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Bewerbungswiki

Kündigung vor Dienstantritt

Es ist eigentlich ein Luxus-Problem – und doch sehr ärgerlich: Da hat man einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben, bekommt aber noch vor Jobstart ein zweites, lukrativeres Angebot auf den Tisch. Da liegt es natürlich nahe, den ersten Arbeitsvertrag noch vor Dienstantritt zu kündigen.
Das ist allerdings nicht immer problemlos möglich. Denn um beispielsweise zusätzliche Kosten für ein erneutes Bewerbungsverfahren zu vermeiden, nehmen manche Unternehmen in ihre Arbeitsverträge Klauseln auf, die eine Kündigung vor Jobantritt ausdrücklich ausschließen. Solche Klauseln sind allerdings nur wirksam, wenn das Kündigungsverbot für beide Vertragspartner – also Arbeitgeber und Arbeitnehmer gilt.

Bloß nicht einfach wegbleiben

Was tun? "Am ersten Arbeitstag einfach nicht auftauchen, ist sicherlich das Dümmste, was man machen kann", sagt Doris-Maria Schuster, Arbeitsrechtsexpertin der Frankfurter Kanzlei Gleiss Lutz. Denn die Unterschrift ist bindend und der Chef kann unter Umständen sogar Schadenersatz verlangen.

Außerdem spricht sich derart schlechter Stil in der Branche rasch herum, warnt Arbeitsrechtlerin Schuster. "Das kann sich schnell zur Karrierebremse entwickeln." Sie rät, stets mit offenen Karten zu spielen. Vielleicht führt das Gespräch mit dem verschmähten Arbeitgeber sogar zu einem besseren Angebot. Oder er entlässt einen aus dem Vertrag. Weigert sich das Unternehmen, bleibt nur die reguläre Eigenkündigung.

Abfindung bei Kündigung vereinbaren

Doch auch für viele Jobsuchende kann eine solche Kündigungsverbotsklausel im Arbeitsvertrag interessant sein – vor allem für Führungskräfte, die bei einem Jobwechsel einen hohen sozialen Besitzstand aufgeben. Bei einer Kündigung des alten Arbeitgebers wären hohe Abfindungen und lange Kündigungsfristen fällig. Jeder Wechsel ist daher auch ein Vertrauensbeweis für das neue Unternehmen.

Deshalb ist es in diesem Fall, im Interesse des Arbeitnehmers, eine Kündigung vor Dienstantritt im Arbeitsvertrag auszuschließen. "Der Mitarbeiter kann für den Fall einer Kündigung eine Abfindung vereinbaren, die sich der Höhe nach an dem Besitzstand des alten Unternehmens orientiert", sagt Christoph Abeln, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin.

Solche finanziellen Ausgleichszahlungen können in der Regel aber nur Fach- und Führungskräfte durchsetzen, deren Marktwert besonders hoch ist – und an denen der künftige Arbeitgeber großes Interesse hat. Wer eine langjährige Stelle aufgibt, um zu einem neuen Arbeitgeber zu wechseln, kann aber bei den Verhandlungen auf jeden Fall versuchen, eine entsprechende Klausel mit finanzieller Abfederung zu vereinbaren.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.04.2014

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