Ratgeber

So bekommen Sie ein Zwischenzeugnis

Christian Püttjer, Uwe Schnierda
Im Gegensatz zu Abschlusszeugnissen werden die Bewertungen in der Gegenwartsform gegeben. Bei Zwischenzeugnissen, die in der Vergangenheitsform verfasst wurden, vermuten Experten, dass dem Arbeitnehmer bereits die Kündigung in Aussicht gestellt worden ist und sein Schlusszeugnis lediglich die Überschrift Zwischenzeugnis trägt. Dies kann als indirekte Abwertung sämtlicher Einzelnoten verstanden werden.Die Durchschnittsnote ist "Befriedigend", diese Note bekommt aber jeder, der nicht unangenehm aufgefallen ist. Leistungsträger punkten mit "Gut" oder "Sehr gut". Damit Ihre Chefs Ihre gute Bewertung nachvollziehen können, verweisen Sie auf Mitarbeitergespräche oder Erfolge, die auch im Zwischenzeugnis genannt werden können.Formulierungen wie "Hervorzuheben ist seine erfolgreiche Neugestaltung der Arbeitsprozesse im Qualitätsmanagement" rufen Vorgesetzten Ihre Leistungen in Erinnerung und machen Ihr berufliches Profil deutlich sichtbar.Nutzen Sie die Gunst der StundeIm Schlussabsatz kann natürlich nicht die übliche Dankes-Bedauerns-Formel stehen. Sinnvoll wäre zum Beispiel: "Wir danken ihr ausdrücklich für ihre gute Mitarbeit und hoffen auf eine noch lang währende produktive Zusammenarbeit."Wir möchten Sie davor bewahren, dass Sie eines Tages vor der Schwierigkeit stehen, gute Bewertungen einzufordern, für die es keine Zeugen - also ehemalige Fachvorgesetzte - mehr gibt. Nutzen Sie lieber die Gunst der Stunde.Scheiden Fachvorgesetzte aus der Abteilung oder dem Unternehmen aus, kann sich deren positive Stimmung auch in einem äußerst wohlwollenden Zwischenzeugnis niederschlagen. Auch ein Wechsel Ihrer Arbeitsinhalte sollte rechtzeitig dokumentiert werden. So können Sie in künftigen Vorstellungsgesprächen glaubhaft darauf verweisen, dass man Ihre Aufgaben gerade deshalb verändert oder erweitert hat, weil Sie stets überzeugende Arbeit abgeliefert haben.Was Personaler nervt"Beim Wechsel von Vorgesetzten, Versetzung auf einen anderen Arbeitsplatz oder nach der Probezeit wird ein vierseitiger, standardisierter Personalbericht erstellt, der unternehmensintern als Zwischenzeugnis Gültigkeit hat. Jeder Mitarbeiter bekommt diesen Bericht, auch wenn er ins Ausland entsendet wird, in Elternzeit geht oder eine Weiterbildung macht. Praktikanten und Werkstudenten erhalten von uns ein Zeugnis in Form einer Arbeitsbescheinigung.Sollte der Grund der Bitte um ein Zwischenzeugnis ein beabsichtigter Wechsel des Arbeitgebers sein, empfehlen wir eine offene Kommunikation gegenüber dem Vorgesetzten oder den Kollegen im Personalbereich. Bei der Auswahl von Bewerbern lesen wir selbstverständlich auch Zwischenzeugnisse sehr genau." Nicole Brendicke, Recruiting & Personalmarketing, Merck; (Mitarbeiter in Deutschland: 10300; Bewerbungen: 18000*; Interviews: 3200; Einstellungen: 900* *Fach- und Führungskräfte 2008)
Dieser Artikel ist erschienen am 01.05.2009

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