Fremdsprachen

Chinesisch: Hürde und Chance

Astrid Oldekop
Fremdsprachen zu beherrschen ist der Grundstein für jede Karriere. Vor allem asiatische Sprachen werden immer wichtiger. Für Chinesisch braucht man Zeit. Wer es spricht, ist den anderen meilenweit voraus.
Das Lernen der chinesischen Schriftzeichen ist für Europäer eine große HerausforderungFoto: © MIRRO - Fotolia.com
Nur 411 Silben, vier Tonlagen. Das war's. Mehr Laute kennt die chinesische Sprache nicht. Mit der Grammatik sieht es ähnlich aus: Ein Wort kann Adjektiv, Präposition, Verb oder Nomen sein. Es gibt keine Deklination, keine Konjugation, kein Geschlecht, keinen Plural, keine Zeiten. Chinesen selbst sagen von ihrer Sprache sogar, sie habe gar keine Grammatik. "Es gibt Tage, da denkt man, es gibt nur zehn verschiedene Silben und alles hört sich gleich an", sagt Wanja Halmschlag, der zurzeit intensiv am Landesspracheninstitut in Bochum (LSI) gesprochenes Chinesisch büffelt.
Dialekte erhöhen die VerständnisschwierigkeitenIm Mai setzt der Stipendiat des Heinz-Nixdorf-Programms seinen Sprachkurs im chinesischen Jinan fort. Er ahnt: Im Land wird seine Fähigkeit, sich auf ein völlig fremdes Sprach- und Denksystem einzulassen, noch stärker gefordert. Die meisten Chinesen sprechen zwar Hochchinesisch, doch vor allem im Süden reduzieren sie die Zahl der Zischlaute und damit die ohnehin geringe Anzahl der Silben noch einmal erheblich und verschleifen die vier Töne. Zudem haben sie die ärgerliche Angewohnheit, mehrsilbige Wendungen zu verkürzen. Jeder Ausländer kommt an den Punkt, an dem alles nur noch nach Ching-Chang-Chung klingt.Doch davon lässt sich Wanja Halmschlag nicht abhalten. Und er folgt einem Trend: Chinesisch wird an bald 200 deutschen Schulen gelehrt und ist zum Abiturfach avanciert. An Hochschulen entstehen Studiengänge mit Chinesisch-Bausteinen. Deutsche strömen zum Praktikum in die Volksrepublik. China eröffnet weltweit Konfuzius-Institute zur Verbreitung seiner Sprache und Kultur. Was 1,3 Milliarden Menschen im Land und weitere 40 Millionen Auslandschinesen sprechen, kann keine Nebensächlichkeit sein, ist das Kalkül der Chinesisch-Lernenden. 40 Millionen sollen es weltweit sein."Chinesisch ist die Sprache der Gegenwart, nicht die Sprache der Zukunft", sagt Peter Hachenberg, Leiter des KonfuziusInstituts Düsseldorf. Doch mit der Welle der Chinesisch-Lernenden sind auch die Zeiten vorbei, in denen schon ein paar Brocken Chinesisch im Lebenslauf ein Alleinstellungsmerkmal bedeuteten.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.05.2009

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