"Studenten ist das Tempo zu hoch"


Immer mehr Studenten nehmen seit der Umstellung auf das Bachelor-System eine psychologische Beratung in Anspruch. Michael Egeri arbeitet seit 30 Jahren als Studienberater an der Ruhr-Uni Bochum. Mit welchen Problemen Studenten zu ihm kommen.

Überfoderte Studentin blickt in Buch Viele Studenten sind überfordert und brauchen professionelle Hilfe Foto: © Klaus-Peter Adler - Fotolia.com

Stephan Knieps: Herr Egeri, das Deutsche Studentenwerk hat gerade Zahlen genannt, nach denen die psychologischen Beratungsstellen an den Unis 20 Prozent mehr Studierende zu betreuen haben als noch 2007. Haben Sie das auch festgestellt?
Michael Egeri: Ich denke, der Anstieg bei uns in der psychologischen Beratung der Uni Bochum liegt zwischen 10 und 20 Prozent.

Haben sich die Gründe verändert, aus denen die Studierenden Hilfe suchen?
Ja. Es fällt auf, dass ganz viele kommen, die es nicht schaffen, diesen schnellen Takt zu halten. Früher hatten wir eher Studierende, die wussten, dass sie geschlampt haben oder dass ihnen die Motivation fehlt. Nun kommen viele völlig verzweifelt an und sagen: "Wir kommen einfach nicht mehr hinterher." Aber die alten Gründe bestehen weiterhin.

Welche sind das?
Die häufigsten Gründe sind Angststörungen in allen Formen und leichte bis mittelschwere Depressionen. Hinzu kommen Zukunftsängste und Erschütterungen, ausgelöst etwa durch nicht bestandene Prüfungen. Das sind klassische Probleme, die für die Adoleszenz-Phase typisch und auch wichtig sind: Wer bin ich? Was soll aus mir werden? Das sind die Fragen, die sich junge Menschen stellen. Problematisch ist, dass sich die Studierenden durch die schnelle Taktung des Bachelor-Systems keine Versagenszeiten im Semester mehr erlauben dürfen.

Das war früher anders?
Früher konnte man auch mal nicht in die Vorlesung gehen und etwas zu Hause nachlesen. Das ist nicht mehr möglich, es gilt Anwesenheitspflicht. Wer einmal im Semester aus dem Tritt gekommen ist, der hat es jetzt viel schwerer wieder aufzuholen. Viele suchen die Schuld bei sich selbst, sie sehen ja, dass andere es schaffen. Sie denken: "Ich bin wohl nicht gut genug, da muss ich noch härter arbeiten!" Es kommen junge Menschen zu uns mit einem klassischen Burn-out-Syndrom.

Nehmen Studierende heutzutage ihr Studium zu ernst?
Es liegt an den Rahmenbedingungen. Studieren ist in der Regel ein großer finanzieller Kraftakt – wenn man nicht gerade vermögende Eltern hat. Und die Studiengebühren zahlt man ja auch, wenn man etwas wiederholen muss. Studierende haben heute sehr wenig Zeit, Dinge im Studium auszuprobieren, ohne dass es gleich negative Konsequenzen hat. Dann sind da noch die familiären Zwänge. Häufig übt die Familie Druck aus, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Außerdem gibt es den Druck vom Fach. Man darf zweimal fehlen, sonst gilt das Modul als nicht bestanden. Und wie eine große, dunkle Wolke hängt über allem die Sorge um den Arbeitsplatz.

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6 Kommentare zu “"Studenten ist das Tempo zu hoch"”


von x am 07.05.2010 21:55 Uhr



von Troll am 09.03.2010 23:48 Uhr



von Anonymus mit Grips am 09.03.2010 02:22 Uhr



von Anonymus am 06.03.2010 22:47 Uhr



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