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Bewerbungswiki

Zwischenzeugnis

Es gibt viele gute Gründe, sich vom Chef ein Zwischenzeugnis ausstellen zu lassen. Arbeitnehmer sollten die Gelegenheiten nutzen.
Jeder Arbeitnehmer hat bei einem triftigen Grund Anspruch auf ein Zwischenzeugnis. Und von diesem Recht sollte er möglichst alle paar Jahre Gebrauch machen, wenn sich die Chance bietet. Denn früher oder später ist vielleicht ein Jobwechsel geplant – und dann ist es häufig taktisch unklug, nach einem Zwischenzeugnis zu fragen. Die Gefahr, dadurch den Vorgesetzten misstrauisch zu machen, ist groß.

Typische Anlässe für eine Zwischenbeurteilung der Leistungen sind: 

  • Wechsel in der Führungsetage bzw. des direkten Vorgesetzten 
  • wesentliche Änderungen des Aufgabengebiets 
  • Beförderung 
  • Versetzung in eine andere Abteilung/an einen anderen Standort 
  • Umstrukturierungen der Abteilung oder des Unternehmens 
  • längere Abordnung zu einem Projekt 
  • längere Jobpause durch Elternzeit, Sabbatical oder eine Weiterbildung/Studium 
  • drohende Kündigung (beispielsweise bei drohender Insolvenz des Unternehmens oder angekündigten Rationalisierungsmaßnahmen)

Bindungswirkung nutzen

Generell unterscheidet sich ein Zwischenzeugnis von Aufbau, Inhalt und Form nicht von einem normalen >>> Arbeitszeugnis, das ein Mitarbeiter nach seinem Ausscheiden von seinem bisherigen Arbeitgeber erhält. Es ist daher eine wichtige Grundlage für das Endzeugnis. Einziger Unterschied: Die Aussagen werden in der Gegenwartsform formuliert, da das Arbeitsverhältnis noch besteht.

Generell gilt: Es gibt eine Bindungswirkung des Zwischenzeugnisses. Das heißt, Inhalt und Beurteilung (sprich die Note am Ende) des Zwischenzeugnis müssen grundsätzlich ins Endzeugnis übernommen werden – außer es ist zu gravierenden Leistungs- und/oder Verhaltensänderungen des Arbeitnehmers gekommen. Das hat das Bundesarbeitsgericht entschieden. Auf den konkreten Wortlaut ist der Arbeitgeber allerdings nicht festgelegt.

Status Quo festhalten

Umso wertvoller ist für jeden Arbeitnehmer, sich in regelmäßigen Abständen – möglichst alle vier bis fünf Jahre – einen Zwischenstand der eigenen Leistungen vom Arbeitgeber schriftlich geben zu lassen. Schließlich weiß man nie, ob ein neuer Chef die eigenen Qualitäten genauso bewertet – oder man selber plötzlich die Chance für eine berufliche Weiterentwicklung nutzen will.

Ohne einen der oben genannten Gründe nach einem Zwischenzeugnis zu fragen, ist heikel – und lässt sicherlich viele Chefs aufhorchen. Die Folge kann im schlimmsten Fall sein, dass dem Mitarbeiter künftig mangelnde >>> Leistungsmotivation und >>> Loyalität für den Arbeitgeber unterstellt wird – und er deshalb bei großen, wichtigen Projekten oder gar Beförderungen außen vor bleibt.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.07.2014

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