Neue Medien

Sprachen lernen mit Podcasts

Anne Meike Riebau
Fremdsprache eingerostet und keine Zeit, einen Kurs zu besuchen? Dagegen gibt's jetzt was: Personalisierte Internet-Angebote ermöglichen den Spracherwerb im selbstbestimmten Tempo - unabhängig von Ort und Zeit.
Ob Bus oder Bahn - Sprachen lernen mit PodcastsFoto: © franck camhi - Fotolia.com
Fremdsprache eingerostet und keine Zeit, einen Kurs zu besuchen? Dagegen gibt's jetzt was: Personalisierte Internet-Angebote ermöglichen den Spracherwerb im selbstbestimmten Tempo - unabhängig von Ort und Zeit.
Eins haben sie alle gemein: Die Sprachen-Podcasts im Netz sind kaum älter als ein Jahr, reagieren schnell und spielen ständig mit den neuen technischen Möglichkeiten. Allerdings gibt es von Sprache zu Sprache große Qualitätsunterschiede. Fazit unserer Sprachen-Tester: Podcast-Abos sind allemal billiger als herkömmliche Sprachkurse, trainieren lebensnah Hörverstehen, Wortschatz und manchmal auch die Grammatik. Einen realen Gesprächspartner oder Lehrer aber ersetzen sie nicht.Das pädagogisch beste und technisch ausgefeilteste Angebot bietet www.chinesepod.com. Junge Karriere -Redakteurin Astrid Oldekop wollte wissen, was dahintersteckt. Einen Monat lang hat sie ihr verstaubtes Chinesisch mit Hilfe des Web 2.0 aufpoliert. Welche Erfahrungen sie in der Straßenbahn, am Arbeitsplatz und beim Mittagessen mit der neuen Art des Sprachenlernens per iPod und personalisierter Vokabelbox im Internet gemacht hat, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Junger Karriere.
Außerdem in der Print-Ausgabe von Junger Karriere: Checkliste - Wie finde ich das passende Podcast-Angebot?
Die Junge Karriere-Redakteurin Astrid Oldekop hat einen Monat lang ihr verstaubtes Chinesisch mit Hilfe des Web 2.0 aufpoliert Chinesepod SelbstversuchYihe-Yaju-Restaurant am Park des Sonnentempels in Peking. Es ist meine erste China-Reise seit fünf Jahren. Als mir die Kellnerin in ihrer engen Seiden-Qipao Suppe empfiehlt, ich aber immer nur Zucker verstehe, weiß ich: So geht es nicht weiter. Meine Semester in China sind lange her, meine Kenntnisse restlos eingerostet. Zurück in Düsseldorf suche ich nach einem passenden Kurs - Fehlanzeige. Mit dem Job, den vielen Terminen und den Reisen werde ich wohl kaum regelmäßig zum Unterricht erscheinen können.Im Internet wird unter den Chinesisch-Lernenden ein neues Angebot heiß diskutiert: Chinesepod.com - ein täglicher kostenloser Podcast auf Mandarin (Hochchinesisch). Dazu gibt es Texte,Vokabel- und Grammatikübungen im Abo.Eine Sprache wie Mandarin virtuell lernen? Mit PC und iPod die schwierige Aussprache mit den vier Tönen in den Griff bekommen und dazu die Schriftzeichen pauken? Kein Problem, meint Ken Carroll, der Kopf hinter Chinesepod. Der irische Sprachlehrer aus Shanghai hat 20 Jahre lang konventionellen Sprachunterricht gegeben. Seit September 2005 senden Ken und sein 15-köpfiges Team einen täglichen Podcast aus Shanghai. Mit bisher fünf Millionen Downloads erreicht Chinesepod inzwischen 120.000 Hörer pro Woche. Ich wage den Selbstversuch.1. Tag. Die iTunes sind geladen, Kens Podcast abonniert. Eine ganze Menge Daten - gut, dass ich einen DSL-Anschluss habe. Auf dem Weg zur Arbeit höre ich meine erste Sendung: "How's business": 17 Minuten Hochchinesisch. Die Struktur des Mittelstufe-Podcasts ist denkbar einfach: Die junge chinesische Sprachlehrerin Jenny Zhu und ein Ausländer plaudern auf Chinesisch über das Thema, stellen neue Worte zum Teil mit englischer Übersetzung vor. Darauf folgt die eigentliche Lektion, ein kurzer, vorher aufgenommener Dialog. Die beiden Sprachlehrer vertiefen das Thema, anschließend wird der Dialog wiederholt. Der Podcast endet mit einem Trailer: Ein Urschrei, dann der Spruch: "Turn that cave Mandarin into rave Mandarin." Chinesisch sprechen wie Raver tanzen. Ein schöner Traum.2. Tag. Die drei Schwierigkeitsstufen auf Chinesepod wechseln in bunter Folge. Die heutige Anfängerlektion bringt mir nichts, da lade ich lieber einen Fortgeschrittenen-Pod aus dem Archiv. Ich sitze in der Düsseldorfer Straßenbahn, die geschäftige Nordstraße gleitet an mir vorüber, in meinen Ohrhörern schwärmt Jenny von den Regisseuren Ang Lee, Zhang Yimou und Chen Kaige. Neben Vokabeln liefert sie viel Stoff für chinesischen Smalltalk. Die Straßenbahn rumpelt, ich stelle den iPod lauter. "Ba wang bie ji" - halblaut murmele ich den chinesischen Namen des Films "Lebewohl meine Konkubine" mit. Meine singenden Zischlaute lassen mein Zeitung lesendes Gegenüber irritiert aufblicken. Morgen fahre ich wieder mit dem Fahrrad.3. Tag. Mein Premium-Abonnement bietet reichlich Zusatzmaterialien. Neben Manuskripten gibt es flash-animierte Texte: Fahre ich mit dem Cursor über die Schriftzeichen, so erscheint das jeweilige Wort in englischer Übersetzung und in Pinyin, das ist die lateinische Umschrift der chinesischen Aussprache. Ein Klick mit der linken Maustaste - und ich habe das Wort in meine persönliche Vokabelbox gezogen. Mit den elektronischen Wortkarten kann ich zwar keine Schriftzeichen aktiv memorieren - das geht nur durch Abschreiben -, aber ich werde sie hoffentlich wieder lesen können.4. Tag. Heute treffe ich Ge Fei aus Shanghai, meine Privatlehrerin. Sie wird am Monatsende den Lernerfolg mit Chinesepod bewerten. Wir ackern uns durch das PDF des Pods über Hofhäuser in Peking und Shanghai. Ge Fei mag den Text: aktuelles Thema, Umgangssprache, gute Grammatikbeispiele. Ich merke: Es ist etwas anderes, in der Straßenbahn Worte zu murmeln oder einen Text mit einem Lehrer durchzusprechen.5. Tag. Meine Vokabelbox im Netz umfasst jetzt 57 Flashcards. Ich liebe diese Karten. Während Papierkarten nur zwei Seiten haben, kann mein PC die Dreidimensionalität des Chinesischen gut abbilden. Er fragt mich nach Zeichen, Aussprache und Übersetzung. Auf dem Weg zu einem Termin die erste Enttäuschung: Chinesepod verspricht mobiles Lernen mit persönlichen Vokabeln auf dem Handy. Die Internet-Seite, die ich mit meinem Handy öffne, ist klar aufgebaut. Der Ausflug kostet mich erstaunlicherweise nur zehn Cent. Doch mein Handy spricht kein Chinesisch. Statt Schriftzeichen erscheinen nur Kästchen.Schade auch, dass ich nicht die Vokabeln auf das Handy laden und offline benutzen kann. Ob im Flugzeug oder im Wartezimmer beim Arzt - es gibt einfach zu viele Orte, an denen man prima Vokabeln lernen könnte, der Online-Handy-Gebrauch aber verboten ist.10. Tag.Chinesepod braucht nach eigenen Angaben fünf Tage, um aus User-Wünschen einen Pod zu machen. Drei Leute kümmern sich um das Feedback, das die Poddies in Wikis, Blogs und Foren hinterlassen. Beim Abo-Abschluss war auch ich nach meinen Lieblingsthemen gefragt worden.
Zufall oder Kundenservice - Gegenstand des heutigen Pods ist mein Wunschthema Fotografie. Seitenlicht, Gegenlicht, Objektiv, goldener Schnitt, Digital- und Analogkamera - mir schwirrt der Kopf vor lauter Fachvokabular. Die Lehrer Jenny Zhu und John Pasden, die sich durch die Lektion quälen, haben leider keine Ahnung vom Thema. Ich wiederhole die Lektion am Abend mit meiner Privatlehrerin Ge Fei. Sie stößt sich zwar nicht an den vielen Fachwörtern, hat aber einiges an der Struktur auszusetzen: "Kein Chinese würde so sprechen. Das ist die wörtliche Übersetzung eines ausländischen Textes."
Dieser Artikel ist erschienen am 26.05.2008

Thema des Tages

Allgemeinbildung

 

Die besten Trainee-Stellen

Karriere-Städteranking

Jobsuche + Bewerbung

Wer verdient wieviel?

Newsletter bestellen

Berufsreport