Fair Company

Nach der Uni noch ein Praktikum?

Carola Sonnet
Fakt ist, dass es Cirquent und allen anderen Fair Companies frei steht, freiwilligen Bewerbern auch nach ihrem Abschluss ein Praktikum zu ermöglichen. Allerdings sollte zwischen den alten Diplom- und Magister- sowie den neuen Bachelor- und Masterabschlüssen unterschieden werden. Denn viele Bachelor-Absolventen haben während ihres Studiums nur selten die Möglichkeit, erste Berufserfahrungen zu sammeln und bewerben sich für ein Praktikum für die Zeit vor ihrem Master-Studium.Unproblematisch sind Praktika also, wenn der Bachelor abgeschlossen ist und der Master bevorsteht. Das gilt auch für Studierende in einem Master-, Zweit- oder Aufbaustudiengang. Absolventen, die keine Möglichkeit sehen, eine Stelle zu finden, dürfen sich freiwillig auch nach ihrem Abschluss bewerben.Wie sinnvoll Kurz-Berufserfahrungen nach dem Bachelor sein können, um herauszufinden, worauf man sich im Master spezialisieren will, zeigt das Beispiel von Thomas Hasselberg (siehe S. 3). Der 22-Jährige macht seinen BWL-Bachelor an der Uni Münster. Bevor er im Februar mit seinem Master beginnt, wird er für zwei Monate in Düsseldorf bei der West LB als Praktikant im Vertrieb arbeiten. Im Anschluss plant er ein weiteres Praktikum in einem Industrieunternehmen: "Ich bin mir noch nicht sicher, welche Richtung ich einschlagen möchte und will beide Bereiche kennen lernen", sagt er.Bosch entwickelt Praktikumsangebot für AbsolventenDass es auch für die Unternehmen ein Vorteil sein kann, Bachelor-Absolventen Berufserfahrung zu ermöglichen, bevor sie ihren Master machen, zeigt eine neue Initiative von Bosch. Mit dem "PreMaster" wurde kein neues Praktikantenprogramm geschaffen, sondern ein auf die Absolventen zugeschnittenes Angebot. Doreen Herz ist eine von 28 Teilnehmern der Pilotphase, eine der besonders leistungsstarken Bewerber, die anschließend die Möglichkeit haben, bei ihrem Masterstudium mit einem Kredit unterstützt zu werden (siehe S. 3). "Die Idee, ein Jahr zu arbeiten, bevor ich weiter studiere, hat mir sehr gut gefallen", sagt die 29-Jährige.Die PreMaster-Teilnehmer werden mit 1900 Euro im Monat bezahlt und haben gute Chancen, nach ihrem Abschluss bei Bosch anzufangen. Jessica Heyser von der DGB Jugend begrüßt das Programm: "Für gute Arbeit angemessen bezahlt zu werden, sollte gerade nach dem Studium eine Selbstverständlichkeit sein." Von normalen Praktika nach dem Abschluss rät sie ab. "Der Klebeeffekt ist erwiesenermaßen gering."Die Chance auf Übernahme ist geringLaut einer Studie des Bundesarbeitsministeriums von 2008 übernahmen die Firmen nur elf Prozent der jungen, qualifizierten Beschäftigten, die während ihres Berufseinstiegs ein Praktikum machten, in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Acht Prozent erhielten einen befristeten Vertrag, drei Prozent mussten erneut als Praktikanten oder Leiharbeiter mit einem Honorarvertrag arbeiten. Befragt wurden 18- bis 34-Jährige mit abgeschlossener Berufsausbildung. Von den Befragten, die bereits Kontakt mit dem Arbeitsmarkt hatten, haben 20 Prozent nach dem Abschluss ein oder mehrere Praktika gemacht. Das entspricht hochgerechnet knapp zwei Millionen Menschen. Mehr als drei Viertel gaben an, während des Praktikums mindestens die Hälfte der Arbeitszeit als normale Kraft eingesetzt worden zu sein."Die Chancen auf eine Stelle sind nicht niedriger, wenn man statt eines Praktikums Bewerbungen schreibt oder Honorarstellen annimmt", sagt Jessica Heyser. Doch so frei in der Wahl sind Studenten selten. Ganz ohne Praxiserfahrung aus einem Praktikum geht es schließlich nicht. Und ein Funken Hoffnung, es darüber in eine feste Stelle zu schaffen, schwingt auch immer mit. Friederike Harms wird es so jedenfalls versuchen. Dass sie darüber ungern spricht, muss man verstehen - sie will ihre kleine Chance nutzen. Viele hat sie nämlich nicht.

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