Ein Professor, der willkürlich handelt und seine Studenten schikaniert: Das ist kein Einzelfall. Um das Vertrauen in die Unis zu stärken, fordert Klaus Landfried daher Ombudspersonen.
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In diesem Sommer leuchtete die Sonne der Zufriedenheit in die weiter unterfinanzierten deutschen Hochschulen. Da hatten unerwartet viele Studenten auf Befragen von Bildungsforschern geantwortet, sie seien zufrieden mit der akademischen Lehre. Analysiert man die Studie genauer, lässt sich zweierlei festhalten: Einmal scheint eine neue Generation von Dozenten die öffentliche Rhetorik über die Qualität der Lehre beim Wort zu nehmen und neue didaktische Lernkonzepte anzuwenden.Das lässt für die Zukunft tatsächlich hoffen, dass das arrogante Geschwätz, hervorragendes Forschungswissen werde quasi von selbst zu guter Lehre, endlich verstummt. Zum zweiten aber fällt auf, wonach nicht gefragt wurde. Nämlich danach, ob Studis sich auch fair behandelt fühlen. Dass hier indirekt gefragt werden muss, versteht sich. Wie offen aber die Antworten auf solche Fragen ausfallen, wenn sie denn gestellt würden, hängt natürlich davon ab, inwieweit man der Anonymität traut. Zu mir jedenfalls dringt manch beunruhigender Einzelfall: Frau M., Doktorandin aus dem Iran, hatte jedenfalls viele Probleme an ihrer Uni, bürokratische oft, aber auch solche mit einer gewissen selbstherrlichen Willkür ihrer Profs.Schikanen bei der Anerkennung der Studienleistungen in SpanienOder Herr T., Geschichtsstudent aus B., berichtet mir von Schikanen bei der Anerkennung seiner Studienleistungen in Spanien, sogar im Rahmen eines Erasmus-Austausches. Wo doch die Hochschule schon mit ihrer Unterschrift unter den Vertrag mit der europäischen Partnerhochschule zusichert: Studienleistungen werden gegenseitig anerkannt. Herr T. war sogar mutig und beschwerte sich. Sein Prof daraufhin ganz cool: "Sie wollen doch bei mir Examen machen. Da werden Sie schon meine Anforderungen akzeptieren müssen."Oder Frau G., die als allein erziehende Mutter einen (zunächst erfolglosen) Antrag auf Verlängerung einer Prüfungsfrist gestellt hatte: Ihr half am Ende ein diesmal nicht stur vorschriftenhöriger Beamter der Hochschulverwaltung. Aber ob sie trotz der wochenlangen Aufregung am Ende zu den "Zufriedenen" der Umfrage gehörte, muss offen bleiben. Es gibt viele weitere Fälle. Ja, sie sind nicht repräsentativ. Aber jeder ist schon einer zu viel. Was tun? Patentrezept habe ich keins, aber doch eine Empfehlung an die Hochschulen: Schafft eine Ombudsperson für Studenten!Studierende verdienen FairnessWählt einen aus dem laufenden Betrieb ausgeschiedenen Professor oder eine Professorin, der oder die keine persönlichen Interessen in der Uni hat außer dem, dass Studierende Fairness verdienen. Die Einrichtung kostet wenig, kann in der Grundordnung verankert werden, ohne auf den Gesetzgeber oder das hohe Ministerium zu warten. Sie hat dann das Recht, Fälle zu untersuchen und notfalls bekannt zu machen. Wie ein Bürgerbeauftragter eben. Der schützt dann auch vor denkbaren Repressalien. Und er verbessert das Gefühl, Fairness zu erfahren.Klaus Landfried war von 1997 bis 2003 Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Im Unruhestand betätigt sich der emeritierte Politikprofessor als Wissenschaftsberater und Headhunter.
Deutschland ade: Unternehmen verlagern Produktion, Verwaltung und Forschung in alle Welt – weil Schwellenländer wettbewerbsfähiger werden und Manager durch Herkunft und Werdegang so weltoffene wie nüchterne Kalkulierer sind wie keine Generation vor ihnen.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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