Uni fertig - und kein Job? Die Krise auf dem Arbeitsmarkt hat auch gut ausgebildete Hochschulabsolventen erreicht. Ob Weiterbildung oder Kreativpause im Ausland - wir stellen Ihnen Berufsanfänger vor, die die Zwangspause ganz unterschiedlich nutzen.
Wäre Eugen Wolynski eine Firma, müsste die Bundesregierung jetzt mit ihrem Hilfspaket einspringen. Denn er ist unverschuldet in schwere Probleme geraten. Aber Wolynski besteht nicht aus Fabrikhallen, Werkzeugmaschinen und Auftragsbüchern, sondern aus Haut, Haar und Knochen. Und das ist von Nachteil in diesen Zeiten. Wolynski studierte in Hamburg technische BWL in der Regelzeit von acht Semestern und gehörte zu den besten zehn Prozent seines Jahrgangs. Neben dem Studium engagierte er sich im Verband der russischsprachigen Jugend in Deutschland und ist Mitglied in zwei Logistikverbänden - um "fachlich auf dem neusten Stand zu bleiben". Wolynski hat das Profil, bei dem Personalchefs sich sonst die Hände reiben. Doch in der Krise? Nichts zu machen.Seit Dezember ist er mit dem Studium fertig - und seitdem arbeitslos. Denn die Wirtschaftskrise trifft Universitätsabsolventen besonders hart. Sie verlassen die Hochschulen zwar top ausgebildet und hoch motiviert, verfügen aber noch nicht über Berufserfahrung - und das ist in Zeiten der Krise schlechter denn je. "Natürlich tun die Unternehmen momentan einen Teufel daran, neue Leute einzustellen, wenn sie keinen unmittelbaren Bedarf haben, da sie noch nicht absehen können, wann die Krise vorbei ist", sagt Dieter Dohmen, Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie. Die Wirtschaft schrumpft stark wie noch nie, allein um 3,8 Prozent im vergangenen Quartal. Die Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück.Praktika statt ArbeitsplatzDennoch ist keine Panik angebracht, so der Bildungsforscher. "Der nächste Aufschwung wird kommen. Man muss die Krise nur sinnvoll überbrücken." Wolynski ist ratlos. Er sitzt in der Mensa der Uni Hamburg und wirkt etwas verloren. Er trägt einen dunklen Anzug, eine Krawatte, unter dem Arm klemmt eine edle Ledertasche. Zwischen den Studenten in Jeans und lässigen T-Shirts wirkt Wolynski fehl am Platz. Eigentlich sollte er jetzt woanders sein. An einem Arbeitsplatz, in wichtigen Meetings.Die Finanzkrise hat ihn, völlig unverschuldet, aus der Bahn geworfen. 91 Bewerbungen hat er schon geschrieben, bis 100 will er noch weitermachen. Zeit für einen Nebenjob oder ein Ehrenamt bleibt dabei nicht. "Die Bewerbungen nehmen mich voll in Anspruch", sagt Wolynski. Deren Stand notiert er in einer Excel-Tabelle und markiert die Felder farbig: Grün bedeutet eine Zusage zu einem Vorstellungsgespräch, Gelb zeigt, dass die Bewerbung noch läuft, und Rot steht für eine Absage. Wenn alle Felder rot sind, kommt Plan B zum Zug: "Dann muss ich wohl in den sauren Apfel beißen und mache irgendein Praktikum. Dafür bin ich eigentlich überqualifiziert, aber es ist das Wichtigste für mich, im Thema zu bleiben und weiter voranzukommen."Praktika klingen für viele Hochschulabsolventen abschreckend, sollten sie doch in erster Linie Praxiserfahrung während der Ausbildung bieten. Doch derzeit sehen Arbeitsuchende diese Option als Erstes, um die Krise zu nutzen. Wenn's sein muss, auch in 8000 Kilometer Entfernung: In Singapur arbeitet Sascha Sommer (siehe Porträt Seite 3) zurzeit für den Industriesaugerhersteller Ruwac. Er hatte eine Stelle nach seinem Diplom schon fast in der Tasche. "Ist aber nichts draus geworden, Einstellungsstopp, die Krise, alles auf null."
Viele Führungsetagen "sind von Dilettantismus geprägt", sagt der Motivationstrainer Rolf Schmiel im Interview. Statt ihren Mitarbeitern Visionen und Perspektiven zu vermitteln, hinterließen die Chefs oft nur Orientierungslosigkeit..
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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