Um sich als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer auf dem Arbeitsmarkt zu profilieren, zählt aktuelles Know-how. Mit neuen Titeln lassen sich dagegen neue Mandanten werben. Wer sich zum Fachberater weiterbilden lässt, der kann beides miteinander verbinden.
Wie Minensuchhunde kämpfen sich Steuerberater und Wirtschaftsprüfer oft durch die neueste Gesetzgebung. Die groben Rahmenbedingungen stehen zwar - an Infos für den Umgang mit Sonderfällen und Ausnahmen oder Hinweisen zur praktischen Umsetzung an vorderster Mandantenfront mangelt es aber regelmäßig. Sorgten 2008 die Abgeltungssteuer und die Unternehmenssteuerreform für Verunsicherung, ist es in diesem Jahr das BilMoG, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz. Ende Mai ist es in Kraft getreten, verpflichtend kommt es ab Januar 2010 zum Einsatz. Durch das BilMoG werden die traditionellen Prinzipien der HGB-Rechnungslegung modernisiert und den internationalen Rechnungslegungsstandards angenähert."Jeder Steuerberater muss sich intensiv mit dem BilMoG befassen", sagt die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Bundessteuerberaterkammer, Bettina Bethge. "Die Grundlagen sind zwar schon vielfach vermittelt worden. In der nächsten Runde geht es darum, in Workshops mit Fallstudien ihre konkrete Handhabung durchzuspielen. Es liegen ja bisher noch keine konkreten Erfahrungen mit den neuen Vorschriften vor."Das BilMoG wird das zentrale Thema für WeiterbildungenFür Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, aber auch für auf Steuerthemen spezialisierte Juristen resultiert aus dieser seit langem größten Reform der dringendste Weiterbildungsbedarf für die nächsten Quartale. Das bildungsintensive Thema wird erst im Laufe der Zeit seine vielen Facetten entfalten. Da sind sich alle Branchenexperten einig. Zumal auch die Mandanten bei diesem Thema noch nicht sonderlich sattelfest sind, wie Georg Albes, Director beim auf Finanz- und Rechnungswesen spezialisierten Personaldienstleister Robert Half, feststellt.Entsprechende Anwenderseminare sind derzeit überall im Programm, sei es bei der Bundessteuerberaterkammer, dem Deutschen Steuerberaterverband oder anderen Weiterbildungsinstituten. Neben der Reform der HGB-Rechnungslegung beschert vor allem die Wirtschaftskrise den Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern neue Themen: Risikodarstellung und Anhanggestaltung, Insolvenzgefährdung, Restrukturierung und Sanierung, Mittelstandsfinanzierung, Finanz- und Liquiditätsplanung.Die betriebswirtschaftliche Beratung gewinnt in der Mandantenbetreuung an Bedeutung. "Das wird verstärkt auch an uns Steuerberater herangetragen. Schließlich sitzen wir immer mit im Boot", merkt Axel Pestke an. Er ist Hauptgeschäftsführer des Deutschen Steuerberaterverbandes (DStV). Das entsprechende Know-how, sofern es durch ein betriebswirtschaftliches Studium nicht schon vorhanden ist, wird in vielen auf den Berufsstand angepassten Seminaren vermittelt.Die Spezialisierung erfolgt vornehmlich in kleinen und mittleren BetriebenFür Wirtschaftsprüfer gewinnt in Folge diverser Firmenskandale das Geschäftsfeld "Forensic Services" an Bedeutung. Das beobachtet jedenfalls Brigitte Rothkegel-Hoffmeister. Sie ist Fachreferentin beim Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland. Unter "Forensic Services" werden das Management von Betrugsrisiken und die Entwicklung von Strategien zur Aufdeckung und zur Prävention von im Unternehmen begangenen Straftaten verstanden. Beim Wirtschaftsprüfungskonzern PricewaterhouseCoopers (PwC) zum Beispiel sind dafür gemischte Teams im Einsatz: Sie bestehen aus Rechnungslegungsexperten, IT-Spezialisten, Juristen, Prüfungs- und Steuerfachleuten, die spezielles Know-how zum Geschäftsprozess- und Risikomanagement mitbringen.
Deutschland ade: Unternehmen verlagern Produktion, Verwaltung und Forschung in alle Welt – weil Schwellenländer wettbewerbsfähiger werden und Manager durch Herkunft und Werdegang so weltoffene wie nüchterne Kalkulierer sind wie keine Generation vor ihnen.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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