Mein Beruf

Die MBA-Diplomatin

Kirsten Ludowig
Beate Baldwin bewegt sich Tag für Tag zwischen den Welten einer französischen und einer deutschen Business School. Als Programmdirektorin des Essec & Mannheim Executive MBA pendelt sie zwischen Paris und Mannheim.
Beate Baldwin lebt seit 20 Jahren in ParisFoto: © Bente Schipp
Die Zugstrecke Paris - Mannheim kennt Beate Baldwin in- und auswendig. Regelmäßig steigt die 39-Jährige in den TGV und fährt von ihrer Wahlheimat Frankreich nach Deutschland, wo sie in Freiburg im Breisgau geboren wurde und sowohl das Abitur als auch das Baccalauréat machte. Bei ihren Besuchen schaut sie aber nicht etwa bei Verwandten oder alten Schulfreunden vorbei, sondern bei der Mannheim Business School (MBS) - und zwar rein beruflich. Ihr Job: Baldwin arbeitet für die Essec, eine der führenden Business Schools in Frankreich; sie ist Programmdirektorin für den im Jahr 2004 ins Leben gerufenen berufsbegleitenden Essec & Mannheim Executive MBA.
Die Partnerschaft zwischen den beiden Business Schools ist laut Baldwin "einzigartig in Europa". Sie umfasst nicht nur den zeitlich befristeten Austausch von Teilnehmern (eine Kooperationsform, wie viele Schulen sie pflegen), sondern einen gemeinsamen Teilnehmer-Pool -Essec und MBS wählen jeweils die Hälfte eines Jahrgangs aus, unterrichtet wird abwechselnd in Paris und Mannheim - und die enge inhaltliche Abstimmung des 18-monatigen Programms. Dafür, dass die Zusammenarbeit reibungslos klappt, sorgt Baldwin mit viel Energie und Diplomatie: Da Essec und MBS auf zwei verschiedenen Märkten agieren, muss sehr viel abgesprochen werden.So sind Führungskräfte in Deutschland in der Regel jünger als in Frankreich und die Programmdirektorin achtet darauf, dass ein bestimmtes Durchschnittsalter pro Jahrgang gewahrt bleibt. Auch sind die Grundsäulen der MBA-Ausbildung in beiden Ländern zwar gleich, aber Fallstudien können variieren. Ein Beispiel: Durch die Nähe Frankreichs zu Nordafrika spielt der Schwarze Kontinent als wirtschaftlicher Partner im Normalfall nur in den Fallstudien, die an der Essec bearbeitet werden, eine Rolle.Zusätzliche Ethikkurse im ProgrammBaldwin, die an der Sorbonne in Paris moderne Linguistik studierte und acht Jahre in der französischen Verlagsbranche arbeitete, ist zudem verantwortlich für die Weiterentwicklung der Programminhalte. "Wir arbeiten das ganze Jahr über aktuelle Geschehnisse als auch das Feedback von Teilnehmern, Alumni und Professoren ein", erklärt sie. Nach dem Krisenjahr 2008 wurde auch an Essec und MBS der Ruf nach einer Diskussion über die gesellschaftliche Verantwortung von Managern laut. Das nahmen Baldwin und ihre Kollegen zum Anlass, den Bereich "Nachhaltige Entwicklung" zu erweitern und zusätzliche Ethikkurse ins Programm aufzunehmen.Der Spagat zwischen den Welten der Business Schools fällt Baldwin nicht schwer: Seit fast 20 Jahren lebt die Deutsche nun in Paris, wo sie auch ihren Mann aus der Dominikanischen Republik kennenlernte. Und zuhause, da leben und sprechen sie mit ihren zwei Kindern einen Mix aus deutsch, französisch und englisch.Weitere interessante Artikel zum Thema MBA:Goethe Business School startet mit Vollzeit MBAAbsolventen schwören ethisches Handeln
Dieser Artikel ist erschienen am 23.10.2009

Thema des Tages

Allgemeinbildung

 

Die besten Trainee-Stellen

Karriere-Städteranking

Jobsuche + Bewerbung

Wer verdient wieviel?

Newsletter bestellen

Berufsreport