MBA

Business Schools suchen neue Chefs

Stefani Hergert
An einigen der besten Business Schools der Welt gehen die Chefs. Die Nachfolger werden wahrscheinlich zum großen Teil aus der akademischen Welt und eventuell auch aus neuen Disziplinen kommen. Sie müssen sich der Krise und anderen Herausforderungen stellen.
Aufgabe für den neuen Dean: Neubau der Yale School of ManagementFoto: © Foster+Partners
Die Nachricht überraschte. Der scheidende Chef der Chicago Booth School of Business, Edward A. Snyder, wird künftig die Yale School of  Management leiten. Nach zwei Amtszeiten und neun Jahren an der Spitze hatte er im Dezember verkündet, Chicago Ende Juni zu verlassen, sich eine einjährige Auszeit zu nehmen und über seine Zukunft nachzudenken. Zumindest Letzteres hat er schnell abgeschlossen. Im Juli nächsten Jahres fängt er in Yale an und löst Interims-Chefin Sharon M. Oster ab, verkündete Yale nur wenige Wochen später. Snyder wird nicht der einzige Dean sein, der sich auf einem neuen Chefposten einleben muss.
Die Business Schools Harvard, Yale, Kellogg, Chicago Booth, Insead oder auch Judge an der ehrwürdigen University of Cambridge bekommen bald einen neuen Chef. An einigen der besten und bekanntesten Schulen der Welt läuft also die Suche nach einem Dean, oder wurde ein Nachfolger gerade erst gefunden. Die „Neuen“ kommen in einer Zeit, in der Business Schools und die MBA-Ausbildung heftig in der Kritik stehen.Die Deans müssen ihre Programme und Schulen wieder mehr auf die Bedürfnisse der Wirtschaft auslegen. „Wir müssen stärker darüber nachdenken, wie wir herausfinden, was die Wirtschaft wirklich braucht“, sagt der noch amtierende Chef der Judge Business School, Arnoud De Meyer, der zum September an die Singapore Management University wechselt. Die Wirtschaft ist komplexer geworden, die Krise hat die Schulen hart getroffen. Finanzierung, Fundraising, interdisziplinäre Ansätze und Änderungen an den Lehrplänen – all das wird den neuen Chefs schnell auf die Füße fallen.Die Neuen sind nicht mehr Teil der ErfolgsgeschichteDie alten Deans waren Teil der unglaublichen Erfolgsgeschichte, die Business Schools in den vergangenen 15 Jahren geschrieben haben – bis zur Krise. Die neuen Chefs treten nun Führungsposten in Institutionen an, die viel von ihrem Ruf und ihrem Ansehen eingebüßt haben, die teils hektisch nach der eigenen Rolle suchen und vielleicht auch deshalb einen günstigen Zeitpunkt für einen Neustart sehen. „Wir müssen uns weg von Business Schools hin zu ,Schools for Business’ bewegen“, sagt De Meyer. Vor allem ihre eigene Rolle und Aufgabe müssen die Schulen im Zuge der massiven Kritik in der Krise neu finden. „Business Schools sind ein bisschen arrogant geworden“, sagt De Meyer, der die Judge Business School schon ein Jahr vor Ende der eigentlich fünfjährigen Amtszeit verlässt. Sie würden immer noch glauben zu wissen, was die Wirtschaftswelt in puncto Management braucht.De Meyer fordert, dass sich die Schulen viel stärker mit anderen Fachbereichen – sei es Psychologie, Naturwissenschaften, Politikwissenschaft – vernetzen und stärker interdisziplinär arbeiten müssen. Die Welt wächst stärker zusammen und wird komplexer. Integrierte Ansätze sind auch in der Managementausbildung gefragt, gemeinsame Programme verschiedener Fakultäten mit Doppelabschluss ein Trend. Der neue Dean der Judge Business School müsse daher beispielsweise guter Partner für die anderen Disziplinen sein und den Anschluss an die anderen Fakultäten wahren, sagt De Meyer.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.02.2010

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