Quote nach eigenen Angaben deutlich über 50 Prozent. Die 120 Teilnehmer bei KPMG haben nach dem Studium den Status "bevorzugter Kandidat für eine Festanstellung". Und bei Vodafone steigt mindestens jeder Zweite nach der Uni auch ein.
Anerkannter Mitarbeiter oder fünftes Rad am Wagen? Welche Erfahrungen haben Sie in Ihren Praktika gemacht?
Wer in eines der Programme aufgenommen werden will, braucht meist gutes Englisch und überdurchschnittliche Noten und muss nicht zuletzt einen exzellenten Eindruck im Praktikum hinterlassen. Denn in viele Programme kommt man nur auf Empfehlung, ein Assessment-Center siebt hier und da dann noch einmal aus. Auf die, die es schaffen, warten viele Vorteile: Bei Seminaren, Simulationen, Kaminabenden oder einer ganzen Summer School knüpfen sie Kontakte zu den Chefs. Sie können schon während des Studiums für das Unternehmen ins Ausland gehen, Mentoren stehen bei der Abschlussarbeit zur Seite und die Programmleiter helfen auch schon mal bei Kontakten für Uni-Projekte. Ein Gehalt gibt es für die Teilnehmer der Programme zwar nicht, dafür werden aber oft die Fahrtkosten für die Seminare oder Flug und Unterkunft für das Auslandspraktikum erstattet.Die Blickrichtung der Personaler hat sich geändertIn etlichen Unternehmen hat sich die Einstellung zu Studenten geändert. Waren diese früher oft Bittsteller für Praktika oder die Diplomarbeit, sind es heute die Firmen, die Studenten in ihre Abteilungen holen wollen. Jutta Rump, die das Institut für Beschäftigung und Employability an der Fachhochschule Ludwigshafen leitet, bekommt jeden Tag Post von Firmen, denen sie Praktikanten oder Diplomanden vermitteln soll. "Die Studierenden müssen nicht mehr hingehen und bitten, sie haben das Gefühl, sie werden wertgeschätzt", sagt Rump. "Das ist mittlerweile eine Zweibahnstraße: Die Studierenden testen den Betrieb, für die Unternehmen sind sie später direkt einsetzbar", sagt Rump.Auch die Studentin Lea Röcken kann sich gut vorstellen, nach ihrem Abschluss bei Henkel einzusteigen. Sie ist im Programm Career Track des Unternehmens und hat es so später leichter. "Wenn ich mich nach der Uni bewerbe, muss ich kein Assessment-Center mehr durchlaufen, ich bin schon näher dran als andere Bewerber", sagt sie. Und die vielen Kontakte, die sie durch das Programm knüpfe, hätten gerade in der Wirtschaftskrise einen großen Wert.