Weiterbildung

Sprachen lernen: Skype me, please!

A. Oldekop
Seltene Sprache, abgelegener Wohnort, ungewöhnliche Zeitfenster - die Internet-Telefonie bietet unbegrenzte Konversationsmöglichkeiten für Sprachenlernende. Doch wer eine Sprache seriös lernen will, muss intensiv nach dem richtigen Austauschpartner suchen.
Online-Börsen: Per Knopfdruck Sprachen lernenFoto: © kebox - Fotolia.com
Seltene Sprache, abgelegener Wohnort, ungewöhnliche Zeitfenster - die Internet-Telefonie bietet unbegrenzte Konversationsmöglichkeiten für Sprachenlernende. Doch wer eine Sprache seriös lernen will, muss intensiv nach dem richtigen Austauschpartner suchen.
Val Abrams, 32-jähriger Gründer einer Kinderhilfsorganisation in New York, spricht Chinesisch, Deutsch, Französisch und Spanisch. Der ehemalige Mitarbeiter der Investmentbank JP Morgan hat 30 Länder bereist und sucht weitere Kontakte zur Global Community. Wenn möglich auf Deutsch.
Ken, 31-jähriger Australier aus Perth, plant eine Deutschland-Reise und hat gerade mal ein paar Lektionen Deutsch gelernt. Auch er ist auf der Suche nach Kontakten.
Der 36-jährige Schweizer Geschäftsmann Jacques-Olivier Ramponi lebt seit drei Jahren in Schanghai. Er möchte sein einst gutes Deutsch auffrischen und dazu noch Arabisch lernen.
New York Feeling
New York, Schanghai, Perth - so unterschiedlich die Orte und Lebensmodelle der drei Männer sind, eins haben sie gemeinsam: Sie wollen Deutsch lernen. Nicht in einer Sprachschule. Nicht mit einem Audio-Kurs. Sondern mit einem realen Sprachpartner. Sie wollen über wirkliche Themen plaudern. Und das nicht etwa mit Deutschen, die im Ausland leben. Sondern mit Deutschen, die in Deutschland leben. Die erzählen, welche Themen hier diskutiert werden. Deshalb haben Val, Ken und Jacques-Olivier sich bei My Language Exchange registriert, einer Datenbank, die Sprachlernpartner vermittelt.
Im neuen Internet boomen die Marktplätze für Sprachenlernende. Die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt. Sprachaustauschpartner auf Suaheli gesucht? Kein Problem. Wie wär's mit einer Portion Hindi? Oder darf's ein Chat auf Mongolisch sein? Alles scheint möglich. Mit der kostenlosen Internet-Telefonie, die unter anderem Skype bietet, findet der gute alte Konversationskurs eine neue Form. Das kostenlose Telefonieren macht Unterhaltungen mit einem Native Speaker möglich, unabhängig vom Ort und auch zu ungewöhnlichen Zeiten - dank verschiedener Zeitzonen. In vielen Sprachaustauschbörsen kann man mit nur einem Klick einen Sprachaustauschpartner anrufen. Und bevor man sich auf das Gespräch vorbereitet hat, klingt aus dem Lautsprecher am PC schon ein dynamisches "Pronto" oder ein verschlafenes "Yes, please?".
Netz der Flüchtigkeiten
Denn die Welt der unbegrenzten Möglichkeiten verleitet leider auch zur Flüchtigkeit. Den Sprachaustauschpartner nicht erreicht? Kein Problem, schließlich warten Hunderte von weiteren Native English Speakers, die Deutsch lernen wollen. Die Sprachaustauschbörsen wuchern mit der Anzahl ihrer Mitglieder. Mit den Internet-Sprachbörsen ist es nicht weiter schwierig, Kontakte zu knüpfen. Die eigentliche Kunst ist es, die Gespräche mit den vielen neuen Freunden so zu steuern, dass für beide Partner schnell ein Lernerfolg eintritt.
Die richtige Wahl 
Wer Sprachaustausch über Skype beginnt, muss vorher wissen, was er will. Die Sprachaustauschbörsen haben verschiedene Schwerpunkte (siehe Kasten rechts). Wer nur plaudern will, ist bei den anonymen Börsen mit Hunderttausenden von Mitgliedern gut aufgehoben.
Wer eine Sprache aber wirklich lernen will, sollte sich besser auf einige regelmäßige, gut vorbereitete Skype-Telefonate mit wenigen Partnern beschränken. Vorbildlich bei der Sprachpartnervermittlung ist das EU-geförderte Tandem-Netzwerk der Ruhr-Uni Bochum, bei der ein Formular nach den Wünschen der Sprachenlernenden fragt.
Ist der Sprachpartner erst einmal gefunden, sollte man per Mail die Spielregeln absprechen (siehe Kasten links). Denn Skype bietet nicht nur unbegrenzte Möglichkeiten Kontakte zu knüpfen. Wenn fremde Menschen aus einander unbekannten Kulturen in unterschiedlichen Zeitzonen über das Internet in einer Fremdsprache miteinander telefonieren, sind auch die Möglichkeiten zu Missverständnissen nahezu unbegrenzt.
Klare SpielregelnVorher
Skype herunterladen, Account anlegen (Anleitung unter www.skype.com), Sprachqualität testen, Austauschpartner finden.
Zeiten festlegen
Wie oft, wann und wie lange findet der Austausch statt. Zeitspanne für jede Sprache vereinbaren und nach den Aufwärmminuten klar einhalten. Nicht zwischendurch die Sprache wechseln, sonst dominiert derjenige, der seine Fremdsprache besser spricht.
Themen klären
Möglich sind das freie Sprechen, ein Gespräch über ein vorher gewähltes Thema oder eine Unterhaltung über einen Text in einem Sprachbuch.
Verständigung statt Verbesserung
Beim Sprechen der Muttersprache Rücksicht nehmen: langsam sprechen, ermutigen, nicht ständig korrigieren. Beim Sprechen der Fremdsprache: nachfragen und den anderen bitten, langsamer zu sprechen. Immer extrem höflich bleiben, um Missverständnisse zu vermeiden.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.02.2007

Thema des Tages

Allgemeinbildung

 

Die besten Trainee-Stellen

Karriere-Städteranking

Jobsuche + Bewerbung

Wer verdient wieviel?

Newsletter bestellen

Berufsreport