Die richtige Bewerbung

Weg mit den Stolpersteinen im Lebenslauf

C. Püttjer, U. Schnierda
Überlange Studienzeiten haben in der Regel Gründe, und diese sollten auch genannt werden. Wer sein Studium selbst finanziert, kranke Angehörige gepflegt oder Kinder erzogen hat, sollte dies im Lebenslauf kurz vermerken. So wird eine verlängerte Studienzeit plausibel. So mancher Personaler macht hieran sogar eine ausgeprägte Belastungsfähigkeit fest. Schließlich mussten diese Bewerber über einen längeren Zeitraum mit Doppelbelastungen fertig werden.Ein weiterer Stolperstein ist die Darstellung eigentlich unpassender Praktika. Eine Bewerberin, die ins Produktmanagement möchte, aber nur ein Praktikum im Vertrieb vorweisen kann, macht es sich mit dem richtigen Dreh ebenfalls leichter. Sie sollte die Tätigkeiten und Erfahrungen herausstellen, die zumindest eine gewisse Nähe zum Produktmanagement haben. Dies könnten Point-of-sale-Aktivitäten, Rückmeldungen über die Produktakzeptanz und aktuelle Marktkenntnisse sein. Wichtig ist also, die Tätigkeiten aus dem Praktikum herauszukristallisieren, die auch im Wunschberuf zum Tragen kommen.Für berufserfahrene Bewerber sind sehr kurze Beschäftigungsverhältnisse echte Stolpersteine. Oftmals liegt die Verantwortung für die kurze Dauer aber gar nicht beim Bewerber, wie wir immer wieder erstaunt feststellen. Erst auf Nachfrage wird deutlich, dass ein früherer Arbeitgeber in Insolvenz gegangen oder verkauft worden ist, dass ein Headhunter den Mitarbeiter abgeworben oder dass ein neuer Vorgesetzter das gesamte Team ausgetauscht hat. Auch diese Informationen sollten direkt aus dem Lebenslauf ersichtlich sein.Christian Püttjer und Uwe Schnierda beraten seit 15 Jahren Einsteiger und Berufserfahrene (www.karriereakademie.de) und sind Autoren zahlreicher Ratgeber zur beruflichen Erfolgsstrategie.Was Personaler nervt"Wenn ein Bewerber den Wechsel seines Studienfachs damit erklärt, er habe zu spät gemerkt, dass der Beruf seines Vaters gar nicht den eigenen Neigungen entspricht, kann ich das gut nachvollziehen. Lücken im Lebenslauf müssen nicht sein, irgendetwas hat man ja gemacht. Das kann man unterschiedlich darstellen: Der eine gibt an, er habe ein Sabbatical gemacht. Der andere sagt, er habe ein Jahr lang abgehangen. Der häufigste Grund für Lücken ist ein langer Urlaub. In multinationalen Unternehmen ist interkulturelle Kompetenz wichtig. Deshalb ist es nicht verkehrt zu schreiben, man habe drei Monate lang eine andere Kultur kennengelernt. Wenn einer lange studiert hat, frage ich ihn, warum seine Mitbewerber fünf Jahre jünger sind. Wenn er mit Achselzucken reagiert, mache ich eine Notiz: 'wenig zielorientiert'."Dirk Marek ist Leiter des Strategic Sourcing bei der Metro Group. Mitarbeiter in der AG: 342, Bewerbungen: 3400, Einstellungen: 40Lebenslauf: Akzente setzen, Stärken hervorhebenMappe: Auch Personaler lieben's schön
Dieser Artikel ist erschienen am 29.09.2008

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