Fremdsprachen

Fachvokabular im Job

Massimo Bognanni
Viele Arbeitnehmer sprechen schon ein gutes Englisch. Das Fachvokabular jeder Branche ist allerdings sehr spezifisch und oft auch Neuland für Leute mit ausgeprägtem Grundvokabular. In speziellen Fortbildungskursen kann das Branchenübliche Vokalbular erlernt werden.
Wichtig für Mediziner, Ingenieure und Juristen: FachvokabelnFoto: © pmphoto - Fotolia.com
Was das englische Wort "aggregate" in der Baubranche auf Deutsch bedeutet, wusste Alexander Reinhardt vor vier Monaten noch nicht. Als der Jurist seinen Vertrag als Vorstandsassistent beim Baumittelhersteller Holcim in Hamburg unterzeichnete, waren seine Englischkenntnisse zwar sehr gut, das Fachvokabular seiner neuen Branche hatte er aber (natürlich) noch nicht drauf. So wusste Reinhardt etwa nicht, dass "aggregate" auf Deutsch "Bauzusatzstoff" heißt, und damit Materialien wie Sand und Kies gemeint sind. Sein Arbeitgeber half ihm. Holcim finanzierte dem 30-jährigen Einsteiger eine Fortbildung bei dem Sprachkursanbieter Berlitz. Kosten: knapp 3000 Euro.
Und Reinhardt drückte wieder die Schulbank und füllte das Vokabelheft. Zunächst testete der Institutsleiter erst einmal in einem Interview auf Englisch seine Sprachkenntnisse. Der Berufseinsteiger konnte mitreden, und wurde in Level sechs eingestuft, acht ist bei Berlitz das Maximum. Der anschließende Einzelunterricht wurde Reinhardts Niveau angepasst. In Rollenspielen stellte er Telefonate mit Kunden nach, übte Präsentationen und beantwortete E-Mails.Spezielles Vokabular in Artikeln nachlesenBesondere Wünsche des Berufseinsteigers berücksichtigte die Sprachlehrerin ebenfalls. Reinhardt brachte regelmäßig die internationale Presseschau seines Arbeitgebers mit in den Unterricht. Gemeinsam arbeiteten sie die Fachartikel durch, auf diese Weise lernte er weitere Fachvokabeln. "Das Konzept bei Berlitz ist sehr offen: Man kann eigene Schwerpunkte für den Unterricht setzen", sagt Reinhardt. Mit dem Ergebnis der Fortbildung ist er zufrieden. "E-Mails an Kollegen von anderen Holcim-Ländergesellschaften beantworte ich viel schneller. Und bei der Vorbereitung einer Präsentation habe ich die nötigen Fachwörter für die Produktsparten Beton, Zement und Zuschlagstoffe parat", sagt er. Nicht nur für Juristen wie Reinhardt sind englische Fachvokabeln im Joballtag wichtig. Auch Betriebswirte, Ingenieure und Mediziner sollten sie beherrschen, sagt Karriere-Experte Jürgen Hesse. "In der Betriebswirtschaft und im Ingenieurwesen ist schon heute ein großer Teil der Fachliteratur auf Englisch. Für Mediziner ist es wichtig, da sie in Großbritannien und auch Skandinavien heiß umworben sind. Hier ist Englisch die entscheidende Sprache", sagt der Experte.Business English, Banking and Finance, Law und Technical English - so heißen die beliebtesten der 30 branchenspezifischen Sprachkurse bei Berlitz. Weltweit bessern 300000 Kunden in 550 Berlitz-Sprachschulen ihre Sprachkenntnisse auf. 80 Prozent der Lernwilligen pauken Englisch für den Job. Die Kurse des Konkurrenten Wall Street Institute (WSI) sind ebenfalls stark gefragt. Mehr als 140000 Menschen erweitern dort jährlich ihre Englischkenntnisse (siehe Seite 2).Zahlreiche weitere Anbieter werben mit branchenspezifischen Kursen. Lernwillige erkennen seriöse Sprachschulen vor allem an den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, sagt Barbara Engler von der unabhängigen Stuttgarter Aktion Bildungsinformation (Abi). "Ein ganz wichtiger Punkt sind die Kündigungsmöglichkeiten - Kunden müssen aufpassen, nicht auf einen Knebelvertrag hereinzufallen", sagt Engler.Der Schüler sollte unbedingt eingestuft werdenGute Anbieter geben den Interessierten außerdem die Möglichkeit, in einem kostenlosen Probeunterricht zu testen, ob der Kurs für sie geeignet ist. Ein ausführlicher Einstufungstest, wie ihn Alexander Reinhardt bei Berlitz durchlief, sei ebenfalls ein Muss. Der Einstufungstest sollte sich am Europäischen Referenzrahmen für Sprachen orientieren. Dieser teilt Sprachtests in sechs Schwierigkeitsstufen ein. Abhängig davon, wie die Sprachschüler abschneiden, werden ihre Fähigkeiten von A0 (Grundkenntnisse) bis C2 (nahezu Muttersprache) eingestuft. Seriöse Schulen bescheinigen laut Engler mit einem Teilnahmezeugnis, auf welcher Niveaustufe die Sprachschüler stehen.Englischkurse für einzelne Branchen gibt es nicht nur in den heimischen Sprachschulen. Auch im Ausland können Young Professionals ihren Fachwortschatz ausbauen - und das Erlernte gleich im Gespräch mit Muttersprachlern testen. Adriana Gomez hat das gemacht, die 29-jährige Ingenieurin belegte einen zweiwöchigen Sprachkurs im britischen Brighton beim Freiburger Anbieter Dialog Sprachkurse. Die gebürtige Kolumbianerin ist seit sechs Jahren in Deutschland, seit einem Jahr arbeitet sie für das Beratungsunternehmen Fichtner in Stuttgart als Projektingenieurin. Hier betreut sie internationale Projekte, darunter den Bau einer Photovoltaik-Anlage in Spanien.
Dieser Artikel ist erschienen am 16.04.2009

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