Spielregeln fürs Praktikum


Sommerzeit ist Praktikumszeit. Was Studenten während der Stippvisite in der Berufswelt bei Kranken- und Rentenversicherung, Steuern und Bafög beachten müssen - und wie viel Kohle es gibt.

Praktikum_Student Für ein Sommer-Praktikum verzichten viele Studenten auf den Strandurlaub Foto: © aboutpixel.de, Partheeus

Astrid Richter hat mit ihrem Praktikum einen echten Glücksgriff getan. Sechs Monate arbeitet die Innenarchitektur-Studentin aus Trier in der Abteilung Szenenbild bei der Daily Soap "Verbotene Liebe" in Köln-Ossendorf. Ihr Gestaltungstalent kann sie dabei voll ausleben: Von der eleganten Schlossküche bis zur hippen Teenie-WG - in fast 40 verschiedenen Sets kann die angehende Innenarchitektin für das passende Ambiente sorgen. "Ich habe mich vom ersten Tag an als vollwertige Arbeitskraft gefühlt", berichtet die 22-Jährige begeistert.

So sehr ihr der Joballtag bei der Fernsehproduktion auch gefällt, er bringt für die Studentin auch nervige Dinge wie Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuer mit sich. Von ihren 500 Euro Praktikantengehalt pro Monat werden 100 Euro Sozialabgaben und Steuern abgezogen.

Wie Astrid Richter geht es vielen Studierenden, die pünktlich zum Start der Semesterferien wieder zu Praktikanten mutieren und in die Unternehmen strömen, um Praxisluft zu schnuppern. Sie müssen sich nicht nur an den Angestelltenalltag gewöhnen, sondern sich wie ein ganz normaler Arbeitnehmer mit Formalitäten wie Sozialversicherung und Steuern herumschlagen, besonders wenn sie wie in Astrids Fall für das Praktikum Gehalt kassieren.

Maue Vergütung

Das ist längst nicht in allen Unternehmen der Fall: Laut einer Umfrage des Hochschul-Informations-Systems (HIS) erhält lediglich jeder dritte Praktikant Kohle. Pflichtpraktika werden dabei deutlich seltener honoriert als freiwillige Stippvisiten in Unternehmen, bei denen es immerhin in 44 Prozent der Fälle einen kleinen Obolus gibt. Wie viel gezahlt wird, ist je nach Branche sehr unterschiedlich. Während sich Praktis bei Medienunternehmen nach einer Studie des Recruiting-Dienstleisters Alma Mater im Schnitt mit nur 350 Euro zufrieden geben müssen, wird die Mitarbeit auf Zeit in der Chemie- oder Pharmabranche mit üppigen 750 Euro im Monat belohnt.

Von diesen oft mickrigen Praktikumsgehältern müssen einige Sommerjobber zu allem Überfluss auch noch Sozialabgaben zahlen. Wer gut verdient, bekommt unter Umständen sogar weniger Bafög und muss seinen Verdienst versteuern.

Die Spielregeln für Praktikanten in Sachen Finanzen sind kompliziert. Ob sie Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen, hängt nämlich davon ab, wann die Praxisphase stattfindet und ob sie Pflichtbestandteil des Studiums oder freiwillig ist.

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