Fremdsprachen

Arabisch: Vom Exot zum Türöffner

Gabriela Keller
Immer mehr Studierende entdecken die arabische Welt für sich. Denn der Nahe Osten ist sowohl wirtschaftlich als auch politisch in das Blickfeld der westlichen Welt gerückt. Wer die Komplexität der Sprache beherrschen und die fremde Kultur verstehen will, vertieft seine Kenntnisse am besten vor Ort.
Wer in den Nahen Osten will, sollte sich auf Sprache und Kultur vorbereitenFoto: © Mirek Hejnicki-Fotolia.com
Die Gäste des kleinen Cafés sitzen im warmen, satt gelben Licht der Nachmittagssonne, sie nippen Latte Macchiato aus hohen Gläsern, hier und dort tippt jemand auf seinem Apple-Computer herum. Ein paar Mädchen im Minirock flanieren vorüber, ihre Pfennigabsätze klicken leise auf dem Asphalt. Das soll der Nahe Osten sein? Benjamin Schütze lächelt und sagt: "Ich habe mich für den Libanon entschieden, weil die Gesellschaft hier von allen arabischen Ländern am interessantesten ist, am offensten und vielfältigsten."
Ringsum breitet sich das Beiruter Viertel Hamra aus, die American University Beirut (AUB) liegt ganz in der Nähe. Dort hat Benjamin Schütze, 22 Jahre alt, ein Semester verbracht, neben Seminaren in Politik belegte er einen Arabischkurs. Zwar hatte er bereits vier Semester Arabistik in Leipzig studiert, doch dort blieb ihm der Sprachunterricht zu theoretisch. Anfangs fiel es ihm daher schwer, sich verständlich zu machen. Der Ansatz der AUB ist modern und multimedial - die Studenten müssen Hausaufgaben auf USB-Sticks sprechen, über einen Youtube-Kanal können sie ihr Hörverständnis trainieren. "Jetzt bin ich so weit, dass ich mich über einige Themen fließend unterhalten kann", sagt Schütze.Studierende zieht es in den Nahen OstenDas Interesse am Arabischen hat sprunghaft zugenommen. Während die Nachfrage bis vor wenigen Jahren noch verschwindend gering war, strömen mittlerweile jedes Jahr Tausende von Studenten und jungen Arbeitnehmern aus aller Welt in den Nahen Osten. Dort trifft man nicht nur angehende Arabisten und Islamwissenschaftler, sondern Vertreter aller möglichen Fachrichtungen: Es gibt BWL-Studenten, die später Handelsbeziehungen in der arabischen Welt betreuen wollen, Sozialarbeiter, die mit Flüchtlingen arbeiten, Ingenieure, die auf den aufstrebenden Märkten der Region beim Ausbau der Infrastruktur helfen möchten.Benjamin Schütze will für eine internationale NGO in der Region arbeiten, zum Beispiel für die Vereinten Nationen. Nach dem Ende seines Semesters an der AUB hat er ein Praktikum bei der Friedrich-Ebert-Stiftung begonnen, die sich im Libanon mit der Stärkung der Demokratie und Zivilgesellschaft befasst. "Ich denke, wenn ich mein Arabisch weiter ausbaue und dazu die Kombination aus gutem Uni-Abschluss und praktischen Erfahrungen vor Ort bieten kann, werden meine Chancen äußerst gut sein."Arabisch wird von rund 280 Millionen Muttersprachlern gesprochen und belegt den fünften Platz unter den am weitest verbreiteten Sprachen der Erde. Doch Arabisch ist außerordentlich schwer zu erlernen, und es gibt mehrere Versionen: Fussha, die Hochsprache, wird von Mekka bis Medina in Bildung, Medien und Literatur verwendet. Auf der Straße hingegen sprechen die Menschen Amiye, ihren jeweiligen Dialekt, der von Land zu Land stark variieren kann.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.07.2009

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