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Deutschland exportiert sein Wissen
Die deutschen Hochschulen drängen ins Ausland. Sie gründen Unis in China, schicken Professoren in den Oman und versuchen so, ausländische Studenten nach Deutschland zu locken. Nur was haben die deutschen Studenten von diesen kostspieligen Projekten?
Wenn Gösta Hoffmann aus seinem Büro blickt, schaut er auf Palmen, den Strand und das Meer. Dreht er sich um, erblickt er schlichte Büromöbel, Computer, Telefon. Das Büro des Dozenten für angewandte Geowissenschaften unterscheidet sich kaum von dem, was deutsche Wissenschaftler gewohnt sind. Seine tägliche Arbeit hingegen schon. Seine Studenten - zu 80 Prozent Frauen - studieren in zwei Villen mit halbrunden Balkonen. Wenn Hoffmann eine Vorlesung hält, dann nicht vor 300, sondern vor acht Zuhörern. Jeder der insgesamt 200 Studenten bekommt bei der Immatrikulation einen Laptop gestellt, wer sich für Geowissenschaften einschreibt, zusätzlich einen Hammer. Für die Exkursionen.
Gösta Hoffmann ist Dozent an der German University of Technology (Gutech) in Omans Hauptstadt Maskat und damit offiziell an einer omanischen Hochschule angestellt. Doch der Deutsche lehrt nach deutschen Plänen und Methoden, die schon seine Studenten in Aachen kennengelernt haben. Die RWTH Aachen hat die erst 2007 gegründete Hochschule mit aufgebaut und ihr Know-how in das arabische Land transferiert. Sie stellt einen Teil der Dozenten und überwacht die Qualität der Ausbildung.
Deutschland drängt auf den internationalen Bildungsmarkt
Bildungsexport nennt sich das - ein Schlagwort für die deutschen Universitäten und Fachhochschulen. Nachdem sie den internationalen Bildungsmarkt jahrelang den Amerikanern und Briten überlassen haben, engagieren sie sich jetzt im Ausland. Sie leisten Aufbauhilfe bei der Gründung einer Hochschule, präsentieren sich auf Messen im Ausland, drucken Hochglanzbroschüren auf Englisch, um Studenten aus Osteuropa, Asien oder Lateinamerika nach Deutschland zu locken, eröffnen Büros in den Metropolen und lassen ihre Professoren für gemeinsame Studiengänge mit ausländischen Partnern hin- und herfliegen. Das soll ihr Profil im Ausland schärfen, die besten internationalen Köpfe nach Deutschland locken und die hiesige Wirtschaft, die zum Beispiel in Asien händeringend gut ausgebildete Leute sucht, glücklich machen.
Bleibt nur die Frage: Was haben die deutschen Studenten von diesen Investitionen? Wie profitieren sie? Günstig ist das Werben im Ausland nämlich nicht - und den klammen Hochschulen fehlt bereits das Geld, um heimische Bibliotheken auszustatten und neue Farbe für ihre Hörsäle zu kaufen.
Wenn es in Deutschland so etwas wie eine Zentrale für die Internationalisierung der deutschen Hochschulen gibt, dann hier: Bonn, Kennedyallee 50. Hier hat, in einem langgezogenen grauen Bürobau, der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) seinen Hauptsitz und auch Gate-Germany, das Konsortium Internationales Hochschulmarketing. Seit 2001 gibt es Gate, angedockt an den DAAD und mitinitiiert von der Hochschulrektorenkonferenz. Das Geld kommt aus Berlin. 1,5 Millionen Euro jährlich macht Bundesbildungsministerin Annette Schavan für die Auslandsarbeit locker - die verschiedenen Förderprogramme noch nicht eingerechnet.
Die internationale Repräsentation wird deutlich besser
DAAD und Gate-Germany bringen es auf 17 Außenstellen und 49 Informationszentren auf der ganzen Welt. "Alle Außenstellen machen Marketing", sagt Monika Gurski, die das Referat für Internationale Hochschulmessen und Marketing-Dienstleistungen leitet. Die Außenstellen helfen bei der Organisation von Messen und erstellen auch schon mal umfangreiche Länderstudien und Berichte für einzelne Hochschulen. Da gibt es zum Beispiel das Rundum-Sorglos-Paket für Auslandsmessen, von denen Gate im Jahr 230 finanziert. Die mehr als 120 Hochschulen, die bei Gate Mitglied sind und die jährliche Gebühr von 1200 bis 3000 Euro zahlen, bekommen all die Dienstleistungen zum Schnäppchenpreis. Für die Marktstudie eines Landes hat eine Mitgliedshochschule einen niedrigen vierstelligen Betrag gezahlt, eine Messeteilnahme mit eigenem Stand kostet zwischen 250 und 2500 Euro. Flug und Unterkunft für ihre Mitarbeiter zahlen die Universitäten und Fachhochschulen selbst. Gate bewirbt immer Deutschland als Studienort, sagt Gurski. Die Hochschulen können aber auch eigene Stände buchen, die werden aber einheitlich entworfen. Vor allem Masterstudenten im Ausland will man damit für ein Studium in Deutschland begeistern.
Es sind vor allem die sogenannten Elite-Unis, die ins Ausland drängen, die Freie Universität Berlin, die Technische Universität München und die RWTH Aachen zum Beispiel. "Die Technischen Unis sind Vorreiter, ein paar größere Unis plus einige größere FHs kommen dazu", sagt Gurski. Die TUs geben im Schnitt etwa 30 000 Euro im Jahr fürs Marketing im Ausland aus, die großen Universitäten 15000 Euro und die größeren FHs lassen sich das um die 10 000 Euro kosten. Anja Gadow vom Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs) hält von diesem Werben wenig. "Wenn die deutschen Hochschulen so wären, wie in diesen Hochglanzbroschüren dargestellt, hätten wir keinen Bildungsstreik", sagt Gadow.
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