Ein Partykeller am Freiburger Stadtrand: laute Musik dröhnt durch den Raum, Bier und Sekt werden ausgeschenkt, Mittzwanziger feiern ausgelassen – auf den ersten Blick weist nichts darauf hin, dass hier keine ganz normale Studentenfeier stattfindet.
Doch wer genau hinsieht entdeckt das Besondere: Es sind die kleinen Schleifen in Blau, Gold und Rot, befestigt am Dekolleté der Gastgeberinnen, die das Rätsel lösen. Die Farben bilden die Coleur der akademischen Damenverbindung Merzhausia Freiburg, das Schleifchen ist Pendant zu den bei den Männern üblichen Verbindungsbändern. Der Einladung zur Party sind viele gefolgt und der Keller ist rappelvoll. Mittendrin Annalena Marherr, zur Zeit Vorsitzende der rund zehn Aktiven: „Wir feiern den Semesterauftakt“, erklärt die Lehramtsstudentin.Die Mitglieder der Merzhausia mit ihrem Motto „Freundschaft Toleranz Spontaneität“ sind Exoten in der deutschen Verbindungslandschaft: Nur etwa 30 aktive Damenverbindungen gibt es hierzulande, die meisten zählen noch weniger studentische Mitglieder als der Freiburger Zusammenschluss. Dabei blicken die korporierten Studentinnen auf eine stolze Vergangenheit zurück: Um das Jahr 1900 wurden Frauen in Deutschland zum Studium zugelassen, praktisch gleichzeitig taten sich die ersten Damenrunden zusammen. Keine überdauerte jedoch die 100 Jahre, gerade nach dem Zweiten Weltkrieg fiel das Anknüpfen an die vorherige Blüte schwer. So kommt es, dass die Merzhausia mit gerade 27 Jahren die älteste durchgehend aktive Damenverbindung im deutschsprachigen Raum ist.Lebensbund StudenverbindungFür viele etablierte Männerverbindungen war die Gründung der ersten Damenbünde ein Schock: „Alles nur geklaut“, lautete der Vorwurf der Herren. Die Frauenverbindungen seien schlicht ein Abklatsch der bereits bestehenden Korporationen. Manche männliche Zusammenschlüsse setzten zur Distanzierung noch deutlicher auf das studentische Fechten und andere Bräuche, die die Frauen ausgrenzen. Doch die Frauen ließen sich nicht einschüchtern und gründeten Dachverbände. Sogar über „paukende“ Damenbünde wurde berichtet. Auch heute noch herrscht bei vielen konservativen Verbindungen Zurückhaltung gegenüber reinen Damenverbindungen und gemischten Zusammenschlüssen. Annalena Marherr und ihre Mitstreiterinnen haben in Freiburg jedoch nur positive Erfahrungen gemacht: „Wir pflegen mit vielen anderen Verbindungen Freundschaft, auf Ablehnung sind wir noch nie gestoßen.“Doch was ist der Grund für die Studentinnen, sich in der Verbindung zu engagieren? „Gemeinsame Unternehmungen schweißen zusammen und lassen ein Netzwerk wachsen“, sagt die Merzhausin Dominique Antonia Wölk. Das Miteinander sei ihr sehr wichtig. Wie bei rein männlichen Verbindungen gehen die Frauen einen Lebensbund ein und versprechen, für einander einzustehen. „Die Hilfe reicht von Rat und Tat in der Ausbildung bis zur Unterstützung im Privaten“, zählt Wölk auf. Die Runde der „Hohen Damen“, also der Verbindungsmitglieder im Beruf, zählt immerhin 60 Mitglieder. Viele haben Jura studiert, einige Lehramt oder Logopädie – so ergeben sich oftmals Anknüpfungspunkte zwischen jüngeren und älteren Mitgliedern. Außerdem reizt die jungen Frauen das Miteinander in der heterogenen Gruppe.
Deutschland ade: Unternehmen verlagern Produktion, Verwaltung und Forschung in alle Welt – weil Schwellenländer wettbewerbsfähiger werden und Manager durch Herkunft und Werdegang so weltoffene wie nüchterne Kalkulierer sind wie keine Generation vor ihnen.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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