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Praktikum im Senegal - Wo geht es nach Faraba?

Christian Doktor
Drei Monate reist Christian Doktor kreuz und quer durch den Senegal. Als Praktikant beim Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hilft er hungernden Schulkindern.
Senegal ist drei Monate das zu Hause von Christian DoktorFoto: © BabylonDesignz - Fotolia.com
Die Straße nach Faraba ist offenbar verschwunden. Der freundliche Herr vom Erziehungsministerium zeigt auf zwei Meter hohes Gras. Dort ist die Abzweigung zum Dorf - in der Trockenzeit. Jetzt sehe ich nur einen Trampelpfad. Unser Jeep taucht in das grüne Dickicht, das Gras reicht bis zum Dach. Wir rumpeln vorwärts, acht Kilometer in einer halben Stunde. Plötzlich geht nichts mehr. Vergangene Nacht hat es geregnet, ein Fluss schneidet uns den Weg ab. Wir waten durch den Fluss, hilflos balancierend auf glitschigen Steinen, umschwirrt von Tsetsefliegen. Endlich tauchen vor uns die Strohhütten von Faraba auf, Kinder führen uns zum Dorfältesten. Die Dorfkonferenz im Schatten eines großen Baumes kann beginnen.
Den Hunger bekämpfen Mein Praktikum beim Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen im Senegal findet erstmals im Rahmen des Global Experience Programme statt, einer in dieser Form einzigartigen Zusammenarbeit von Non-Profit-Organisationen und Unternehmen. Neben dem WFP sind die internationale Studentenorganisation Aiesec und der niederländische Logistikkonzern TNT beteiligt. Ich gehöre zu einer Gruppe von zehn niederländischen und deutschen Studenten und Absolventen, die für drei Monate Hilfsprojekte in Indien, Malawi, Mosambik, Panama und im Senegal unterstützen.Den Hunger in der Welt bekämpfen - das klingt vermessen für einen 26-jährigen Juristen, der frisch vom Studium in Köln und Bonn kommt. Aber das WFP ermöglicht es seinen Praktikanten, echte Hilfe zu leisten. Zum Beispiel im Projekt "Schulspeisung". Die Verteilung von Essen in Schulen bewirkt, dass Kinder nicht nur eine Mahlzeit, sondern auch Zugang zu Bildung erhalten. Von 300 Millionen hungernden Kindern in der Welt haben 100 Millionen nie eine Schule besucht, weil sie zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen müssen.Frauen als LasttiereIn Faraba überlegen wir, wie Frauen stärker in die Verwaltung der Schulkantinen einbezogen werden können, und suchen Wege, damit die Eltern nicht nur ihre Söhne, sondern auch die Töchter zur Schule schicken. Unsere Pläne stoßen auf allgemeine Erheiterung. In diesem Steinzeitdorf im Grenzland zwischen Senegal, Guinea und Mali sind die Frauen Lasttiere. Sie verbringen den Tag damit, Wasser zu holen, Hirse und Mais zu mahlen und zu kochen. Kleine Arbeitserleichterungen wären ein Fortschritt: eine handbetriebene Hirsemühle, eine Wasserpumpe oder etwas Werkzeug für die Gartenarbeit.Die Männer erzählen uns, dass die Mädchen mit zwölf, 13 heiraten und der Familie dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Warum also in Schulbildung investieren, wenn die Mädchen im Haushalt mehr für ihr Leben als Hausfrau lernen können?Nach drei Stunden geht es auf den Heimweg. Das ganze Dorf verabschiedet sich von uns, sagt Danke für die Lebensmittel des WFP. Und natürlich bitten sie Allah, uns zu beschützen. Der Motor macht trotzdem schlapp. Nachdem wir die Luftfilter von Insekten und Blättern befreit haben, gelangen wir endlich ins nächste Dorf.Handverlesene BewerberTNT unterstützt das WFP mit jährlich über zehn Millionen Euro. Aus diesem Topf wird mein Praktikum finanziert. Ich erhalte alle Reise- und Vorbereitungskosten, außerdem einen Betrag für das Leben in Dakar und im Landesinneren. Aiesec wiederum sucht die Kandidaten mit aus. Das Auswahlverfahren hatte es in sich. An ein Assessment Center in Bonn, inklusive Persönlichkeitstest, Einzelpräsentationen und Gruppendiskussionen auf Englisch, schloss sich zwei Wochen später ein Vorstellungsgespräch an.Am 19. September flog ich zusammen mit neun deutschen und niederländischen Studenten zunächst nach Rom zu einer von TNT und WFP geleiteten Vorbereitungswoche. In Zweierteams - je ein Niederländer und ein Deutscher - brachen wir dann zu unseren Hilfseinsätzen auf. Kurz vor Weihnachten werde ich nach Deutschland zurückkehren - sicher voll bepackt mit Eindrücken aus einer anderen Welt.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.12.2005

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