Fremdsprachen

Sprechen Sie Spanisch?

Stefanie Müller
Wie gut ist Ihr Spanisch? Können Sie im Urlaub unfallfrei ein Bier bestellen - oder reicht es sogar für mehr? Und wer braucht überhaupt Spanisch-Kenntnisse? Die Weltsprache bietet Ihnen die Chance, von den Märkten in Spanien und Lateinamerika zu profitieren.
14 Millionen Menschen weltweit studieren SpanischFoto: © Alexander Inglessi
Bei Tina Weigand war es Liebe auf den ersten Blick. Das helle Licht in der Stadt, der blaue Himmel, die Feierlaune der Menschen - irgendwo gibt es immer was zu feiern in der spanischen Hauptstadt. "Ich fühlte mich von Anfang an sehr wohl hier, obwohl Madrid auch anstrengend ist", sagt die junge Diplom-Ingenieurin aus Stuttgart.
Denn auf das Nachtleben und den angenehmen Freizeitstress folgt am nächsten Morgen immer der Alltag, der stressige Verkehr und die schmucklose Architektur der Stadt. Die 26-Jährige wohnt in der Nähe der Plaza Castilla, einem Verkehrsknotenpunkt, der umgeben von Bürotürmen ist, nicht gerade die schönste Ecke der sechs Millionen Einwohner großen Metropole. Und über das im Vergleich zu Deutschland viel teurere Leben in Spanien ärgert sie sich jeden Tag. Trotzdem möchte sie derzeit nirgendwo anders leben. "Ich will unbedingt die zweitwichtigste Weltsprache lernen", sagt die Medieningenieurin. Französisch und Englisch beherrscht sie schon, dazu kommt ein bisschen Finnisch aus ihrem Erasmus-Jahr in Helsinki. Jetzt also Spanisch.Mit Englisch kommt man in Spanien nicht weitUm bei einem Internet-Start-up ihre Diplomarbeit zu schreiben, zog sie im Herbst nach Madrid. Parallel absolvierte sie ein Praktikum und belegte einen Sprachkurs. "So lernt man die Sprache am besten", sagt Tina Weigand. Anfangs hatte sie versucht, sich mit Englisch durchzuschlagen. Weit ist sie damit aber nicht gekommen. Jetzt ist sie mit ihrer Diplomarbeit fast fertig und sucht eine Anstellung. Am liebsten würde sie in Spanien bleiben, um etwa Multimediaprojekte zu leiten. Die Chancen seien gut in ihrer neuen Heimat, sagt sie.Spanisch ist gefragt. Wie Tina Weigand zieht es laut dem Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) jedes Jahr rund 10000 deutsche Studenten nach Spanien. Sie wollen Songs aus Kuba und Peru verstehen, spanische Literatur lesen und Almódovar-Filme im Original sehen. Es geht aber auch darum, sich auf dem globalen Arbeitsmarkt einen Vorteil zu verschaffen, durch das Studium, Praktika, bei einer Auslandsstation für seine Firma oder als Au-Pair-Mädchen. Die meisten lernen die Sprache über einen Kurs und ein Tandem, einen spanischen Austauschpartner, mit dem man sich mehrmals pro Woche trifft.14 Millionen Menschen weltweit studieren derzeit Spanisch. Rund 120000 davon im Kulturinstitut Cervantes, der offiziellen spanischen Sprachschule, die mit dem deutschen Goethe Institut zu vergleichen ist. Allein in Deutschland gibt es fast eine halbe Million Spanisch-Studenten. In Frankreich sind es sogar mehr als zwei Millionen. Viele von ihnen zieht es früher oder später auf die Iberische Halbinsel oder nach Lateinamerika. Bei Rucksack-Touren durch die Anden packt sie die Faszination, andere gehen danach für ein Praktikum nach Mexiko, Argentinien oder Peru.Martin Romberg, 29, kam 2003 zum ersten Mal während des Studiums für ein Jahr zum Praktikum nach Mexiko. Der Rostocker arbeitete damals für Pricewaterhouse-Coopers. "Ich konnte als Student was für meinen Lebenslauf tun und gleichzeitig die Sprache lernen. Das war ein Riesenvorteil." Nach seinem Praktikum kehrte Romberg nach Deutschland zurück, um das BWL-Studium in seiner Heimatstadt zu Ende zu bringen. Einen Teil seiner Diplomarbeit schrieb er jedoch schon wieder in Mexiko. Nach dem Studium fand er schnell einen Job bei der DEG, einem Unternehmen der Kfw Bankengruppe, wo er heute als Projektleiter arbeitet. "Einen solchen Job hätte ich in Deutschland wohl so jung nicht bekommen."
Dieser Artikel ist erschienen am 01.06.2009

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