Ausland

Studieren in den USA

Kora-Cora Krause
Das Studium in den USA ist teuer. 25.000 Dollar pro Jahr am privaten College sind normal. Und in Städten wie New York kommen auch noch immense Mietpreise auf die Studenten zu. Viele Eltern sparen lange für ein Studium ihrer Kinder. Die Alternative: Ein Kredit.
In den USA ist studieren teuerFoto: © BEnte Schipp
Kunststudenten in lässigen und extravaganten Klamotten drängeln sich rauchend vor der Tür. Ein Zigarettenstummel fällt direkt vor die Füße eines strengen Sicherheitsmannes. Er kontrolliert jeden, der das vornehme Gebäude der Tisch University of Art in Manhattan betritt. Ein zierliches Mädchen mit geknoteten schwarzen Haaren und kleinem braunen Lederrucksack drängt sich unauffällig an ihm vorbei nach draußen. Wie ein Schutzschild drückt sie ein dickes Filmskript an die Brust, auf dem der englische Titel des Fassbinder-Films "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" von 1973 steht.
Jordana Carlin ist 21 Jahre alt. Im dritten Jahr studiert sie Filmwissenschaften an der privaten New York University (NYU) und wird in neun Monaten ihr Studium mit einem Bachelor abschließen. Von ihrem Studium erwartet sie, sich als Mensch weiterzuentwickeln: "Film ist die Ausdrucksform des 20. und 21. Jahrhunderts, und sie regt mich an, über mich und andere kritisch nachzudenken", sagt sie.Die Tisch University of Art ist Teil der NYU und liegt direkt am Broadway im südlichen Manhattan. Hier besucht Carlin die meisten Seminare. Seit dem frühen Vormittag wechseln sich praktische Gruppenarbeiten und Vorlesungen für sie ab. Jordana Carlin seufzt: "Ich quäle mich mit Mathe." Es ist ein Pflichtkurs, um den sie sich in den letzten Semestern noch herumgemogelt hat. Hausaufgaben wird sie daheim ebenfalls noch erledigen müssen. Doch jenseits der Pflichtkurse bietet ihr Studium auch Platz für Selbstbestimmung. Für das Herbst-Semester hat sie sich - neben Mathematik - für Amerikanischen Film vor 1960, Filmtheorie und das Kreativfach Skulpturgestaltung entschieden.Die Stadt bestimmt in New York das LebenAllmählich neigt sich der Tag seinem Ende entgegen. Die Abendsonne wirft lange Schatten an den Häuserschluchten entlang. Jordana klemmt sich das Filmskript und einige Seminarhefte unter den Arm, verabschiedet sich von Freunden und hastet an hupenden Taxis und dicht gedrängten Menschenmassen den Broadway entlang. Alle paar Minuten lässt die Metro den Boden beben. "Das Leben in New York ist so intensiv, da rückt die Identifikation mit der Uni in den Hintergrund." Die Fachbereiche, die sie besucht, sind über halb Manhattan verteilt. Um die rund 40000 Studierenden zu verwalten, ist eine gewaltige Bürokratie erforderlich. Oft mangele es an Unterstützung und individueller Beratung, klagt sie.15 Gehminuten später erreicht sie einen riesigen Gebäudekomplex mit vielen kleinen Fenstern. Seit kurzem teilt sie sich mit einer Freundin eine Einzimmerwohnung im zwölften Stock. "Das ist immer noch eng, aber nicht zu vergleichen mit vorher."Die Studentenwohnungen sind mehr als engVor ihrem Umzug hat sie in einem riesigen, chaotischen Studentenwohnheim gelebt. Sie sagt: "Am Anfang war das Leben an der NYU wie ein Schock." Kurz nach ihrem 18. Geburtstag ist sie von der elterlichen Wohnung im gutbürgerlichen Long Island, östlich von New York, in das Studentenwohnheim in Manhattan gezogen. Ihr habe sich damals eine völlig neue Welt eröffnet: In drei Wohnkomplexen, nahe Union Square, lebten mehr als 1000 Studenten eng beisammen. Eine Wohneinheit, bestehend aus zwei Zimmern, teilten sich drei Studenten. Das ist vorbei, ganz ohne Improvisation geht es aber auch in ihrer neuen Wohnung nicht: Mit Trennwänden aus Pappmaschee haben die Mädchen das Apartment in zwei gemütliche Wohnbereiche aufgeteilt. So haben beide etwas mehr Privatleben und Jordana Carlin Platz für ihre unzähligen Bücher.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.11.2009

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