Bewerbung

Selbstbewusst durchs Assessment Center

J. Niederstadt
Positiv fallen Kandidaten auf, die nachweisen können, dass sie Anmerkungen schon während des ACs aufgegriffen und umgesetzt haben. Oft erhalten sie schon nach einzelnen Übungen ein knappes Zwischenfeedback. Wer die Kritik aufnimmt und in der nächsten Übung Lernfähigkeit zeigt, sammelt Bonuspunkte. „Im Feedback-Gespräch sollten Kandidaten noch einmal letzte Reserven mobilisieren, auch wenn sie mit den Kräften am Ende sind“, rät Püttjer. Nur dann nehmen sie alle Chancen mit, die ein Assessment Center bietet.Denn das Stärken-Schwächen-Profil nutzt nicht nur dem Unternehmen bei der Personalplanung. Auch jeder Teilnehmer lernt sich und sein Können besser einzuschätzen. "Ich weiß jetzt noch genauer, wo meine Potenziale liegen und welche Fähigkeiten ich noch optimieren sollte", sagt Prüfling Stoll nach zweieinhalb Tage Assessment Center, es war sein erstes. Der 38-Jährige ist zufrieden - und vor allem hundemüde.Interne Assessment Center wie das von Altana kennen keine Sieger oder Verlierer. Das ist bei Auswahl-Tests natürlich anders: Hier kann am Ende der anstrengenden Tage die Enttäuschung stehen, in den Übungen nicht überzeugt zu haben. Doch selbst wer abgelehnt wird, kann vom Assessment Center profitieren: Das nächste Mal geht er sicher gelassener in die Übungen. Gewitzte Hochschulabsolventen lassen sich sogar zu Assessment Centern einladen, auch wenn sie kein Interesse an der ausgeschriebenen Stelle haben. Der Probelauf bringt Routine und lockert auf - gute Voraussetzungen für das entscheidende Auswahlverfahren.Die Spontaneität verliert jedoch leicht, wer sich zu gründlich vorbereitet. Christoph Aldering von der Personalberatung Kienbaum warnt: „Viele Bewerber steigern sich in Horrorgeschichten über ACs hinein und erwarten, dass sie in den Übungen fertig gemacht werden.“ Das hat auch Susanne Behrens erlebt. Seit einem Jahr ist sie Trainee bei Philips, ausgewählt wurde sie in einem Assessment Center. „Ich hatte mich zu gründlich vorbereitet und damit Ängste aufgebaut, die gar nicht nötig waren“, sagt sie heute. Behrens studierte damals mehrere Ratgeber, übte mit Logik- und Intelligenztrainern, besuchte schließlich an der Universität ein Probe-Assessment. „Das hat mich eher aus dem Konzept gebracht, denn das Uni-Verfahren war sehr hart.“ Die Prüfungstage bei Philips haben Behrens dann überrascht: Mit der freundlichen Stimmung konnte sie anfangs gar nicht umgehen und wartete stattdessen auf die böse Überraschung.Die kam nicht - stattdessen erhielt sie einen Vertrag. Und das, obwohl ihr eine Übung gründlich misslang. Das Mitarbeitergespräch lief nicht gut. „Irgendwann bin ich gar nicht mehr richtig auf meinen Gesprächspartner eingegangen“, so Behrens. Dies wurde ihr im Feedback vorgeworfen. „Den Satz 'Ihre Mitarbeiterin hat sich nach dem Gespräch wirklich schlecht gefühlt' werde ich im Berufsalltag bestimmt nicht mehr vergessen“, sagt sie. „Sollte ich später als Führungskraft arbeiten, werde ich Konflikte sicher anders lösen.“Im schlimmsten Fall verleitet eine übertriebene Vorbereitung zur Schauspielerei. „Viele Kandidaten wirken so, als hätten sie bestimmte Antworten auswendig gelernt“, warnt Experte Aldering. „Damit verlieren sie an Glaubwürdigkeit.“ Die Beobachter erkennen einstudiertes Verhalten schnell. Schließlich machen sie den Job seit Jahren. Kandidaten müssen also die schwierige Balance finden zwischen sicherem Auftreten und natürlicher Ausstrahlung. Zur nötigen Portion Selbstbewusstsein verhilft die Gewissheit, dass auch das Unternehmen ein Interesse hat, die Kandidaten fair zu behandeln.„Assessment Center sind die Visitenkarte eines Unternehmens“, sagt Christoph Aldering. In Stresssituationen sollten sich Kandidaten deshalb bewusst machen: Am Tisch sitzen zwei Verhandlungspartner, die sich gegenseitig prüfen: Passen wir zueinander? „Niemand geht als Bittsteller in ein Assessment“, so Aldering. „Deshalb ist der wichtigste Rat der einfachste: Bleiben Sie Sie selbst!“
Dieser Artikel ist erschienen am 20.05.2008

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