Medientraining

So wirken Manager besser vor der Kamera

Christoph Stehr
Sie empfiehlt ihren Kunden, "aktiv und auf einer Augenhöhe" die Arbeit des Journalisten zu unterstützen, beispielsweise geeignete Drehorte für einen Fernsehbeitrag vorzuschlagen. Das Zeug zum Medien-Darling habe, wer "positiv, informiert, aktiv und persönlich engagiert" sei. Tatsächlich entsprechen nur wenige Manager diesem Bild. Das liegt größtenteils daran, dass sie zu wenig Übung im Umgang mit Presse und TV haben. Und wenn ihnen mal ein Mikrofon unter die Nase gehalten wird, dann meist, weil die Hütte brennt und jedermann glaubt, dass sie das Feuer gelegt haben. Derart an die Wand gedrängt, wählen viele die schlechteste Taktik: "Vertuschen, blockieren, untertauchen und die Unwahrheit sagen, obwohl die Wahrheit früher oder später meistens ans Licht kommt", kritisiert Medienberater Pietro Nuvoloni. "Die Rache des Journalisten ist das Archiv."Nuvoloni führt einen Großteil der Patzer, die Managern bei öffentlichen Auftritten unterlaufen, auf mangelhafte Vorbereitung zurück. Vor laufender Kamera muss man die Fakten selbst parat haben - da schiebt einem niemand Spickzettel zu. Hinzu kommt die Unfähigkeit, sich auf das Publikum einzustellen. Statt kurze, prägnante Aussagen zu treffen, dozieren die Chefs in Fachchinesisch, als säßen sie ihren Abteilungsleitern gegenüber. Auch der non-verbale Auftritt der Führungskräfte lasse zu wünschen übrig: "Keine aufrechte Position, Fluchthaltung, verhärtetes Gesicht, Blick vom Journalisten abgewandt" - all das schade der Glaubwürdigkeit.Doch selbst beste Vorbereitung schützt nicht vor Blackouts: Plötzlich ist der Kopf leer, und die Zeit dehnt sich wie Kaugummi. "Dann ist ein natürlicher Umgang mit Pannen zu empfehlen: lächeln, zugeben, dass der rote Faden verschwunden ist - und anbieten, das Statement eventuell noch einmal zu machen", sagt Sabine Appelhagen. "In einer Live-Situation dagegen empfehle ich immer, noch einmal die genaue Fragestellung zu erfragen." So gewinnt der Interviewte Zeit, zurück zum Thema zu finden. "Bestenfalls nutzt man die Gelegenheit, eine vorbereitete Kernbotschaft einfließen zu lassen und kurzerhand das Thema zu wechseln."Die hohe Schule des Medienauftritts ist das Live-Interview in einem kritischen TV-Magazin. Hier müssen Manager mit allem rechnen: persönliche und provokative Fragen, Abwertungen, Unterstellungen, Zeitdruck, Unterbrechungen. Medientrainings, wie sie Trainsform im westfälischen Werther anbietet, spielen solche Stresssituationen durch, um Manager daran zu gewöhnen und dadurch den Überraschungseffekt zu verhindern. René Obermann hat sich in der Spitzelaffäre bislang gut gehalten. Als er neulich die Halbjahreszahlen der Telekom vorlegte, kündigte er erneut "rückhaltlose Aufklärung" und eine Entschuldigung an. Mehr als ein Nebensatz war das den meisten Medien nicht mehr wert. Obermann ist eben ein kundiger Gärtner des Grases, das bekanntlich über fast jede Affäre wächst.FitForCamera: Die Münchener Medientrainerin Sabine Appelhagen, die für Hörfunk und TV moderiert hat, zeigt Managern, wie sie eine gute Figur vor der Kamera machen. www.fitforcamera.deTim Schlüter: Der TV-Moderator, der sein Büro in Hannover hat, kann eine Trainerausbildung der University of Cambridge vorweisen. www.tim-schlueter.deDictum Media: Die Kölner Agentur des TV-Coach Pietro Nuvoloni vermittelt Grundlagen der Pressearbeit und bereitet Manager auf Fernsehauftritte vor. www.dictum-media.deTrainsform: In Werther bei Bielefeld konzipiert Jochem Kießling-Sonntag Trainings zu Medienkompetenz. www.trainsform.de
Dieser Artikel ist erschienen am 05.09.2008

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