Wer sich auf einen Studienplatz bewirbt, muss immer mit einer Absage rechnen - obwohl zu Semesterbeginn freie Plätze übrig bleiben. Die glücklichen Nachrücker bekommen kurzfristig Stress, wer keinen Platz bekommt, ärgert sich. Abhilfe scheint erst ab 2011 in Sicht.
Viele Abiturienten haben auch zu Beginn des letzten Wintersemesters wieder vergebens auf eine Zusage nach einem ersehnten Studienplatz gewartet. Einige kamen noch über ein Nachrückverfahren an einen Platz, andere gingen ganz leer aus. Und das, obwohl ein Bericht, der nun der Staatssekretätsrunde der Kultusminister vorliegt, offen legt: Mindestens 18 000 Studienplätze waren letzten November, vier Monate nach Semesterstart, noch nicht besetzt. Vor allem die mangelnde Organisation der Studienplatzvergabe trägt dafür die Verantwortung. Dieses Problem will man nun mit einer Software für die Studienzulassung von Numerus-Clausus-Fächern beheben. Diese wird aber wohl frühestens im Herbst 2011 bundesweit einsatzbereit sein.Betroffen von diesem Vergabechaos sind alle Disziplinen, voran Jura und die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, aber auch Studiengänge der Ingenieur- und Naturwissenschaften - alles Fächer, bei denen es jeweils mehr Bewerber als Plätze gibt. Die zwischen den Universitäten fehlende Abstimmung bei Mehrfachbewerbungen von Abiturienten führt häufig zur gleichzeitigen Zulassung an mehreren Hochschulorten - und damit zur Blockade der dringend benötigten Studienkapazitäten.Nachrücker sind oft benachteiligtDie Folge sind komplizierte Nachrückverfahren. Das klappt manchmal gut, manchmal auch weniger. An der Uni Mainz zum Beispiel waren im Schnitt nur zwei Nachrückerrunden nötig, in Würzung waren es dagegen je nach Fach bis zu acht - die sich laut Bericht bis zum 17. November hinzogen. Zwar ist inzwischen die Gesamtzahl der noch offenen Plätze durch eine in diesem Jahr erstmals eingesetzte bundesweite Internet-Studienplatzbörse weiter zurückgegangen. Doch insbesondere in den verschulten neuen Bachelor-Studiengängen bedeutet der verspätete Studieneinstieg besonders für junge und hochschulunerfahrene Anfänger erhebliche Probleme, wird in dem Bericht offen eingeräumt.Dabei war das Chaos seit Jahren absehbar. 2001 empfahl der Wissenschaftsrat, den Hochschulen die Auswahl ihrer Studenten weitgehend selbst zu übertragen. Die Rektoren jubelten, als danach die Arbeit der von ihnen ungeliebten Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in Dortmund Zug um Zug beschränkt und nur noch auf die Fächer Medizin und Pharmazie reduziert wurde. Doch seit 2003/2004 mehren sich Klagen über Doppelzulassungen und ungenutzte Kapazitäten. Über eine neue Form des Datenabgleichs wollten - oder konnten - sich die Rektoren viele Jahre nicht verständigen.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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